Nach zwei Wochen
Große Resonanz auf gruuna-Start
Mitte August ist gruuna – der Landwirtschaftsmarkt im Internet an den Start gegangen. Nach einer ausführlichen Testphase, bei der uns viele Landwirte und Händler unterstützt haben, wurde die Handelsplattform am 16.08. freigeschaltet. Seit dem gab es viel Bewegung. Über 600 Firmen aus ganz Deutschland haben sich inzwischen für den Handel registriert. Zahlreiche Ein- und Verkäufe für verschiedene Produkte der Agrarbranche sind auf gruuna aktiv.
Sie können Maschinen kaufen, Futtermittel oder Tiere handeln. Wenn Sie gruuna besuchen, finden Sie seit einigen Tagen auf der rechten Seite eine Übersicht der neusten Handelsvorgänge. So können Sie sich schon vor einer Registrierung schnell ein Bild über die Angebote und Gesuche machen.
Auch verschiedene Medien haben den Landwirtschaftsmarkt als Thema entdeckt. Regionalzeitungen, wie die Sächsische Zeitung, die Morgenpost für Sachsen oder die Magdeburger Volksstimme, haben gruuna vorgestellt. Der Informationsdienst Agrar Europa hat über gruuna berichtet, genauso wie das Internetportal agrarheute.com, das dlz Agrarmagazin und Land und Forst. Auch das Online-Magazin Gruenderszene.de hat unseren Start vermeldet.
Wenn Sie sich schnell und kostenfrei für den Handel auf gruuna registrieren möchten, melden Sie sich einfach bei unseren Mitarbeitern unter Telefon: 0371 / 3371 7190. Anschließend können Sie sofort in den Handel mit Firmen aus ganz Deutschland einsteigen.
Die zwei Gesichter der Gentechnik
Mit einem kompletten Verkaufsverbot für Fleisch und Milchprodukten, die von geklonten Tieren stammen, will uns das Europäische Parlament vor einer Situation bewahren, die in den vergangenen Monaten in Großbritannien passierte. Medien berichteten , dass Fleisch, das von dem Nachkommen einer in den USA geklonten Kuh stammte, unkontrolliert in die Verarbeitungsindustrie gelangte. Unter anderem deshalb sagen die europäischen Abgeordneten Nein zur Lebensmittelproduktion, bei der geklonte Tiere oder ihre Nachkommen verwendet werden.
Das Verbot würde auch den Import aus den Ländern umfassen, die noch keine klare rechtliche Situation zur Verwendung von Lebensmitteln geschaffen haben, die unter Anwendung von Nanotechnologie entstanden. Das könnte, wie manche meinen, zu internationalen Konflikten führen. Das EU-Embargo würde nämlich nicht nur die Länder umfassen, in denen solche Lebensmittel legal auf den Markt gelangen, sondern auch die, die wegen der fehlenden entsprechenden Vorschriften nicht garantieren können, dass ein exportierte Rohstoff gentechnik frei ist. Das sind zum Beispiel Brasilien (wo der Rindfleisch-Export sowieso schon in den letzten Jahren zurückging), Kanada und die USA. Mit solchen Ländern drohen politische Auseinandersetzungen.
Die lange Diskussion auf EU-Ebene zeigt, dass die Europäer noch immer unentschlossen sind, ob der Prozess des Klonens für ethisch gehalten werden soll oder nicht. Manche von uns finden den Verzehr veränderter Lebensmittel unmoralisch. Wir können außerdem noch immer nicht den Einfluss von geklonten Lebensmitteln auf den menschlichen Organismus benennen.
Trotz des Misstrauens haben wir jedoch keine Sicherheit, dass solche Lebensmittel nicht auf die europäische Tische gelangen. Der Streit über das Fleisch in England entbrannte, als verdächtige Ware in einem Schlachthof entdeckt wurde und ein britischer Farmer gestand, dass die Landwirte oft ihre Zuchten mit dem Samen und den Embryos aus den USA bereichern. Darunter gibt es auch welche, die von genetisch modifizierten Tieren stammen.
Ein ganz frisches Beispiel für die Möglichkeiten der Gentechnik ist ein Experiment in Südamerika. Wissenschaftler klonten Färsen und modifizierten ihre Gene. In Zukunft sollen sie Milch geben, die mehr Humaninsulin enthalten. Das Insulin soll nach entsprechender Milchbearbeitung erhalten werden und ca. 30% niedrigere Preise garantieren. Das ist ohne Zweifel eine gute Nachricht für Diabetiker – es könnte die mit der Insulineinnahme verbundenen Kosten erheblich senken. Solche Möglichkeiten der Nanotechnologie mindern das kontroverse Bild der Gentechnik ein wenig.
Finden Sie, als Fachleute auf dem Gebiet der Zucht, diese Methode nützlich oder ist sie Ihrer Meinung nach eine zu große Einmischung in die Natur? Diskutieren Sie mit.
Topinambur
Die Birne aus der Erde
Sie zählt zu den vielseitigsten Nutzpflanzen, die ein Landwirt anbauen kann und ist dabei sehr genügsam und pflegeleicht. Und doch gibt es nur eine Handvoll Landwirte wie Hans-Heinrich Grünhagen, die sich dem Anbau der enorm unterschätzen Topinambur-Pflanze, auch Erdbirne genannt, widmen.
Die Topinambur ist am ehesten mit einer Kartfoffel vergleichbar, auch wenn die Pflanze über der Erde eher einer Sonnenblume gleicht. Die unterirdische Knolle aber schmeckt Menschen und Tieren gleichermaßen, kann dank ihrer natürlichen Süße als Zuckeralternative etwa für Diabetiker eingesetzt werden, eignet sich prima zum Schnapsbrennen, taugt als Energiepflanze und macht sich sogar als Stabilisierung und hochwirksamer wärmedämmender Zuschlag in Beton ausgezeichnet.
Doch die Topinambur wird in Deutschland als Nutzpflanze völlig unterschätzt. Ein Lied davon singen kann Hans-Heinrich Grünhagen, der auf seinem Hof im Brandenburger Wernikow seit rund 15 Jahren dem Tausendsassa-Gewächs 40 Hektar Platz einräumt: „Die Topinambur wird einfach nicht wahrgenommen, sie zählt nicht zum Mainstream und ist in Deutschland in Vergessenheit geraten. Man hat einfach keine richtige Verwendung dafür. Es ist schade, dass die Frucht verschwindet.“ Dabei ist die Pflanze sehr genügsam und pflegeleicht, so Grünhagen; sie ist winterhart, braucht ausreichend Wasser aber wenig Dünger, ist mangels züchterischer Bearbeitung in der Vergangenheit sehr krankheitsresistent und somit ökologisch anbaubar. Das Ausbringen und Ernten geschieht mit der gleichen Technik wie bei Kartoffeln.
In manchen Jahren muss Grünhagen seine gesamte Topinambur-Ernte mangels Abnehmern wieder unterpflügen. Das klingt bitter, aber Grünhagen treibt mehr an, als nur der Gewinn: „Vom Finanziellen her lohnt sich das nicht, das ist nur ein Nebenbereich. Da steckt Leidenschaft dahinter, mir macht das Spaß und die Topinambur interessiert mich, deswegen machen wir das.“ Wenn alle zwei bis drei Jahre eine Ernte verkauft wird, dann sei das genug, um mit den Topinambur über die Runden zu kommen, sagt er.
Feste Abnehmer und Vertragspartner gibt es nicht. Der Brandenburger beliefert mal Safthersteller, mal geht die Ernte als Saatgut nach Österreich und gehäckselte Topinambur-Stängel kann er Futtermittel absetzen. An Direktmarketing wie in anderen Branchen ist nicht zu denken.
Um der Topinambur mehr von der verdienten Aufmerksamkeit zu verschaffen, haben Grünhagen und andere Topinambur-Anbauer einen Verein gegründet. Mit einem Partnerbetrieb in Mecklenburg wird er künftig zudem dank wissenschaftlicher Unterstützung versuchen, mit der vielseitigen Erdbirne im Futtermittel-Markt Fuß zu fassen.
Zumindest ein paar Menschen in Deutschland wissen inzwischen etwas mit dem Namen Topinambur anzufangen: die Wernikower. Schauten sie am Anfang noch verblüfft, wenn Landwirt Grünhagen mitten im März mit dem Kartoffelroder über den Acker fuhr, so sprach sich mit der Zeit herum, dass seine Arbeit nicht dem Erdapfel, sondern der Erdbirne gilt.
Agrarmeteorologen
Wetterfrösche mit Spezialauftrag
Hitze und Kälte, Regen und Trockenheit – kaum eine Branche ist so vom Wetter abhängig wie die Landwirtschaft. Auch wenn man sich vor schlechtem Wetter nicht schützen kann, erleichtern gute Vorhersagen die Planung von Ernteterminen oder dem richtigen Zeitpunkt der Aussaat. Um den Anforderungen der Agrarbetriebe gerecht zu werden, gibt es spezialisierte Agrarmeteorologen.
Der Deutsche Wetterdienst hat beispielsweise eine eigene Abteilung Agrarmeteorologie, die sich der Beratung von Landwirten widmet. Die Spezialisten betreiben eigene kleine Gärten und Felder. Dort wird zum Beispiel die Bodentemperatur gemessen und über eine Software ausgewertet. Gerade im Frühjahr sind das wichtige Informationen, um zu wissen, wie lange der Boden noch gefroren ist.
Um auch für andere Wetterlagen passende Informationen zu liefern, haben die Meteorlogen sogenannte „Zeigerpflanzen“ unter Beobachten. Je nach Jahreszeit betrachten sie andere Pflanzen – und je nach Entwicklungsstand können die Fachleute Aussagen dazu treffen, wie sich die Vegetation bei den Landwirten entwickelt hat und welche Arbeiten auf Feld oder Hof gemacht werden sollten. Dazu wurden komplizierte mathematische Modelle entwickelt, die die unterschiedlichen Informationen verarbeiten und für bestimmte Standorte und Fruchtarten auswerten. Denn schon eine Entfernung von wenigen Kilometern oder ein Unterschied von einigen Höhenmetern führt zu anderen Ergebnissen und Empfehlungen.
Aus den Daten ergeben sich so auch Informationen zu möglichem Schädlingsbefall und zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Auch die erste Feldarbeit nach dem Winter oder eben die Ernte können mit den Informationen besser geplant werden. Im Internet finden Landwirte kostenlos die Daten zum Agrarwetter
Soziologie und Landwirtschaft
Eine Branche unter Beobachtung
Trotz aller Diskussionen um niedrige Preise, sinkende Einnahmen und zunehmende Technisierung: Die Agrarbranche ist weltweit wirtschaftlich bedeutend. Die Wünsche, Erfahrungen und Ansichten der Landwirte zu erfassen ist allerdings nicht so einfach – zu unterschiedlich sind große und kleine Betriebe, zu verschieden ist die Arbeit eines Schweinemästers von der eines Obstbauern. Ein Unternehmen hat sich darauf spezialisiert, aus diesem Problem ein gewinnbringendes Geschäft zu machen. Das Marktforschungsinstitut Kleffmann.
Die Kleffmann Group ist zwanzig Jahre nach der Gründung das weltweit führende Agrarmarktforschungsinstitut. 300 feste und 2000 freie Mitarbeiter hat die Firma, betreibt Standorte in verschiedenen Ländern und macht den meisten Umsatz durch den Vergleich und die Analyse landwirtschaftlicher Märkte. Dabei beschäftigen sich die Angestellten ausschließlich mit der Agrarbranche. Die Soziologen gehen verschiedene Wege, um mehr über die Bedürfnisse und Erlebnisse der Landwirte zu erfahren: es gibt Umfragen per Telefon, Fragebögen im Internet und Diskussionsrunden in kleinen Gruppen. 200.000 Landwirte werden so jedes Jahr ausführlich interviewt.
Einen Schwerpunkt setzt die Firma auf die kontinuierliche Befragung der Landwirte. So können Veränderungen und Prozesse analysiert werden. Es geht zum Beispiel um Themen wie Pflanzenschutz oder Saatgut. Die Ergebnisse aus einzelnen Ländern werden ann miteinander verglichen. Daraus entsteht ein Bild von den Unterschiedenen und Gemeinsamkeiten der weltweiten Agrarbranche. Vorallem Herstellern sind diese Daten viel Wert: Welche Anforderungen gibt es in welcher Region? Worauf muss man bei der Werbung achten, um die Landwirte am besten anzusprechen? Wer das weiß, kann seine Produkte zielgerichtet entwickeln und vermarkten.
Doch auch Landwirte können die Informationen der Marktforscher nutzen und sollen so die eigenen Erträge steigern können. Kleffmann sammelt Informationen über die Arbeit in verschiedenen landwirtschaftlichen Märkten. Mit diesem Wissen kann jeder Produzent seine Produktionsverfahren mit denen anderer Landwirte regional, landesweit oder weltweit vergleichen. Produktionsverfahren und Betriebsführung können gemessen und analysiert werden – und jeder könne so die eigene Geschäftstätigkeit verbessen.
In einem besonderen Schwerpunkt untersucht die Firma für Landwirte und Industrie den Einsatz und die Qualität von Saatgut. Es entstehen Informationen über Umsatzrückgänge und Risiken im Zusammenhang mit dem Anbau verschiedener Kulturen. Aber auch leichte Themen, wie den Realitätsgehalt von TV-Shows bearbeitet Kleffmann.
farmpoint.de
Soziales Netzwerk für deutsche Landwirte
Max Meyer, Mitbegründer von farmpoint.de Foto: privat
Vor einigen Wochen hatten wir das amerikanische Internet-Forum Farmers of the Future vorgestellt. In Deutschland ging Ende Juli mit farmpoint.de ein ähnlicher Treffpunkt online. Inzwischen haben sich schon mehrere hundert Landwirte registriert, die dort über verschiedenste Themen diskutieren. Egal ob Landtechnik, Biogas oder Milchmarkt – zu allen Fragen kann man sich als Landwirt austauschen. Außerdem gibt es Regional- und Hochschulgruppen, damit man sich auch direkt in der Heimat besser vernetzen kann. Wir haben uns mit Max Meyer, einem der Initiatoren des Projekts, unterhalten.
Wer steht hinter Farmpoint?
Die Idee zu Farmpoint wurde von Reinhold Klüh und mir ausgearbeitet und umgesetzt. Dabei konnten wir unsere Stärken gegenseitig sehr gut ergänzen. So kann ich meine Erfahrung aus dem Aufbau meines ersten Internetprojektes voll mit
einbringen. Darüber hinaus gibt es eine Gruppe von Betatestern, die zur Zeit aus rund 20 Personen besteht. Mit diesem Personenkreis werden wir auch in Zukunft neue Elemente testen, bevor sie öffentlich zugänglich gemacht werden.
Wie ist Ihre Verbindung zur Landwirtschaft?
Reinhold Klüh ist aktiver Landwirt und kennt die Landwirtschaft im deutschsprachigen Raum von Isny bis Harrislee und Stralsund ganz gut. Ich selber bin zwar gelernter Bankkaufmann und demnächst Student, jedoch auf dem elterlichen Betrieb aufgewachsen und wurde dort von Klein auf mit eingebunden.
Was bieten Sie Landwirten? Gibt es internationale Vorbilder für das Projekt?
Nicht, dass wir eines kennen. Farmpoint soll auch keine Kopie sein. Farmpoint soll speziell auf die Landwirtschaft zugeschnitten sein und den Landwirten die Möglichkeit bieten, Hilfestellung zu finden.
Wozu braucht man, in einer Zeit von sozialen Netzwerken wie XING, Facebook & Co ein eigenes Netzwerk für die Landwirtschaft?
Die genannten Netzwerke wurden alle für spezielle Bedürfnisse aufgebaut. XING ist für Businesskontakte und mit Facebook verliert man Freunde und Bekannte aktueller und früherer Zeit nicht aus den Augen. Landwirte verlieren sich dort aber, das ist vor allem bei XING der Fall. Es gibt im englischen Raum mehrere soziale Netzwerke, die sich auf den Bereich Landwirtschaft spezialisiert haben. Mit Farmers of the Future haben Sie vor kurzem selber schon so ein Netzwerk im Blog vorgestellt. Letzte Woche bin ich ausserdem auf Agville gestossen. Beide Netzwerke basieren auf jeweils einer fertigen Software, welche nur begrenzt angepasst werden kann. Und genau an dieser Stelle können wir ansetzen: Dadurch, dass Farmpoint ein komplett von uns selber entwickeltes System ist, sind wir praktisch zu 100% flexibel, was die Anpassungs- und Erweiterungsfähigkeit von Farmpoint angeht. Wenn wir wollen, dass die Profilfotos der einzelnen Mitglieder in den Forenbeiträgen ab sofort rechts und nicht mehr links vom Namen stehen, wissen wir sofort, wo wir was programmiertechnisch machen
müssen. Wir haben kein enges Korsett an und sind nicht auf externe Programmierer angewiesen.
Welche besonderen Funktionen gibt es denn bei Ihrer Plattform?
Auf Farmpoint gibt es in den Profilen der Mitglieder neben allen »normalen« Eingabemöglichkeiten (Geburtstag, Interessen, Beruf, Kontaktmöglichkeiten, etc.) auch einen Punkt »Betriebszweige und Produktionsrichtungen«. Hier kann ein Mitglied verschiedene Punkte aus den Bereichen Pflanze, Tier, Energie, Direktvermarktung und Lohnunternehmen anklicken, in denen er aktiv ist. Dies wird dazu führen, dass mittels einer Suchfunktion beispielsweise der Schweinemäster aus dem Emsland einen Mäster aus den Niederlanden finden und mit diesem gegenseitig Erfahrungen austauschen kann.
Außerdem wird der Bereich »Anwendungen« in Zukunft eine sehr große Rolle spielen. Dort gibt es im Moment zwar nur ein einfaches Fotoalbum, wir haben jedoch schon eine Menge Ideen, die es umzusetzen gilt. Das fängt bei einem Nachrichtendienst an, geht über Saatgutrechner, Börsenportalen und virtuellen Feldrundgängen bis hin zur Tier/Maschinendatenbank. Die Möglichkeiten sind fast unbegrenzt und wir werden Sie umsetzen. Mittelfristig werden wir auch eine Schnittstelle für externe Entwickler bereitstellen.
Gibt es denn überhaupt spezielle Bedürfnisse der Landwirtschaft, für die Ihre Seite eine Plattform bietet?
Wir teilen ein Fachgebiet, in welchem es stark differierende Meinungen im Kollegenkreis und auch in der Öffentlichkeit gibt. Hier sind einmal die Themen Tierschutz – Intensivtierhaltung, grüne Gentechnik oder eben die Diskussion um BDM gegen DBV zu nennen. Auf Facebook eine solche Diskussion unter Kollegen zu führen, liefe schnell ins Leere und würde ohne Ergebnis im Chaos enden. Auf Versammlungen gibt der Referent stets das Thema und den Tenor vor, auch hier ist es schwer, unter Landwirten seine Meinung kund zu tun.
Genau hier setzen wir an: Wir können über Tierschutz diskutieren, aber auch Konzepte und Ideen erarbeiten, um den Tierschutz zu verbessern. Durch Regionalgruppen können auch schnell und gezielt Aktionen geplant werden, welche sofort umgesetzt werden. Es können aber auch agrarpolitische Ideen und Vorgaben schneller vorangebracht und dabei etwas mehr Basisdemokratie geübt werden.
Bislang wurde vor allem die Meinung von denen, die Vorne dran sitzen und denen, die am lautesten schreien, gezählt. 90% der Landwirte haben sehr wohl eine Meinung, wussten aber nie, wie sie diese platzieren können um Einfluss zu nehmen. Hier wird Farmpoint eine wichtige Aufgabe einnehmen. Zumal wir ein eher jüngeres Publikum haben, die ihre Zukunft positiv sehen und sie gestalten wollen.
Was hat es mit der geprüften Mitgliedschaft auf sich, die man bei farmpoint nutzen kann?
Durch Übersendung eines Identitätsnachweises wie einer Personalausweiskopie kann jedes Mitglied seinen Status auf »geprüftes Mitglied« setzen lassen. Dadurch können andere Mitglieder erkennen, dass es sich bei Person „ABC“ auch wirklich um Person „ABC“ handelt und nicht um eine Person „DEF“, welche sich als „ABC“ registriert hat. So eine Statusmöglichkeit bietet nicht mal XING. Eine zentrale Aufgabe wird es auch sein, dass Landwirte sich zu Kooperationen zusammen finden. Und sei es auch nur, dass unsere Jobbörse dazu führt, dass der Holsteiner einen Melker aus Bayern findet. Damit weiß er über Farmpoint auch gleich, mit wem er es zu tun hat.
Wo wird Farmpoint in einem Jahr stehen?
Ein Jahr ist eine sehr kurze Zeit, so viel wird sich bis dahin noch nicht getan haben. farmpoint wird wahrscheinlich die kritische Masse an Mitgliedern erreicht haben. Es wird zusätzlich zu den Möglichkeiten, die jetzt schon vorhanden sind, unter anderem ein Branchenbuch, eine Maschinenbörse und vier bis zehn Anwendungen. Mit einer ersten ins Englische übersetzte Version wird der Schritt ins internationale Feld getan sein.
Langfristig gehen wir aber davon aus, dass Farmpoint die komplette Landwirtschaft/Agrarbranche weltweit umkrempeln und voranbringen wird. Landwirte werden einen ganz neuen Weg finden, sich zu organisieren. Erfahrungen und Sichtweisen aus Deutschland werden sehr schnell auch in anderen Teilen der Erde bekannt und umgekehrt.
Wisentzucht auf der Wildfarm
Ein Stück Urzeit in Brandenburg
Wisente in einem Zoo.
Wenn man auf seiner Weide acht Tiere einer fast ausgestorbenen Rasse stehen hat, die weltweit nur rund 3500 Exemplare zählt, dann ist das sicher etwas Besonderes und könnte für viel Aufmerksamkeit sorgen. Doch ein Brandenburger Farmer züchtet die tonnenschweren Kolosse in ihrer ursprünglichen Heimat nicht zu Showzwecken, sondern aus Leidenschaft und zur ökologischen Fleischproduktion.
Wenn Norbert Linke von seinen Wisenten (Bison bonasus) auf seiner Wildfarm Werneuchen spricht, dann tut er das ganz sachlich und ohne viel Aufheben. Ihm geht es nicht um die Show. Seine Leidenschaft für die seltenen Kolosse merkt man dem Jäger mit Ausbildung als Rinderzüchter dennoch an. Er züchtet nämlich nicht aus rein pragmatischen Gründen: „Wisentzucht, das muss man wollen, das muss man mögen. Für den Aufwand wird man entschädigt, denn es sind sehr schöne Tiere. Dazu kommt: Sie waren hier in der Region ursprünglich heimisch, auch das macht den Reiz ihrer Zucht auf diesem Land hier aus.“
Ehemals als Bauingenieur mit dem Bau von Eisenbahnstrecken beschäftigt, entschloss sich Linke im Jahr 1999, etwas Neues zu machen. Wildtiere in der ökologischen, nachhaltigen Zucht haben es ihm angetan. Neben Rotwild und Wildschafen stellen die Wisente den kleineren Teil seiner Tiere auf den 50 Hektar seiner Farm mitten in Brandenburg. Deren Hauptzweck ist die Lebensmittelproduktion und der Verkauf von Lebendwild.
Die Wisentzucht baut Linke seit zwei Jahren auf und profitiert davon, dass die Tiere recht Pflegeleichtigkeit sind: „Die Tiere sind genügsam, das haben die Leute inzwischen auch begriffen und deswegen sind sie sehr begehrt. Das Wisent nimmt alles, weiche Hölzer, junge Bäume, Baumrinde, junges Laub, Grünpflanzen und Kräuter.“ Zusatzfutter und Kraftfutter sind bei solcher Vielfalt eher die Ausnahme als die Regel, allenfalls Rüben gibt der Züchter im Winter mal hinzu. Für eine Rübe kommen die teils mehr als eine Tonne schweren Tiere auch schon mal auf Zuruf, wenn sie Linkes Simme höhren.
Der Zucht an sich stehen keine allzu großen Hürden im Weg, aber Erfahrung muss sein. Linke kam seine Ausbildung als Rinderzüchter natürlich zupass, aber auch seine Tätigkeit als Jäger, denn: „Wisente sind Wild und das darf nur mit einer Kugel getötet werden, von einem Jäger.“ Darüber hinaus ist ein passendes Gelände nötig, zweimal im Jahr werden die Tiere entwurmt. Der Tierschutz schaut regelmäßig auf der Farm vorbei.
Die Tiere kauft Linke von Tierparks, die ihre Überbestände abgeben müssen. Wisentfleisch bringt beim Verkauf rund 15 Euro pro Kilogramm, und ein ausgewachsener Bulle bietet rund 700 Kilogramm verwertbares Fleisch. Dieses ist aufgrund seiner Qualität begehrt: „Es ist cholesterinfrei, sehr fest und sehr schmackhaft. In der Qualitätskette steht das Wisent unter dem japanischen Koberind und über dem gewöhnlichen einheimischen Rind,“ erklärt der Wildfarmer.
Die Wisentzucht von Norbert Linke ist noch im Aufbau, doch Pläne für die Vermarktung gibt es schon. Umsatz soll später über Direktmarketing und den Verkauf im Hofladen erzeugt werden. Auch den Gang in das nahe Berlin mit einem Spezialgeschäft kann Linke sich vorstellen, denn allein der Seltenheitswert des Wisentfleischs dürfte ihm genügend Aufmerksamkeit für seine Produkte sichern.
gruuna-Start
Die neue Ära im Landwirtschaftlichen Handel hat begonnen
Erfolgreich zu Handeln ist für Landwirtschaftsbetriebe eine der letzten verbliebenen Möglichkeiten, um das eigene Ertragspotential zu steigern. Der Wunsch, Verkaufserlöse zu erhöhen und Einkaufskosten zu senken – und das alles noch sicherer als jemals zuvor – ist mit dem Start von gruuna jetzt wahr geworden. Gewinnen Sie neue Handelspartner, handeln Sie sicher. Auch über Landesgrenzen hinweg, immer in Ihrer Sprache. Registrieren Sie sich telefonisch unter 0371 / 3371 7190 oder per Mail.
Sicherer als jemals zuvor können Sie ab sofort alle Produkte der Agrarbranche im Internet handeln. Mit dem Start unseres Landwirtschaftsmarktes im Internet sind jetzt erstmals gesamte Ein- und Verkauf erstmals auf einer Handelsplattform vereint. Egal ob Auktion, Ausschreibung oder Festpreishandel: Auf Wunsch wird der Handel durch einheitliche Handelsbedingungen standardisiert. Durch vorgegebene Eigenschaften der Artikel werden die Produkte vergleichbar. Das vereinfacht für Sie die Bedienung sowie Verwaltung – und es senkt Ihren Arbeitsaufwand.
Nach mehreren Jahren Entwicklungszeit, zahlreichen Testveranstaltungen mit interessierten Nutzern und einem ausführlichen Probetrieb beginnt nun offiziell der Handel auf der modernsten Internetseite in diesem Bereich. Wir haben in verschiedenen Blog-Artikeln die wichtigsten Themen zu gruuna bereits angesprochen. Gerade die ersten Nutzer haben die große Chance, direkt neue Geschäftspartner über gruuna zu gewinnen.
Um alle Funktionen des Landwirtschaftsmarktes nutzen zu können, ist eine Registrierung notwendig. Für interessierte Landwirte und Firmen haben wir die Telefonnumer 0371 / 3371 7190 und eine Mailadresse eingerichtet.
Sorgentelefon für Landwirte
Bei Anruf Hilfe
Einen interessantes Thema hat das Hamburger Abendblatt heute aufgegriffen. Es geht um »Sorgentelefone für Landwirte«, wie es sie in mehreren Bundesländern bereits gibt. Anonym kann man seine Probleme dort mit anderen Landwirten besprechen und Hilfe zur Selbsthilfe erhalten. Eine wichtige Anlaufstelle – denn auch private Probleme können leicht das Geschäftliche beeinflussen.
In Niedersachsen, schreibt die Zeitung, gibt es bereits seit 1993 drei solcher Sorgentelefone. 3500 Anrufe gingen seit dem ein. Oft würde ein Gespräch schon helfen, ein Problem zu lösen – selten sei eine intensivere Beratung nötig. Ein wichtiger Punkt bei der Beratungsstelle: Sie hilft als einzige direkt bei Schwierigkeiten, die ganz speziell Landwirte treffen. Dinge, die sie mit den Nachbarn – die oft genug Konkurrenten sind – nicht besprechen können.
Vorrangig geht es dann um persönliche Probleme. Wie geht man als gestandener Landwirt mit einer Liebe um, wenn die Frau nicht ihren Beruf verlassen will um auf den Hof zu kommen? Wie reagiert man als Chef eines Familienbetriebs, wenn die Kinder von der Landwirtschaft nichts wissen wollen und dem eigenen Unternehmen damit die Perspektive fehlt? Was passiert, wenn der Nachwuchs die
Führung des Hofes umkrempelt – oder wenn die Alten sich weiter wie die Chefs aufführen?
Damit solche Fragen fachkundig beantwortet werden, sind die Berater in einem Uni-Kurs auf die Gesprächsführung vorbereitet worden. Sie kommen selbst aus der Landwirtschaft und kennen die Sorgen der Anrufer damit genau. Außerdem steht ihnen ein Professor zur Seite, wenn es um zu schwierige Probleme geht. Für besonders knifflige Situationen gibt es in Niedersachsen auch eine ländliche Familienberatung, die direkt auf dem Hof stattfindet. Finanziert wird die Anlaufstelle vom Land, von der EU und durch Spenden.
Aber auch wirtschaftliche Schwierigkeiten werden am Telefon immer wieder diskutiert. Durch die globalisierte Landwirtschaft und stark schwankende Märkte verunsichert, wissen viele ältere Landwirte nicht mehr weiter. Soll man investieren und sich vergrößern, oder vielleicht auf Erneuerbare Energien und Biolandbau setzen? Ist der Betrieb in seiner Form und Struktur zu retten? Wenn statt Gewinnen nur noch Verluste geschrieben werden, kann allerdings auch das Sorgentelefon keine Lösung finden – und vermittelt die Betroffenen an die Landwirtschaftskammer weiter.
Bauernhofeis
Eis, direkt vom Milchbauern
Noch ist es Sommer, die Temperaturen steigen regelmäßig über 20 Grad. Während viele Agrarbetriebe weiter mit der Ernte beschäftigt sind, gibt es einige Landwirte, die aus der Hitze Kapital schlagen wollen: Sie verkaufen Bauerneis, direkt vom Hof. Damit verdienen sie deutlich mehr als mit der Milchlieferung an die Molkerei – und können sich aus tausenden Rezepten das passende aussuchen.
Um die Erträge in der Milchwirtschaft zu steigern, gibt es ganz verschiedene Ideen. Einige Landwirte setzen auf fragwürdige Psychologie, andere auf »Kuh-Wellness»http://blog.gruuna.com/entry/wellness-im-kuhstall/ und manche starten den Direktvertrieb mit Milchautomaten und verkaufen so zu höheren Preisen. Gerade im Sommer gehen verschiedene Landwirte noch einen Schritt weiter und setzen auf Bauerneis.
Gerade kleine Betriebe, die mit der Milch von wenigen Kühen immer mehr Verluste machen, sehen darin eine Chance. Die holländische Firma Bauernhofeis vertreibt seit einigen Jahren alle notwendigen Geräte als Franchise-Ware. Die Milch haben die Landwirte meist selbst – von der Firma kommen tausende Rezeptideen, Zubehör wie Schokopaste und natürlich die Eismaschinen selbst. Dabei hat man für die Landwirte mitgedacht: Weil die Käufer in Hofläden oder auf Marktplätzen gezielt nach Produkten aus der Region suchen, sind auch die Eisrezepte regionalisiert.
Es gibt Kürbiskern-Öl-Eis für die Steiermark genau wie Doppelbock-Bier-Eis für Bayern. Wie gut sich die exotischen Mischungen verkaufen, verrät die Firma jedoch nicht. Es gebe allerdings in 14 europäischen Ländern bereits Vertriebspartner. Von Skandinavien bis Italien könne man die kühle Erfrischung ab Hof kaufen. Gerade der Preisverfall bei der Milch habe die Nachfrage nach den Eismaschinen in die Höhe getrieben, heißt es bei der Firma.
Wem diese Methode zu kommerziell oder zu teuer ist, der kann sich auch ohne große Mühe selbst die notwendigen Maschinen kaufen und die Rezepte zusammenstellen. Ein Geheimrezept für die Eisherstellung ab Hof gibt es nämlich nicht. Unterstützung bietet interessierten Landwirten ein eigener Verband
Landwirte, die darüber nachdenken in die Eisproduktion einzusteigen, sollten sich vorher jedoch genau Gedanken über die Vermarktung machen. Was nützt es, Zeit und Geld zu investieren, wenn man im Sommer nicht genügend Eiskugeln verkaufen kann?
Neben einem Hofladen und dem Verkauf auf Marktständen setzen viele Produzenten auf die klassischen Eiswagen. Damit ist man mobiler, kann auf Festen seine Kunden finden oder in Parks und an Badestränden verkaufen. Dabei hilft eine professionelle Gestaltung der Verkaufsstellen. Auch Kontakte zu Gastronomen in der Region sollten für den Absatz gepflegt werden. In jedem Fall sind Investitionen in die Technik nötig, das Einhalten der strengen Hygienevorschriften – und die Bereitschaft, gerade an den Wochenenden im Sommer, neben der normalen landwirtschaftlichen Tätigkeit auch viel Zeit in den Verkauf zu stecken.
"20 Jahre Deutsche Einheit"
Bundesregierung lobt ostdeutsche Landwirte
Mit einer Broschüre zu »20 Jahre Deutsche Einheit« blickt die Bundesregierung auf die Entwicklung in den Neuen Bundesländern seit 1990 zurück. Vor allem in einem Bereich sehen die Politiker Ostdeutschland inzwischen auf sehr hohem Niveau angekommen: Bei der Landwirtschaft.
Seit gut zwei Wochen kann man die Broschüre beim Bundesinnenministerium bestellen oder downloaden . Im Namen des Innenministers, der auch der Beauftragte der Bundesregierung für die Neuen Bundesländer ist, wird dort auf die Entwicklungen in verschiedenen Lebensbereichen eingegangen. Dabei wird festgestellt: »Zu den Erfolgsgeschichten des Einigungsprozesses gehört die Entwicklung der ostdeutschen Landwirtschaft.«
In dem Bericht des Ministeriums werden anschließend einige der beeindruckenden Kennzahlen aufgeführt, die die Veränderungen in der ostdeutschen Landwirtschaft in den vergangenen zwanzig Jahren belegen. Die Durchschnittsernte bei Weizen nahm beispielsweise von rund 5.200 Kilo pro Hektar im Jahr 1990 auf über 7.600 Kilo zu. Die Milchleistung der Kühe erhöhte sich von jährlich 4.180 Liter auf 8.276 Liter.
Den gravierenden Strukturwandel zeigt auch eine andere Entwicklung, die in dem Bericht erwähnt wird: Die Zahl der Beschäftigten ist erheblich gesunken. 1990 waren in der DDR-Landwirtschaft rund 850.000 Menschen tätig, bereits im April 1991 war fast eine halbe Million ausgeschieden. 2007 gab es in den 30.100 landwirtschaftlichen Betrieben nur noch rund 159.000 Beschäftigte.
Mit deutlich weniger Mitarbeitern wird also ein deutlich höherer Ertrag erwirtschaftet. Nicht nur im Vergleich zur DDR, sondern auch im Vergleich zu den westdeutschen Bundesländern. In Ostdeutschland sind heute nur etwa 1,7 Arbeitskräfte je 100 Hektar für die Landwirtschaftsproduktion erforderlich. Besonders positiv wirkte sich dabei aus, dass die Betriebe große, zusammenhängende Flächen bewirtschaften. Das senkt die Kosten und macht die Anschaffungen moderner Maschinen lohnenswert. AUch der geringe Anteil der Viehhaltung sorgt für die niedrige Zahl an Arbeitskräften.
Nach Angaben des Berichts haben die Ostdeutschen auch auf den Zukunftsfeldern nachwachsende Rohstoffe und ökologisch erzeugte Lebensmittel mittlerweile die Nase vorn. Mit zwölf Prozent Anteil im Ökolandbau liegt Mecklenburg-Vorpommern bundesweit an der Spitze. Auch alle großen Biosprit-Fabriken liegen in den neuen Ländern.
Diese Zusammenfassung zeigt vorallem eines: Die Anpassungsprobleme in der Landwirtschaft, die dem Westen noch bevorstehen, sind im Osten schon überwunden.
Kloster-Marketing
Was Nonnen und Mönche den Agrarunternehmen voraus haben
Bier ist eines der bekanntesten und ältesten Klosterprodukte. Foto: Kloster Andechs
Klöster sind für viele Unbeteiligte von einem ähnlichen Mythos wie die Landwirtschaft umgeben. Naturbelassenheit, körperliche Arbeit und Authentizität wird mit beiden Bereichen verbunden. Nonnen und Mönche haben zudem die Aura des Geheimnisvollen und Heilsamen. So, wie Landwirtschaftsbetriebe beginnen, diese positiven Attribute für die eigene Vermarktung zu nutzen, sind Klöster schon länger in die Marktwirtschaft eingestiegen. Von den Vermarktungsstrategien der Orden können sich auch Agrarunternehmen etwas abschauen. Oder zumindest mit den Verkaufsstellen der Klöster kooperieren.
Ein Beispiel für erfolgreiches Kloster-Marketing ist Andechs in Bayern. Dort fing alles – ganz einem weit verbreiteten Klischee vom Leben hinter Klostermauern folgend – mit dem eigenen Bier an. Das Doppelbock der Andechser Brauerei findet man inzwischen bundesweit in Kneipen und Getränkemärkten. Pater Anselm, vor einigen Jahren der Cellerar und damit so etwas wie der Manager des Klosters, sagte zu der marktwirtschaftlichen Öffnung in einem Interview: Wenn Sie wollen, bin ich ein Unternehmertyp, ganz egal, was ich anpacke.
Heute ist nicht nur das Bier aus dem Kloster bekannt. Es gibt einen Klosterladen, einen Gasthof und ein Bräustübel. Kulturereignisse werden organisiert, andere Lebensmittel aus dem Ort dürfen sich gegen eine Gebühr mit dem Namen des Klosters schmücken. Es gibt in Bayern verschiedene Gasthöfe mit dem Namen „Andechser“. Zu den geistlichen Mitarbeitern kommen 20mal so viele weltliche Angestellte.
Um das traditionelle Bier ist eine Firmengruppe getreten. So, wie es auch einigen Agrarbetrieben gelang, die zum Beispiel aus einer Käserei einen Erlebnisbetrieb gemacht haben. Aus dem, wofür man schon immer bekannt war, hat sich ein ertragreiches Geschäft entwickelt.
Auch aus Adelholz kommt ein klösterliches Produkt mit bundesweiter Bekanntheit. Die Alpenquellen GmbH aus der bayerischen Stadt ist einer der 15 größten Brunnen in Deutschland. Den Grundstein für das Unternehmen mit über 350 Mitarbeitern legte ebenfalls ein Orden.
Grundlage für die florierenden Klosterprodukte liefern vor allem alte Rezepte und Flächen. Immerhin versorgten sich die Orden jahrelang komplett selbst, aus eigener Landwirtschaft und mit eigenen Erzeugnissen. Das Gefühl, die Produkte der Klöster würden auf jahrhundertealten Rezepturen basieren und heute noch genauso naturbelassen hergestellt, macht sie für viele Konsumenten noch attraktiver. Auch wenn das häufig nicht mehr stimmt – das Image zählt. Ein Image, das sich auch alte Höfe in Familienbesitz oder traditionsreiche Agrarbetriebe aufbauen können. Und da die Klöster in ihren Verkaufsstellen neben den eigenen Erzeugnissen auf Produkte aus der Region setzen, bieten sie Landwirten unter Umständen auch eine weitere Absatzmöglichkeit.
Was die Geistlichen den Landwirten allerdings oft voraus haben: Eine jahrhundertealte, ökonomische Tradition. Noch vor den Bauern sorgten die Mönche und Nonnen im Mittelalter für einen wirtschaftlichen Aufschwung in ihrer Umgebung. Aus diesem Geschäftssinn kann man bis heute schöpfen, während Landwirte erst vor einigen Jahren begonnen haben, sich selbst aktiv zu vermarkten.
So sind die Klöster in Europa und Nordamerika heute schon mitten im Kapitalismus angekommen. Es gibt neben Bier, Wasser und Wein auch Kosmetika, Kerzen oder Marmeladen. Verlage und Druckereien sind entstanden, Hotels in Klostermauern, Klösterläden oder Bäckereien. Reisebüros für Klosterreisen und Internet-Shops findet man ebenfalls. In Frankreich gibt es sogar ein Qualitätssiegel, dass die „kontrollierte Klosterherkunft“ bestätigt, unter dem Slogan „Klösterreich“ vermarkten unsere Nachbarn ihre touristische und kulturelle Angebote.
Dabei gibt es jedoch einen gravierenden Unterschied zwischen den Klöstern und normalen, landwirtschaftlichen Unternehmen: Die Gewinne fließen in die pastorale, soziale oder karitative Arbeit der Ordensmitglieder. So finanzieren die Klostermarken Kinder oder Altersheime, Krankenhäuser oder theolgische Bildungseinrichtungen.
Fragen zu gruuna – Teil 3
Wie funktioniert die Option Sicher Handeln
Harald Herrmann kümmert sich bei gruuna vor allem um die rechtlichen Rahmenbedingungen.
Bei Präsentationen von gruuna für Landwirte und Händler, gibt es viel Lob für das ausgereifte Konzept und die durchdachte Struktur der Seite. Im Anschluss an unsere Vorstellungen wird jedoch auch intensiv diskutiert – am meisten darüber, welche Schwierigkeiten die interessierten Kunden beim Handel über den Landwirtschaftsmarkt im Internet befürchten. Viele Fragen beantworten wir bereits in diesem Bereich unserer Homepage. Einigen Themen die Ihnen wichtig sind und die immer wieder eine Rolle spielen, möchten wir uns hier ausführlicher widmen. Im dritten Teil dieser Serie mit Fragen zu gruuna geht es um rund um das Thema Vertrauen und Sicherheit im Handel mit fremden Partnern.
Wird es für die Nutzer auf gruuna ein Bewertungssystem geben, wie man es von anderen Handelsplattformen kennt?
Nein. Das Schwierige in der Landwirtschaft ist, dass man permanent geringe Abweichungen hat. Diese Abweichungen zu bewerten, ist jedoch schwer. Wenn jemand statt 12,8 Prozent Feuchtigkeit im Getreide plötzlich 12,9 Prozent liefert, mag das für 95 Prozent der Handelspartner kein Problem sein. Für fünf Prozent ist aber gerade dieser Unterschied entscheidend. Wenn daraufhin ein Verkäufer schlecht bewertet wird, wegen eines Bereiches, der für viele gar nicht interessant wäre, ist das ganze System sehr kontraproduktiv. Es ist eben nicht wie in anderen Handelsbereichen, wo das gelieferte Produkt entweder funktioniert, oder kaputt ist.
Ohne solche Bewertungen von anderen Nutzern kann ich mich doch gar nicht darauf verlassen, dass die Händler auf gruuna seriös sind.
Doch. Wir haben selbstverständlich ein internes Qualitätsmanagement. Wenn uns jemand auffällt oder von den Nutzern gemeldet wird, überlegen wir uns sofort, ob derjenige weiter auf der Plattform handeln darf. Wir behalten uns vor, einem Nutzer das Konto zu sperren, wenn er durch Nichtzahlung, Falschlieferungen oder andere Probleme aufgefallen ist. Außerdem stellen wir durch die Option Sicher Handeln eine Möglichkeit zur Verfügung, die das Risiko eines Zahlungsausfalles oder einer unbrauchbaren Lieferung abdeckt.
Wie funktioniert die Option Sicher Handeln?
Jeder, der einen Handel auf gruuna beginnt, kann sich für diese Möglichkeit entscheiden. Ein Geschäft, dass mit der Option Sicher Handeln abgeschlossen wurde, enthält eine Transportversicherung, eine Rechtsschutzversicherung für den Verkäufer und eine Sicherung gegen den Zahlungsausfall des Käufers. Wenn man als Verkäufer diese Funktion nutzen will, erhöht sich im Gegenzug gruuna Gebühr von 1,53 Prozent auch 1,71 Prozent des Kaufpreises. Um als Einkäufer sicher zu Handeln, muss man über unsere Plattform ein Limit bei dem Warenkreditversicherer beantragen oder Vorauszahlung akzeptieren.
Was ist bei den Versicherungen abgedeckt?
Schon der Transport der Ware ist versichert. Dinge wie Diebstahl oder Beschädigung müssen dem Käufer keine Sorgen bereiten. Der Verkäufer kann beruhigt sein, weil Nichtzahlung oder Zahlungsausfall ebenfalls abgedeckt sind. Zusätzlich ist man als Verkäufer gegen die Kostenbelastung aus Schieds- oder Gerichtsverfahren nach dem Kauf versichert. Dabei sind die Versicherungen weltweit gültig, so dass sie auch beim Internationalen Handel schützen.
Ist das Sicher Handeln auf gruuna immer möglich?
Die Option Sicher Handeln mit der Rechtsschutz- und Transportversicherung ist ab einem Kaufpreis von mindestens 1.001 € gültig. Wer als Einkäufer eine offene Forderung durch das Limit des Warenkreditversicherers abdecken will, kann das ab einer Höhe von 5.001 €. Um auf diese Beträge zu kommen, können auch Rechnungen innerhalb von 30 Tagen summiert werden. Außerdem muss die Option vom Ersteller vor Start des Handels gewählt werden. Sie kann nicht später dazugebucht werden.
Hier finden Sie den ersten Beitrag mit den Fragen zu gruuna, rund um das Thema Artikelbeschreibung. Den zweiten Beitrag rund um die gruuna-AGB finden Sie hier.
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Weinbergschneckenzucht
Im Kriechgang zum Erfolg
Weinbergschnecken sind als Deliketesse bekannt. Aber mehr aus Frankreich, als aus Deutschland. Foto: privat
In Frankreich ein Renner, in Deutschland ein Exot für Gourmets: Die Weinbergschnecke. Auch wer sie züchten will, kann sich wie ein seltenes Exemplar fühlen, denn Schneckenzüchter sind in deutschen Landen ebenfalls eine seltene Spezies – und eine hartnäckige dazu.
Einen Weinbergschneckenzüchter zu seiner Arbeit zu befragen ist derzeit gar nicht so leicht. Es gäbe eigentlich nichts zu erzählen oder es sei momentan eher schwierig und man möchte nichts sagen, heißt es immer wieder. Hans Herold wundert das nicht, er hat mit seiner Weinbergschneckenzucht im Odenwald seine ganz eigenen Erfahrungen gemacht.
Die Vorraussetzungen für eine artgerechte und ökologische Zucht von 70.000 Weinbergschnecken der Art „Aspersa Maxima“ scheinen zu Beginn nicht besonders hoch. 200 Quadratmeter Land reichen dem ehemaligen Maler- und Lackierermeister. Den Schnecken auch, die fühlen sich auf wenig Raum wohl, so Herolds Erfahrungen. 1000 Jungschnecken kosten um die 11 Euro, wachsen relativ schnell und sind innerhalb von sechs Monaten geschlechtsreif.
Doch von einem simplen Geschäft kann keine Rede sein, denn Schnecken verursachen durchaus Aufwand: „Das ist alles relativ kompliziert, man muss schon ein bissl was tun“, sagt Herold und meint zum Beispiel die aufwändigen Zäune gegen Fressfeinde (Fuchs, Kröte, Ratte) und Maßnahmen gegen Schädlinge wie den Blaukäfer oder Futterfeinde wie die Nacktschnecke. Gegen letztere hat Herold sogar Enten im Einsatz, denn in manchen Jahren, so berichtet er, waren mehr Nacktschnecken als Weinbergschnecken in der Anlage.
Die Nachzucht findet im heimischen Keller statt und bringt zwei Monate Vorsprung vor dem natürlichen Kalenderjahr der Schnecken. So kann die Ernte zur besten Zeit stattfinden kann. Die Schnecken sitzen auch nicht einfach auf der Wiese, sondern bekommen Naturheilkräuter, verschiedene Wiesengewächse und Zusatzfutter für ein stabiles Schneckenhäuschen. Bei hochsommerlichen Temperaturen werden die Schneckengehege förmlich unter Wasser gesetzt, erklärt Herold, denn die Tiere fühlen sich bei kühlen 17 bis 20 Grad am wohlsten. Im August beginnt die Ernte – das heißt Einsammeln, Lüften, ungenießbare Bestandteile entfernen und das Schlachten, also das Herausziehen aus dem Gehäuse.
Bürokratische Hürden machen die Zucht zum Luxus
Den größten Kampf aber, so Herold, führt ein Schneckenzüchter gegen die deutsche Bürokratie. „Man hat viele Vorschriften vom Veterinäramt und muss viel Aufwand betreiben. So musste ich einen geeigneten Schlachtraum einrichten, obwohl bei Schnecken keine Schlachtabfälle und kein Blut anfallen“, berichtet Herold. Im Ort selbst sei die Zucht von der unteren Naturschutzbehörde zudem nicht erlaubt worden, so dass er sich ein Gelände außerhalb suchte. Für dieses war aber den Vorschriften nach noch eine Personaltoilette nötig – die hat Herold sich dann in einem zehn Kilometer entfernten Gasthaus eingerichtet und genehmigen lassen.
„Zwei Jahre hat sich das alles hingezogen, deswegen macht in Deutschland keiner Schneckenzucht, bei dem ganzen Ärger,“ meint der Züchter. Er biss sich durch und schluckte auch die 19 Prozent Mehrwertsteuer, die auf Weinbergschnecken fällig werden. Denn anders als die meisten anderen Lebensmittel, die nur mit sieben Prozent besteuert werden, zählen sie als Luxusgut. Dabei betreibt Herold die Zucht nicht hauptberuflich, sondern als Hobby und als Beschäftigungstherapie. „Meine Schnecken halten mich fit“, sagt er.
Der Lohn für all die Mühe ist die Aussicht, im sechsten Betriebsjahr vielleicht schwarze Zahlen zu schreiben. Und das Wissen, etwas Besonderes zu tun, denn Hessen ist kein typisches Schneckengebiet, das Feinschmecker wie den Elsass oder Lothringen extra anfahren. Insofern hat Herold nach eigener Aussage auch Glück mit seinen Abnehmern im Umkreis, die vor allem auf regionale Produkte setzen – etwa die Odenwaldgasthäuser. Bei der klassischen Schneckenprodukten belässt er es aber nicht, sondern will in Kürze einen neuen Brotaufstrich auf den Markt bringen, eine Art Schnecken-Kräuterbutterpaste. Köche als Testesser bescheinigten ihr Potential, nun will Herold das Produkt auf Wochenmärkten und über den Werksverkauf einer Molkerei unter die Leute bringen.
deutschlands-bauern.de
Imagepflege für die Landwirtschaft
Foto: http://www.deutschlands-bauern.de/
Unter dem Titel Arbeit mit Leidenschaft – die deutschen Bauern hat der Deutsche Bauernverband eine Internetseite gestartet, die das Image der Landwirte aufwerten soll und mehr Verständnis für ihre Arbeit wecken soll. Eine gute Idee, denn Aufklärung und Eigenwerbung ist immer hilfreich – und wichtige Aufgabe eines Verbands. Leider nur hapert es an der Umsetzung des Internetangebotes noch deutlich.
Der Ansatz von deutschlands-bauern.de passt sehr gut ins Internet: Mit kurzen Videos und Texten werden verschiedene Landwirte und Betriebe vorgestellt. Es geht um Viehhaltung und Obstbauern, um die Leidenschaft an der Arbeit und die Sorgen des Nachwuchs. Die Inhalte sind übersichtlich geordnet und angenehm aufbereitet. Ein moderner Ansatz, um Menschen, die mit der Landwirtschaft wenig zu tun haben, die Arbeit auf Feld und Hof näher zu bringen.
Das ist nötig, gerade um teuren und nervenaufreibenden Streits vorzubeugen. Viele Landwirte haben Schwierigkeiten, wenn die Tiere lärmen, die Felder stinken oder die Maschinen den Verkehr verlangsamen. Wenn es dann noch um Preise und Subventionen geht, um Lebensmittelsicherheit und Umweltschutz, schlagen die Wellen schnell hoch. Und während andere Gruppen gut vernetzt sind und sich mit geschickter Lobbyarbeit in den öffentlichen Debatten positionieren, werden die Bedürfnisse der Landwirtschaft oft nicht genügend wahrgenommen. In der breiten Öffentlichkeit haben sich zwei Klischees verfestigt: der ewig jammernde Landwirt und der anonyme Massenbetrieb mit zumindest fragwürdigen Arbeitsmethoden.
Mit geschickter Aufklärung auf der eigenen Internetseite könnte diesem Eindruck ein deutliches Zeichen entgegengesetzt werden. Doch was bei der Gestaltung und in den ersten Texten auf deutschlands-bauern.de gelungen ist, wurde leider nicht konsequent fortgesetzt. Etwas verstärkt finden sich in der Rubrik „gut zu wissen“ einige Beiträge, die die besondere Situation der Landwirtschaft insgesamt beschreiben und daraus die Ansprüche der Bauern ableiten.
Doch seit einem Monat gibt es keine neuen Videos oder Texte, die Anbindung an andere Internetseiten wie Twitter und Facebook fehlt komplett. Zwar haben die Leser die Möglichkeit, in einigen Kommentaren eine Lanze für die Landwirtschaft zu brechen. Wirkliche Gespräche oder Diskussionen finden sich jedoch keine. So, wie Unternehmen das Internet nutzen, um sich bekannt zu machen und Kunden zu gewinnen, könnten es Landwirte dann über dieses Angebot tun. Auch Verweise auf die Internetseiten verschiedener Betriebe oder einen Bereich für interessierte Lehrer und andere Multiplikatoren sucht man vergeblich.
Vielleicht ist es nur die Erntezeit, die die Macher der Internetseite im Moment ausbremst. Wir hoffen, dass sich das Angebot in den kommenden Wochen weiter füllt. Denn für die Landwirtschaft kann es nur positive Effekte bringen. Das zeigen Internetkampagnen in anderen Bereichen – von Umweltschutz bis Pharmaindustrie.
Stolperfalle Führerschein
Schauen Sie genauer Hin
Ein DDR-Führerschein. Foto: Wikipedia
In der Erntezeit sind sie wieder auf den Feldern und Straßen unterwegs: Landwirtschaftliche Zugmaschinen und andere Fahrzeuge der Agrarbetriebe. Damit es bei Polizeikontrollen oder nach Unfällen kein böses Erwachen gibt, müssen die Fahrer gültige Führerscheine bei sich tragen. Vielen Geschäftsführern ist kaum klar, welche Stolperfallen es bei diesem Thema gibt. Ihre Fahrer sind – häufig unbewusst – ein großes finanzielles Risiko.
Eigentlich ist es ganz einfach: Wer ein Auto, eine Zugmaschine oder ein anderes Fahrzeug führt, muss einen gültigen Führerschein haben. In der Landwirtschaft jedoch, wo unterschiedliche Fahrzeugklassen genutzt werden, viele Mitarbeiter unterschiedlich Alt und zeitweise auch Fahrer sind, gibt es einige Sonderregelungen zu beachten. Werden sie nicht beachtet, fehlt der gültige Führerschein. Dann entfällt der Versicherungsschutz im Sinne der Kasko-Versicherung und der Fahrer macht sich strafbar.
Eine Besonderheit trifft vor allem ostdeutsche Betriebe. Wenn ein Mitarbeiter über 50 Jahre alt ist und einen DDR-Führerschein hat, droht der Verlust der LKW-Fahrerlaubnis. Die alten Führerscheine müssen spätestens mit dem 50. Geburtstag verlängert werden, damit sie ihre Gültigkeit behalten. Dazu sind eine medizinische Untersuchung und eine Umschreibung in der Zulassungsstelle nötig. Die Kosten: rund 250 Euro. Wer das versäumt, darf Landwirtschaftliche Zugmaschinen nur noch fahren, wenn sie eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern haben. Und diese Maschinen dürften heute in der Praxis nur noch schwer zu finden sein.
Ein anderer Stolperstein ist mit der Führerscheinklasse T verbunden, wenn sie ohne LKW-Führerschein erworben wurde. Damit darf der Mitarbeiter Maschinen für landwirtschaftliche Transporte bis 60 Stundenkilometer zulässiger Höchstgeschwindigkeit bewegen. Für nicht landwirtschaftliche Transporte liegt die Beschränkung jedoch bei 40. Wenn also Bauschutt geladen wurde, oder die Fahrt gewerblich für ein anderes Unternehmen stattfindet, kann er nicht die gewohnte Maschine nutzen.
Selbstverständlich gilt ein Fahrverbot für alle Mitarbeiter, denen der Führerschein entzogen wurde. Diese Kollegen dürfen höchstens auf einem geschlossenen Betriebsgelände oder Acker das Fahrzeug bewegen.
Passiert bei einer unerlaubten Fahrt ein Unfall, drohen dem Betrieb hohe Kosten. Stürzt zum Beispiel ein Traktor bei einem Ausweichmanöver um, zahlt die Versicherung nichts. Bei einer neuen Maschinen sind so schnell 200.000 Euro in den Sand gesetzt – ohne, dass ein anderes Fahrzeug beschädigt wurde. Bei einem Gewinn von 200 bis 300 Euro pro Hektar ein hoher Preis für die Fahrt ohne gültigen Führerschein.
Wie können sich Geschäftsführer davor schützen, dass ihre Fahrer – ob bewusst oder unbewusst – ein solches Risiko eingehen? Normalerweise ist es die Pflicht des Fahrzeughalters, sich vor dem Fahrtantritt von der „Befähigung des Führers eines Kraftfahrzeugs“ zu überzeugen. Da es im betrieblichen Ablauf nicht möglich ist, das täglich zu machen, reicht normalerweise eine Kontrolle alle sechs Monate. Wird diese Kontrolle, etwa mit einer Unterschriftenliste, nachgewiesen beteiligt sich die Kasko-Versicherung an dem Schaden. Außerdem wird der Betrieb nicht juristisch zur Rechenschaft gezogen, sondern nur der Mitarbeiter. Selbst wenn ihm der Führerschein in der Zeit zwischen zwei Kontrollen entzogen wurde.
Wachtelzucht im Kleinbetrieb
Das ganz persönliche Feinschmecker-Ei
Wachteln in ihrem Käfig.
Auch Kleinvieh bringt Ertrag: Die Wachtelzucht für die Eierproduktion ohne den Einsatz von Massentierhaltung ist kein leichtes Unterfangen und braucht viel Geduld und Ehrgeiz. Ein Sachse hat die Herausforderung angenommen.
Bernd Höhne hat sich ganz bewusst für die Produktion von Wachteleiern entschieden, trotz des schwierigen Marktes. Er hat eigene Marktforschung betrieben und die Reaktionen auf das Produkt mit Proben von gekochten Wachteleiern getestet. Und die Reaktionen waren durchweg positiv. Doch nicht nur der Geschmack und der im Vergleich zum Hühnerei höhere Nährwert seien charakteristisch für das Produkt, sagt der Züchter. Auch das Aussehen sei etwas Besonderes – vor allem für Dekozwecke auf Gourmet-Tellern oder für Büffets.
Seit November 2007 betreibt Höhne seinen eigenen Wachtelhof in Priestäblich auf dem sächsischen Land und verkauft die Eier seiner rund 2000 Legewachteln. Der Erfolg ist hart erarbeitet: „Es ist schwierig, sie zu vermarkten. Man muss viel Werbung machen und an die Kunden herantreten. Und man muss Durststrecken überstehen können. Aber Qualität setzt sich durch“, sagt Höhne, der mit dem Auto wöchentlich eine Runde durch Leipzig dreht und Abnehmer beliefert. Gemüseläden zum Beispiel, die die Eier in der 12er-Packung in Kommission verkaufen. Nicht abgesetzte Ware nimmt Höhne wieder zurück. Anders geht es nicht, sagt er, sonst wäre den Abnehmern das Risiko nicht verkaufter Ware zu hoch.
Wo der Erzeuger noch selbst ans Telefon geht
Die sächsischen Eier sind zwar teurer als die Ware aus Frankreich, die im Supermarkt direkt neben dem Gemüseladen verkauft wird. Doch die Käufer kommen trotzdem. Die persönliche Note ist es, die dafür sorgt, glaubt Höhne. Die Tatsache dass sein Name und die Telefonnummer auf der Packung stehen. „Die Leute rufen an und fragen nach Rezepten oder der Herkunft der Eier. Viele kannten Wachteleier vorher nicht. Eine Kundennähe ist also da und die ist auch wichtig«, sagt er.
Seine Leipziger Liefer-Tour beruht auf dieser Nähe: Zwei Drittel seiner Abnehmer sind Stammkunden, vieles passiert zudem durch Mundpropaganda. Auch Restaurants und das „Congress Center“ der Leipziger Messe kaufen bei ihm. An die liefert Höhne zubereitungs- oder verzehrfertige Ware – also geschälte Eier. Das Schälen und die anderen Arbeiten auf dem Wachtelhof lassen sich prinzipiell allein bewältigen, auch wenn die Tochter hier und da hilft. Anstrengender wird es zu Ostern, da steige die Nachfrage. Aber auch das ließe sich planen.
Noch läuft der Wachtelhof als Investition, aber prinzipiell könne man eines Tages von der Wachtelzucht leben, sagt Höhne. Damit das möglichst bald der Fall ist, plant er eine Verkaufsrunde im Berliner und Potsdamer Raum und erschließt auch weitere Geschäftsfelder. Der Direktvertrieb etwa ist in Arbeit. Die Überproduktion an Eiern fließt heute schon in den Wachteleierlikör einer Firma aus der Region. Zudem verkauft Höhne auch Jungtiere an andere Züchter nach dem Motto „lieber kaufen sie sie bei mir, als anderswo“. Viele, so sagt er, ließen die kommerzielle Zucht auch wieder sein – sie sei zu aufwändig. Zumal ein Geschäftsfeld für kleine Züchter unerschlossen bleibt: Die Fleischproduktion lohnt sich für Höhne nicht: „Das klappt nur mit Massentierhaltung in großen Betrieben.“
Landwirtschaftsbetriebe
Zusammenarbeit für eine Biogasanlage
Es sind stattliche Dimensionen, die für eine 2-Megawatt-Biogasanlage nötig sind. Rund 1000 Hektar Land für den Substrat-Anbau, 40.000 Tonnen Silage im Jahr und Investitionskosten von wenigstens acht Millionen Euro schlagen zu Buche, wenn sie ans Netz geht. In Mittelsachsen haben sich sechs Unternehmen zusammengeschlossen, um so ein Projekt umzusetzen. Gemeinsam gründeten sie die BioMethan Frankenberg GmbH. gruuna hat mit einem der Geschäftsführer über die Aussichten und Schwierigkeiten der Idee gesprochen.
Die Landgut Lichtenwalde Hutschenreuter KG ist ein klassischer Milchviehbetrieb in der Nähe von Chemnitz. 750 Tiere stehen im Stall, davon 280 Milchkühe und 80 Mutterkühe. „Zusätzlich machen wir Grassamenvermehrung und verkaufen etwa 1000 Tonnen Weizen und 400 Tonnen Raps pro Jahr“, sagt Ulf Hutschenreuter. Trotzdem leidet der Betrieb unter den niedrigen Milchpreisen der vergangenen Jahre. „Seit 2007 sind die Milchpreise fast um die Hälfte eingebrochen. Für uns ist die Biogasanlage deshalb eine Maßnahme um in die Offensive zu gehen.“
Eigentlich hatten Ulf Hutschenreuter und sein Sohn Marc den Bau einer Biogasanlage schon verworfen. Vor allem ein geeignetes Wärmekonzept fehlte, das auch im Sommer die Abwärme sinnvoll nutzt. Doch eine neue Technik in den Anlagen machte die Idee wieder interessant. „Inzwischen gibt es Anlagen, die Bio-Methan-Rohgas produzieren, das aufbereitet und ins Erdgasnetz eingeleitet wird. Diese Anlagen haben nur ein BHKW, dessen Abwärme zur Eigenerwärmung der Anlagen benötigt wird“, erklärt der Unternehmer. In Deutschland gebe es im Moment nur 32 solche Anlagen.
Damit sich die Aufbereitung des Rohgases lohnt, sollte eine solche Anlage wenigstens 1,5 Megwatt Leistung haben. Um die nötigen Investitionen besser stemmen zu können, haben sich die Hutschenreuters Partner aus der Region gesucht. Fünf Landwirtschaftsbetriebe und ein Dienstleister, der sich um den Transport und die bodenschonende Ausbringung der Gärreste kümmert, haben sich zusammengeschlossen. Gemeinsam investieren sie in die Biogasanlage. Zusammen mit einem Kollegen organisiert Ulf Hutschenreuter als Geschäftsführer im Moment die Planung. „Im Juli haben wir die gemeinsame GmbH gegründet“, sagt er. „Wenn die Anlage im November 2011 anläuft, wären wir schnell.“
Damit die Investitionen sich auch lohnen, haben sich die beteiligten Unternehmen schon heute über die Beteiligung am laufenden Betrieb geeinigt. „Die Anlage steht fast in der Mitte zwischen allen Unternehmen. Der längste Transportweg für die Silage beträgt zehn Kilometer“, erzählt Ulf Hutschenreuter. Die Anlage soll mit 60 Prozent Mais, 10 Prozent Ganzpflanzengetreide und 30 Prozent Grassilage betrieben werden. Die Betriebe haben zusammen eine Gesamtfläche von 9500 Hektar. In einem ersten Schritt soll jeder mindestens 120 Hektar Mais anbauen.
Offen ist im Moment noch, wer die Aufbereitung des Rohgases übernimmt. Außerdem könnten Unternehmen, die einen hohen Wärmebedarf haben, von der BioMethan Frankenberg GmbH auch das Gas aus den nachwachsenden Rohstoffen kaufen. Damit senken die Käufer ihren CO2-Ausstoß und werden für die Stromerzeugung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) gefördert.
Befragung von Käufern
Direktverkauf und Wissenschaft
Studentinnen der Hochschule für Technik und Wirtschaft in Dresden haben sich in ihrer Diplomarbeit mit Fragen beschäftigt, die für Direktvermarkter von grundlegender Bedeutung sind: Wie wichtig ist den Kunden das Aussehen und Auftreten eines Betriebs, der seine Waren direkt verkauft? Welche Verbesserungsmöglichkeiten gibt es, um neue Kunden zu gewinnen? Und welche zusätzlichen Angebote wünschen sie sich und wie erfahren Käufer von einem Direktvermarkter?
Für ihre Untersuchung befragten die Studentinnen Mandy Ruhland und Ina Dittrich mehr als hundert Besucher von sieben verschiedenen Direktvermarktern in der Umgebung von Dresden. Hof Direkt und die Bauernzeitung Sachsen stellten vor kurzem die Ergebnisse der Diplomarbeit vor. Ein wichtiger Punkt: Ambiente und Atmosphäre eines Direktverkaufs sind für die Käufer „wichtig“. Auf einer Skala von eins (sehr wichtig) bis 6 (unwichtig) vergaben sie eine Durchschnittsnote von 2,2 in dieser Frage.
Die meisten Befragten verbinden die Landwirtschaft mit „harter Arbeit“, „Stallgeruch“ und „Misthaufen“. Als Landwirt müssen Sie Ihren Hofladen also nicht vom normalen Tagesablauf abkoppeln, sondern können ihn tatsächlich direkt auf dem Hof gestalten und weiter der gewohnten Arbeit nachgehen. Die Käufer erwarten keinen klimatisierten Supermarkt. Sauberkeit und Ordnung werden jedoch auch im Direktverkauf selbstverständlich gefordert, da das für viele Käufer die einzige Möglichkeit ist, auf die Hygiene und Sorgfalt bei der Herstellung der Waren zu schließen. Immerhin können die Käufer nicht wissen, wie es in Ihrer Küche oder dem Schlachthaus aussieht.
Idyllische Klischees, wie „Blumenbeete“ und „Gemütlichkeit“ hatten vor allem Käufer aus der Stadt. Ist das Ihre Zielgruppe oder haben Sie eine städtische Filiale, sollten Sie den Verkaufsbereich entsprechend einrichten.
Die Studenten untersuchten auch, wie die Käufer auf den Direktverkauf aufmerksam wurden. Für 60 Prozent der Befragten stand die mündliche Empfehlung an erster Stelle. Diese kostenlose Form der Werbung ist damit für Sie vermutlich die effektivste – zumindest, wenn die Kunden mit Ihren Waren zufrieden sind. Um Ihren Verkauf anzukurbeln, sollten Sie deshalb besonders anregen, dass die Käufer andere über Ihr Angebot informieren. Ebenfalls eine Wirkung hatten Hinweisschilder an Straßen, Prospekte und Zeitungsanzeigen. Die Präsenz auf Messen und Ausstellungen spielte für die Befragten keine Rolle.
Interessant für einen Betrieb, der seine Direktvermarktung verbessern will, ist auch das Alter der Käufer. Über die Hälfte der Befragten im Großraum Dresden waren zwischen 41 und 60 Jahre alt. Über ein Viertel waren älter als 60. Nur jeder zehnte Käufer war unter 30. Das sollten Sie als Verkäufer im Hinterkopf behalten: Achten Sie auf genug Bewegungsspielraum, gut lesbare Preisschilder, Sitzmöglichkeiten zum Ausruhen und eine Positionierung der Waren, die es älteren Kunden einfach macht. Nur ein Drittel aller Käufer hatten eigene Kinder unter 14 Jahren. Das heißt für Sie auch, dass die Gestaltung der Verpackung nicht unbedingt auf junge Käufer zugeschnitten sein muss.
Bei der Analyse spielte auch die Zufriedenheit der Kunden mit den Verkaufsstellen eine Rolle. Die letzten Meter Weg zum Laden, etwa Straßen auf einem Hofgelände, wurden eher schlecht bewertet. Auch die Beschilderung des Anfahrtsweges wurde kritisiert. Kontrollieren Sie deshalb regelmäßig, ob neue Kunden Ihre Verkaufsstelle problemlos finden können. Einige Befragte wünschten sich mehr Beschäftigungsmöglichkeiten für Kinder während des Einkaufs – zum Beispiel durch Spielgeräte oder Streicheltiere.
Aus der Studie lassen sich auch Ideen für neue Verkaufsprodukte ableiten. Etwa 40 Prozent der Befragten vermissen zusätzliche Angebote im Hofladen, wie zum Beispiel einen Kräutergarten. Auch eine Gastronomie würden viele Käufer nutzen. Seminare, Einblicke in Betriebsabläufe und Selbsternte wurden ebenfalls nachgefragt.
Regionalmarke Spreewald
Die mit der Gurke
Schon seit 1996 besitzt der Spreewaldverein die Dachmarke Spreewald und vermarktet unter diesem Name verschiedene Produkte aus der Region.»Mit unserer Marke setzen wir Regionalität gegen Globalisierung«, sagte ein Vereinsmitglied in einem Zeitungsinterview. Damit ist die Regionalmarke die älteste in Brandenburg – und hat inzwischen viele Mitglieder. Und die produzieren nicht nur Gurken…
Nach der Wende war die Spreewald-Gurke eine der wenigen ostdeutschen Lebensmittel, das sich relativ gut am Markt halten konnte. Um die ganze Region in Brandenburg zu fördern, wurde 1992 die Regionalmarke eingeführt. Die Spreewaldregion liegt etwa 100 km südöstlich von Berlin. Sie erstreckt sich über Teilgebiete der Landkreise Spree-Neiße, Dahme-Spreewald und Oberspreewald-Lausitz sowie die kreisfreie Stadt Cottbus.
Man wolle eine „integrierte und vernetzte Entwicklung aller Lebens- und Wirtschaftsbereiche im Spreewald, von landwirtschaftlicher Rohstoffproduktion bis zur Lebensmittelveredelung in der Gastronomie“ erreichen. Wie auch bei anderen Marken setzt man vor allem auf ein Logo mit Wiedererkennungseffekt, um dem Verbraucher eine Orientierungshilfe anzubieten und die Bekanntheit und den Wiedererkennungswert von Spreewälder Produkten und Dienstleistungen zu steigern.
Entsprechend können nicht nur Erzeuger für ihre Produkte eine Anerkennung beantragen. Auch Gaststätten, ganze Betriebe, Hotels und Bootsführer in der Region arbeiten mit dem Logo. Dabei gibt es für jeden Bereich eigene Regionalitäts-, Qualitäts- und Umweltkriterien, die auf der Internetseite des Spreewaldvereins einzusehen sind. Die Einhaltung der Richtlinien wird regelmäßig überprüft. Das soll das Vertrauen der Verbraucher in die Produkte und Dienstleistungen, die die Marke tragen, steigern. Rund 750 Produkte aus über 60 Betrieben werben mit der Regionalmarke. Dafür zahlen sie 0,25 Prozent vom Umsatz an den Verein.
Unabhängig von der Regionalmarke gilt für die Gurken und den Meerrettich aus dem Spreewald ein europäischer Herkunftsschutz. Weltweit dürfen sich nur entsprechende Produkte aus der Region südöstlich von Berlin mit dem Zusatz „Spreewälder“ schmücken.
Synergieeffekte
Wenn Tiere die Biogasanlage sinnvoll machen
Um die Ertragslage zu verbessern, haben sich viele Landwirtschaftsbetriebe in den vergangenen Jahren neue Standbeine aufgebaut. Oft wurde in die Erneuerbaren Energien investiert – auch dank der staatlichen Förderung für Photovoltaik- und Biogasanlagen. Neben den Einnahmen aus der Energieeinspeisung bieten vor allem Biogasanlagen in Kombination mit Tierhaltung interessante Synergieeffekte. Auch wenn die laufenden Kosten eines solchen „Kraftwerks“ trotzdem gut überdacht werden sollten.
Die Biogasanlage liefert mit der Inbetriebnahme ein zusätzliches, relativ stabiles und kalkulierbares Einkommen. Ein wichtiger Punkt beim Bau einer Biogasanlage ist das Wärmekonzept. Wohin mit der Heizleistung, die eine solche Anlage mit sich bringt? Einige Betriebe speisen damit die Heizungen der eigenen Gebäude, andere verbinden die Biogasanlage mit Schulen oder anderen öffentliche Einrichtungen. Doch wer in seinem Betrieb auch Schweine und Geflügel zur Veredelungsproduktion hält, ist ebenfalls auf bestimmte Temperaturen in den Ställen angewiesen. Hier kann die Überschusswärme der Stromerzeugung gut genutzt werden – und die Betriebskosten der Tierhaltung sinken. Für die Zeit von Herbst bis Frühling kann das eine sinnvolle Ergänzung im Betrieb sein, im Sommer dürfte die Wärme ungenutzt bleiben. Möglichkeiten der Wärmenutzung im ganzen Jahr sind auch Holz-, Hackschnitzel und Raufuttertockung. Auch Kooperationen mit Agrar-Betrieben aus der Nachbarschaft bieten sich dabei an.
Auch im Umgang mit Gülle bietet die Biogasanlage zusätzliche Möglichkeiten.Die Lagerung und Ausbringung von Gülle und anderen Reststoffen ist gesetzlich stark reglementiert. Anwohner protestieren häufig gegen den strengen Geruch. Wird Gülle in der Biogasanlage vergoren und später ausgebracht, sinkt nicht nur die Geruchsbelastung. Die Nährstoffverfügbarkeit für die Pflanzen ist besser als bei normaler Gülle-Düngung.Zusätzlich wird ein Güllebonus über das Erneuerbare-Energieen-Gesetz ausgezahlt, wenn mindestens 30 Prozent des in der Biogasanlage genutzten Substrates Gülle ist.
Bei all diesen Möglichkeiten sollten jedoch der Preis einer Biogasanlage nicht unterschätzt werden. Nach dem Bau muss die Anlage fachlich betreut, gewartet und unter Umständen repariert werden. Das verursacht nicht nur Kosten, sondern senkt die Energieeinspeisung und damit die Einnahmen. Außerdem können die Substrat-Preise schwanken und einen Teil der Gewinne auffressen. Zudem steht unter Umständen weniger Fläche für den Anbau von Futtermitteln zur Verfügung, wenn der Betrieb selbst die Substrate anbaut.
Für kleinere Betriebe bietet es sich deshalb an, über eine Gemeinschaftsanlage mit anderen Unternehmen nachzudenken. Man kann Substratflächen gemeinsam nutzen und auch die Personal- und Finanzierungskosten aufteilen. Eine größere Anlage bietet zudem unter bestimmten Voraussetzungen ein besseres Kosten-Einnahmen-Verhältnis.
Tabakanbau in Deutschland
Zigaretten, made in Germany
Tabakanbau in Deutschland? Dass es hier Tabakbauern gibt, dürfte bei vielen Menschen für erhobene Augenbrauen sorgen. Doch es gibt sie – vornehmlich in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg. Neue Rauchergesetze und wegfallende Fördermittel bereiten den Tabakpflanzern Sorgen, eröffnen aber auch Chancen.
Über die Ursache für die relative Unbekanntheit des Landwirtschaftszweiges Tabak in Deutschland kann auch Egon Fink nur mutmaßen. Er ist Tabakbausachverständiger für die Pfalz und Geschäftsführer des Landesverbandes der rheinland-pfälzischen Tabakpflanzer. Er führt das Phänomen vor allem auf die Konzentration der Branche auf den Anbau in Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg mit vergleichsweise kleinen Flächen zurück. „Dazu kommt, dass bei Tabak wohl jeder zuerst an Kuba oder ähnlich typische Regionen denkt,“ sagt Fink.
Tabakfelder gibt es in allen deutschen Bundesländern, mit Ausnahme von Nordrhein-Westfalen, Saarland und Hessen. Der überwiegende Teil (mehr als 90 Prozent) der deutschen Tabakbauern betreibt den Anbau hauptberuflich und die Pflegeleichtigkeit der Tabakpflanze hilft dabei. „Man muß das Unkraut im Griff haben und der Blauschimmel kann noch ein Problem sein. Obwohl der Wasserbedarf an heißen Tagen relativ hoch ist, gibt es nur in Ausnahmejahren wie in 2010 größere Probleme mit der Wasserversorgung.Mit rund zwei Monaten ab der Auspflanzung hat die Tabakpflanze eine extrem kurze Vegetationsperiode“, erläutert Fink. So lassen sich nach seinen Angaben auch in kleinen Betrieben relativ hohe Erlöse mit wenig Anbaufläche erzielen.
Im Schnitt hatte jeder der knapp über 100 Betriebe im Jahr 2009 rund 54 Hektar Anbaufläche für Tabak. Zwischen 1500 und 2500 Beschäftigte ernteten 2000 bis 3000 Tonnen Rohtabak und erwirtschafteten einen Erlös von 3,50 bis 4,50 Euro pro Kilogramm. Der größte Teil des deutschen Tabaks wird im Inland abgesetzt, nur wenig geht in den Export, heißt es vom Landesverband Rheinlandpfälzischer Tabakpflanzer.
2010 dürften die Zahlen anders ausfallen, denn durch den Wegfall der EU-Fördermittel nach der Rohtabakmarktordnung wird die Situation für Tabakpflanzer schwieriger. Einige warfen auch schon das Handtuch, aber aussichtslos ist die Lage laut Fink noch nicht: „Sorgen machen wir uns jedes Jahr, momentan scheint es aber, was den Konsum betrifft, noch keine Probleme zu geben. Auch die Käuferfirmen zahlen teilweise schon einen angemessenen Preis nach dem Wegfall der Förderung.“
Ohne Einschnitte ging es bei den aktuellen Verlusten von rund 800 Hektar Anbaufläche aber nicht: Um der neuen Situation zu begegnen wurde in der Pfalz von drei Tabaksorten auf zwei umgestellt und für die Sorte Virgin konnte das Anbauvolumen dank Mehrjahresverträgen gesteigert werden, berichtet Fink. Hier ist nun auch Platz für Landwirte, die sich für den Einstieg in den Tabakbau interessieren.
Die Voraussetzungen dafür sind vergleichsweise moderat. Für die aussichtsreiche Sorte Virgin etwa braucht es einen Trockenofen und für die Ernte muss der Tabakbauer Hilfskräfte beschäftigen. Alles andere hängt von den Fähigkeiten und der Ausstattung des Landwirts ab: „Er sollte agronomische Erfahrung haben und seine Flächen kennen, zum Beispiel in Sachen Stickstoffmenge und Nachliefervermögen. Ansonsten sind für Tabak besonders Sorgfalt und ein Sinn für Qualität nötig, wenn es um den richtigen Erntezeitpunkt geht,“ erklärt Fink.
Suche nach Azubis
Frisches Blut auf dem Hof
Lange war es für Agrarbetriebe kein Problem, genügend gute Auszubildende einzustellen. Inzwischen wird es jedoch schwieriger, geeigneten Nachwuchs zu finden. Zum einen gibt es – gerade in ländlichen Regionen – immer weniger junge Leute, zum anderen sind die Anforderungen an die Arbeit auf einem modernen Hof deutlich gestiegen. Doch fehlen Auszubildende heute , fehlen morgen die Fachleute. Und spätestens, wenn ein Chef offene Stellen nicht mehr besetzen kann, kommt das böse Erwachen.
Es liegt auf der Hand, dass die Ausbildung im eigenen Betrieb Vorteile hat. Die jungen Mitarbeiter werden in das Team integriert, lernen die Maschinen und Besonderheiten des Unternehmens früh kennen. Das prägt – und spart den Aufwand, einen älteren und anders „eingestellten“ Mitarbeiter später einzuarbeiten. Viele Geschäftsführer haben das erkannt, stehen jedoch jedes Jahr vor dem Problem, geeignete Auszubildende zu finden. Es sinkt nicht nur die Zahl der Bewerber, sondern auch deren Qualität. Die schulischen Leistungen und die Motivation der Interessenten lassen oft zu wünschen übrig. Gerade in einem so komplexen Berufsbereich wie der Landwirtschaft sind das Ausschlusskriterien.
So ist ein starker Wettbewerb um die Schüler entbrannt. Große Betriebe gegen kleine, Unternehmen aus dem Osten gegen Unternehmen aus dem Westen. Zugleich leidet die Landwirtschaft noch immer unter dem Ruf, keine anspruchsvollen und zukunftssicheren Aufgaben zu bieten. Inzwischen gibt es manchmal mehr Stellen als Bewerber Nur die Arbeitgeber, die sich diesem Wettbewerb stellen, haben gute Chancen, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen. Dabei gibt es einige Argumente, mit denen die jungen Leute überzeugt werden können.
Arbeitgeber wirken attraktiver, wenn sie die Vielseitigkeit der Ausbildung vorstellen, die kameradschaftliche Zusammenarbeit im Team beschreiben und die modernen, technisch anspruchsvollen Maschinen zeigen. Auch die sichere Anstellung und die Aufstiegsmöglichkeiten nach der Ausbildung sprechen für ein Unternehmen. Für einige Schüler kann es wichtig sein, dass sie in der Heimat eine Ausbildung machen können, auch wenn sie zunächst nicht an einen Agrarbetrieb gedacht haben. Andere würden sogar einen Umzug in Kauf nehmen, um in einem landwirtschaftlichen Unternehmen zu arbeiten. Die lassen sich damit locken, dass man ihnen ein Zimmer vermittelt. Und nicht zuletzt zählt auch das Gehalt: Wer die Auszubildenden nach Tarif bezahlt und leistungsabhängige Prämien anbietet, sollte das auch deutlich sagen.
Doch wie kann man die guten Seiten des Betriebes den Schülern klar machen? Neben dem Praktikum, das viele Schüler in der sechsten oder siebten Klasse machen müssen, kann ein Tag des offenen Hofes oder ein organisierter Schulausflug das Unternehmen bekannt machen. Gerade landwirtschaftliche und technische Themen finden sich in den Lehrplänen oft wieder und lassen sich deshalb gut verknüpfen.
Viele Schulen ermöglichen es Unternehmen auch, sich und die Ausbildungsplätze im Unterricht vorzustellen. Auch die Präsentation auf Messen und anderen Veranstaltungen ist eine Möglichkeit. Neben Fachmessen der Agrarbranche gibt es oft auch Ausbildungsbörsen in großen Schulzentren oder beim Arbeitsamt. In jedem Fall zählt die Initiative des Unternehmens inzwischen mindestens genauso viel, wie die Initiative der interessierten Bewerber.
Online-Shop für Erzeuger
Produkte, wie du sie magst
In Österreich etabliert sich ein Internetangebot, das für viele Landwirte eine neue Möglichkeit zur Ertragssteigerung im Direktvertrieb bietet. Auf myproduct.at stellen über 20 Erzeuger aus dem ganzen Land ihre Produkte ein. Über die Internetseite können Interessenten bei den Landwirten einkaufen. Die sparen sich so die Investitionen in einen eigenen Online-Auftritt, erreichen mehr Kunden und erhalten direkt ihr Geld.
Viele Landwirte setzen schon heute auf den eigenen Onlineshop, um neben dem Hofladen und dem Direktverkauf auf Wochenmärkten oder bei regionalen Einzelhändlern Einnahmen zu erzielen. Das Problem: Manche Agrarbetriebe sind mit der Pflege der Seiten überfordert. Entweder das Angebot ist nicht aktuell, oder es fehlt an grundlegenden Sicherheitseinstellungen und rechtlichen Hinweisen. Erschwerend kommt hinzu, dass Marketing und Suchmaschinenoptimierung oft fehlen.
Interessierte Kunden werden so durch ein schlechtes Design, hohe Versandkosten oder einen unklaren Bestellprozess abgeschreckt. Damit verspielen viele Betriebe die Chance, ihre hochwertigen Produkte ohne laufende Kosten einem nahezu unbegrenzten Käuferkreis im Internet anzubieten.
Die österreichische Seite versucht diese Lücke zwischen Angebot und Nachfrage zu schließen. Sie bringt interessierte Kunden und einheimische Produzenten zusammen. Drei Studenten entwickelten die Handelsplattform vor über einem Jahr und nehmen den Landwirten seit dem mit der Gestaltung, Vermarktung und Betreuung der Internetseite die meiste Arbeit ab. Nur ihre Produkte verpacken und verschicken müssen die Erzeuger noch selbst.
Wirklich internetaffin muss jedoch niemand sein, der dort etwas vermarkten will. Weil alle Produzenten auf der Seite ausführlich vorgestellt werden, können sie für ihre Produkte und die landwirtschaftliche Arbeit werben. Außerdem können sie direkt mit den Konsumenten in Kontakt kommen und erhalten so eine Rückmeldung zu ihren Waren. Das schafft Vertrauen – und bringt den Landwirten neben den Einnahmen auch eine zusätzliche Werbefläche.
Fragen zu gruuna - Teil 2
Was sind die gruuna-AGB?
Harald Herrmann kümmert sich bei gruuna vor allem um die rechtlichen Rahmenbedingungen.
Bei Präsentationen von gruuna für Landwirte und Händler, gibt es viel Lob für das ausgereifte Konzept und die durchdachte Struktur der Seite. Im Anschluss an unsere Vorstellungen wird jedoch auch intensiv diskutiert – am meisten darüber, welche Schwierigkeiten die interessierten Kunden beim Handel über den Landwirtschaftsmarkt im Internet befürchten. Viele Fragen beantworten wir bereits in diesem Bereich unserer Homepage. Einigen Themen die Ihnen wichtig sind und die immer wieder eine Rolle spielen, möchten wir uns hier ausführlicher widmen. Im zweiten Teil dieser Serie mit Fragen zu gruuna geht es um rund um die speziellen gruuna-Handelsbedingungen.
Was hat es mit den gruuna-Handelsbedingungen auf sich?
Wir bieten als einziger Internetmarktplatz der Agrarbranche spezielle Handels-AGB für den Landwirtschaftshandel. Jeder, der einen Handel auf gruuna startet, kann sie nutzen. Dafür gibt es neben den allgemeinen Bedingungen, mit denen man vom Gummistiefel bis zum Rind theoretisch alles verkaufen kann, auch Ergänzungen für spezielle Bereiche. Zum Start von gruuna haben wir schon besondere Vereinbarungen für den Ein- und Verkauf Getreide, Hülsenfrüchten, Ölsaaten und Futtermittel vorbereitet.
Wozu gibt es diese neuen Handels-AGB?
Gerade beim Handel mit Getreide gibt es sehr spezielle Bedingungen. Da geht es um bestimmte Eigenschaften oder Gewicht. Wenn ich zum Beispiel einen Sack mit Futtermitteln kaufe, auf dem 15 Kilo als Gewicht steht, dann müssen auch 15 Kilo drin sein. Wenn ich aber 25 Tonnen Getreide kaufe und nur 24,95 Tonnen bekomme, was passiert dann?
Damit dann der Einkauf nicht ständig rückabgewickelt werden muss, haben wir für gruuna eigene Abschlagstabellen geschaffen. Dabei hat uns die Landwirtschaftskammer Niedersachsen beraten. So weiß jeder, wann die Lieferung zurückgeschickt werden kann oder welche Abweichungen mit Abschlägen vom Kaufpreis geregelt werden. Interessenten, die verschiedene Angebote vergleichen, müssen sich nicht durch umfangreiche Handelsbedingungen von verschiedenen Anbietern arbeiten sondern können sich auf das Wichtige konzentrieren: den Preis. Und jeder Deutsche, der einen Handel auf gruuna startet, weiß, dass in jedem Fall diese bekannten Bedingungen gelten. Auch wenn der Käufer aus dem Ausland kommt.
Was ist in diesen speziellen Handelsbedingungen geregelt?
Eine ganz wichtige Festlegung ist, dass die Einheitsbedingungen des deutschen Getreidehandels zu Grunde liegen. Dort ist schon sehr viel geregelt, zum Beispiel wann und wie Proben zu entnehmen sind. Die Erzeuger und Händler in Deutschland kennen diese Bedingungen. Unsere Handels-AGB haben wir dann um die gruuna Abschlagstabelle ergänzt.
Sind auch für andere Bereiche noch spezielle Handelsbedingungen geplant?
Ja, zum Start von gruuna wird es auch für den Schweinehandel gruuna-Handelsbedingungen geben. Dort gibt es ähnliche Probleme. Schlachthöfe haben ihr Musterschwein und zahlen bei Abweichungen davon Zu- oder Abschläge. Deshalb haben wir auch dafür eine eigene Tabelle entwickelt. Wir wollen auch in weiteren Segmenten solche eigenen Bedingungen schaffen. Wir werden auch, wenn Nutzer ihre eigenen AGB für den Handel auf gruuna verwenden, schauen, ob sich daraus allgemeingültige Abschlagstabellen für uns entwickeln lassen.
Kann ein Nutzer die gruuna-Bedingungen auf seine individuellen Wünsche anpassen?
Immer wenn ein Handel gestartet wird, werden auch die AGB festgelegt. Man kann also bei einem Handel die gruuna-Bedingungen wählen und bei einem anderen Handel seine eigenen Bedingungen als Text hinterlegen. Außerdem kann man bei der Eingabe seiner Artikel auch die Kontraktbedingungen verändern. z. Bsp. Art der Beprobung oder ob ein ordentliches oder ein Schiedsgericht bei Problemen eingeschaltet werden soll. Diese „Kontraktbedingungen“ sind im Zweifel entscheidend – auch wenn in den AGB eine abweichende Angabe steht.
Hier finden Sie den ersten Beitrag mit den »Fragen zu gruuna«, rund um das Thema Artikelbeschreibung
Haben Sie weitere Fragen zu diesem Thema oder zu gruuna allgemein? Nutzen Sie einfach die Kommentar-Funktion unter diesem Beitrag.
Konserviertes Frischgras aus Deutschland
Die Brotbüchse für Pferde
Foto: privat
Im Sommer Weidegras, im Winter Heu – der Grundspeiseplan von Pferden scheint recht simpel. Doch wo für den Menschen längst eine ganze Lebensmittelindustrie High-Tech-Nahrung entwickelt, erfanden findige Köpfe auch fürs Pferd eine hochwertigere Alternative zum Heu. Boxgrass heißt sie und wird deutsch, mit kurzem S ausgesprochen. Boxgrass ist frisch und haltbar verpacktes Gras in 25-Kilogramm-Packen, dessen Liste von Vorteilen sich so liest: staubfrei und somit atemwegsfreundlich, eiweißarm, rohfaserreich, mineralstoffhaltig, im Freien lagerbar und die Verpackung ist recyclebar. Einige Landwirte haben eine ertragreiche Nische mit dem Anbau gefunden.
Erfunden hat und patentiert hat das Spezialfutter der Landwirt Fritz Böckmann vor 21 Jahren. Heute kümmert sich Torsten Riedemann auf seinem Hof in Sulingen nebenbei um die Boxgrass-Belieferung des deutschen Nordens, für den Süden ist ein Hof in Großlangheim zuständig. Fünf bis sechs Leute sind während der Erntezeit in Sulingen im Familienbetrieb auf 35 Hektar beschäftigt, das Boxgrass zu erzeugen.
Es ist ein Nischenprodukt, doch an Abnehmern unter Züchtern und Pferdesportlern mangelt es nicht. Die werden vor allem durch Mundpropaganda, Fachzeitschriften und Messeauftritte erreicht. „Wir liefern direkt an die Endkunden und haben viele Stammkunden. Das Landgestüt Celle zum Beispiel ist unser Aushängeschild,« berichtet Riedemann. Aber auch im näheren Ausland gibt es einige Abnehmer – den weitesten Weg haben die Futterpacken nach Südfrankreich. Ausländische Interessenten werden oft durch Turnierreiter aufmerksam, die das Boxgrass mit auf Reisen nehmen, berichtet Riedemann. Angebote für die Lieferung nach Dubai oder gar den Anbau in Syrien musste er aber ausschlagen – zu viele Unsicherheiten bei Anbau und Lagerung im jeweiligen Klima.
Nebengeschäft mit Qualitätsanspruch
Es gibt durchaus auch Konkurrenz für Boxgrass – Powergras zum Beispiel, oder Produzenten, die ähnliches Futter von ausländischen Weiden holen. Torsten Riedemann macht das aber weniger Sorgen. Er vertraut nicht nur auf das Patent des eigenen Produkts, sondern setzt vor allem auf Qualität. „Sicher könnte man die Verkaufszahlen noch hier und da steigern,“ sagt er, „Doch dann werden wir abhängiger von externen Einflüssen wie dem Wetter und am Ende leidet womöglich die Qualität des Futters. Das können wir uns nicht leisten, denn bei uns stehen die Kunden auf dem Hof und wir müssen ihnen in die Augen sehen.“ Besonders stolz ist er auf die Kooperation mit der „Klinik für Pferde“ in Sottrum, denn: „Wenn ein Tierarzt unser Futter benutzt und empfielt, kann es nicht ganz schlecht sein.“
Auch wenn der Anbau von solchem Futter wenig Probleme bereitet, Einsteigern macht der Landwirt wenig Hoffnung. Man könne zwar von Anbau und Verkauf leben, aber bis das Geschäft läuft, waren allein bei Erfinder Böckmann viel Geld und Zeit nötig. „Man braucht Maschinen, die nötige Anbaufläche und zahlt viel Lehrgeld für das Ausprobieren, allein bei der Verpackung. Das baut man nicht mal eben so auf“, weiß Riedemann.
Hubschrauber in der Landwirtschaft
Unterstützung von oben
Für große Agrarbetriebe kann er die Rettung in der Not sein. Wenn schlechte Bodenverhältnisse keinen Einsatz von herkömmlicher Technik zulassen, das Wetter aber dringend eine Bearbeitung des Felds erfordert, kommen immer wieder Hubschrauber zum Einsatz. Auch wenn es auf den ersten Blick nach einem schlechten Kosten-Nutzen-Verhältnis aussieht: Die Luftunterstützung kann sich rechnen, wenn die Böden nicht befahrbar sind.
Laut einem Artikel in der Bauernzeitung wurde bereits vor dem Ersten Weltkrieg über die Verteilung von Pflanzenschutzmitteln aus der Luft diskutiert ( wie es auch heute gemacht wird ). Damals wären vermutlich Luftschiffe zum Einsatz gekommen – heute verlassen sich Landwirte zumeist auf Hubschrauber. Es gibt einige Unternehmen , die entsprechende Flüge anbieten, gerade für die Düngung großer Flächen werden sie angefragt. Besonders in einem Jahr wie diesem, in dem die Felder nach dem langen und kalten Winter Mitte März oft noch nicht befahrbar waren.
Der Einsatz der Helikopter kann durch ihre GPS-Navigationstechnik genauso zielgerichtet erfolgen wie mit einer herkömmlichen Maschine. Auch aus einer Höhe von 12 bis 15 Metern und bei einer Geschwindigkeit von 70 bis 80 km/h wird metergenau gedüngt. An die Hubschrauber wird für den Einsatz ein „Außenlaststreukübel“ angebracht, der bis zu 500 Liter Dünger fasst. Bei einigen Modellen wird der Dünger durch einen motorbetriebenen Schleuderteller am unteren Ende des Streuers gleichmäßig verteilt.
Damit sich der Technik-Einsatz lohnt, muss im Vorfeld intensiv geplant werden. Flugkarten müssen ausgewertet, Gewässer ausgeklammert und Hindernisse wie Stromleitungen oder Windräder beachtet werden. Geübte Piloten können mit drei bis vier Minuten Flugzeit zwei Hektar düngen. Am Tag werden so insgesamt 200 bis 300 Hektar bearbeitet.
Gerade in Ostdeutschland ist die Luftunterstützung beliebt. Kurzentschlossene Betriebe haben es deshalb mitunter schwer, einen Hubschrauber zu buchen. Nach Angaben der Bauernzeitung haben viele große Betriebe bereits langfristige Verträge mit den Hubschrauber-Dienstleistern. Auch wenn die Böden eine „normale“ Düngung zulassen würden, werden manche Flächen jedes Jahr mit Helikoptern versorgt. Der Hektarpreis sei dank der langfristigen Verträge trotz des ungewöhnlichen Einsatzes nicht höher als bei der herkömmlichen Arbeit. Außerdem würde der Ertrag sich verbessern, weil zum Beispiel eine Bodenverdichtung durch Fahrspuren vermieden wird. Auch ist der Einsatz aus der Luft unabhängig von Pflanzenhöhe und Hangneigung.
Wie Regionalwährungen den Ertrag steigern können
Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe sind fest in der Heimat verwurzelt. Ob großes Agrarunternehmen oder kleiner Bauern: In direkter Nachbarschaft der Felder und Ställe kennen die Menschen „ihren“ Hof. Beim Verkauf der eigenen Erzeugnisse und Produkte hat das unschätzbare Vorteile, egal ob im Hofladen oder über eine Reihe von Filialen. Interessant wird das, wenn man sich mit anderen Händlern und Produzenten aus der Region zusammentut – und gemeinsam einen Anreiz schafft, damit mehr Geld in der Heimat ausgegeben wird. Zum Beispiel mit einer Regionalwährung.
Die Idee für eine reine Tauschwährung hatte Silvio Gesell zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Er wollte das Ungleichgewicht im Kapitalismus, wo die reine Anhäufung von Geld zu seiner Vermehrung beiträgt (etwa, wenn man es als Kreditgeber verleiht), aufbrechen. Geld sollte wieder ein reines Tauschmittel sein, dass man am besten schnell für eine Ware oder Dienstleistung ausgibt. Funktionieren kann diese Idee nur in einem eng begrenzten Gebiet mit einer überschaubaren Zahl von Teilnehmern. Sonst wird aus dem Tauschgegenstand schnell wieder ein materialistisches Gut.
Natürlich ist es unrealistisch (und vom Staat untersagt), mit einer Regionalwährung den Euro abzusetzen. Aber es ist eine interessante Idee, so ein zweites Zahlungsmittel parallel einzuführen. Es wird sichergestellt, dass Werte in der Region bleiben, lokale Arbeitgeber profitieren und heimische Produkte gekauft werden. Für Landwirte also ein ideales Instrument um den Direktvertrieb anzukurbeln.
Eine Übersicht über alle Regionalwährungen in Deutschland gibt es nicht, Experten gehen von mehr als 30 Angeboten aus. In Bremen gibt es zum Beispiel seit 2001 den Roland, der von 110 Geschäften akzeptiert wird, in Schleswig-Holstein seit 2005 ein Regionalgeld und in Magdeburg den Urstromtaler. Viele Projekte scheitern jedoch nach einer Startphase daran, dass nicht genug Waren mit der Ergänzungswährung gekauft werden können. Landwirtschaftliche Betriebe mit einem breiten Angebot an Produkten und Erzeugnissen wären hier gute Partner solcher regionalen Initiativen. Denn nur wenn die Bürger viel mit den anderen Geld bezahlen können, lohnt sich der Organisationsaufwand für alle Beteiligten.
Wer Interesse an der Einführung einer Regiowährung in seiner Umgebung hat, sollte sich auf jeden Fall viel Zeit für die Vorüberlegungen nehmen. Ein Einzelkämpfer wird ein solches Projekt nie stemmen können – es braucht mehrere Unternehmer, die die Besonderheiten und Spezialitäten einer Region hervorheben und an das alternative Geld knüpfen. Es müssen auch alltägliche Dienstleister – vom Frisör, über die Hebamme bis hin zum Schlüsseldienst – als Partner gewonnen werden.
Dabei gibt es zwei unterschiedliche Funktionsweisen, die die meisten Regionalwährungen nutzen. Entweder sie sind fest an den Euro gekoppelt, so dass alle Interessenten in einer „Wechselstube“ tauschen müssen. In der anderen Variante gibt es feste Konten, auf denen jeder Teilnehmer für eine Dienstleistung oder beim Verkauf einer Ware die Ersatzwährung gutgeschrieben kriegt. Um selbst etwas zu kaufen, muss man für Euro Gutscheine in der Ersatzwährung erwerben.
Wie nebenbei erfüllen viele Regionalwährungen auch einen sozialen Zweck. Beim Rücktausch des Geldes in Euros wird eine geringe Gebühr verlangt. Diese finanziert zum einen die Alternativwährung, und wird zum anderen auf Vereine und Initiativen aufgeteilt.
Egal wie die Systeme ausgestaltet sind: Für Landwirte bieten sie eine gute Möglichkeit, sich in zu beteiligen. Man kann sich noch stärker in der Heimat einbringen – und auch Zugezogene als Kunden gewinnen. Mitarbeiter können einen Bonus für besondere Leistungen in dieser Währung erhalten.
Regionalmarke Mittelelbe
Gemeinsam stärker als alleine
Rund um die Elbe auf der Höhe von Dessau haben sich kleine und mittelständische Betriebe zur Regionalmarke Mittelelbe zusammengeschlossen. Unter den 19 Partnern sind auch Landwirtschaftsbetriebe – von der Straußenfarm, über den Ziegenhof bis hin zur großen AgriCo Lindauer Naturprodukte AG.
Die Unternehmen profitieren davon, dass sie ihre Erzeugnisse und Produkte unter einer gemeinsamen Dachmarke vermarkten können. Gleichzeitig bietet der Verein „Regionalmarke Mittelelbe“ auch gemeinsame Veranstaltungen und Präsentationen. Auf der Grünen Woche präsentierten sich die Erzeuger an einem Gemeinschaftsstand mit der Wirtschaftsregion Anhalt-Bitterfeld. Die Kosten für einen solchen Auftritt hätte ein einzelner Betrieb kaum investieren können.
Auf der Internetseite der Regionalmarke werden alle Mitglieder kurz vorgestellt. Hier wird auch beschrieben, welche Anforderungen man erfüllen muss, um seine Produkte mit dem Logo anbieten zu dürfen. Dabei gibt es unterschiedliche Bedingungen, je nach Branche. Wichtig, vor allem für größere Agrarbetriebe: Auch die konventionelle Landwirtschaft ist bei der Regionalmarke willkommen, es gibt keinen „Zwang“ zu Bio, wie bei anderen Initiativen.
Gaststätten müssen wenigstens drei Gerichte und ein Getränk auf der Karte haben, deren Zutaten aus der Region kommen. Käsereien müssen ihre Rohmilch aus dem Gebiet Mittelelbe erhalten und auf Zusatzstoffe oder Gentechnik verzichten. Das Obst für die Herstellung von Bränden, Säften oder Marmeladen muss überwiegend aus den typischen Streuobstwiesen kommen.
Ein weiterer Punkt fördert die Zusammenarbeit der Betriebe und die Bekanntheit einzelner Produkte. Direktvermarkter und Hofläden sind angehalten, neben den eigenen Erzeugnissen auch Waren anderer Partner anzubieten.
Alpakas als Zuchttiere
Südamerikanische Konkurrenz fürs Schaf
Ilona Kindler mit einem jungen Alpaka. Foto: Privat
Von einer absoluten Seltenheit kann man nicht mehr sprechen, wenn ein langer flauschiger Hals samt neugierigem Gesicht über einen deutschen Weidenzaun ragt. „Ein Lama!“ wird es wohl den meisten Menschen entfahren. Fast richtig, es handelt sich um einen nahen Verwandten, das aus den südamerikanischen Anden stammende Alpaka. Diese Tiere bieten für Züchter interessante Ertragsmöglichkeiten.
Auf 9000 bis 10.000 Tiere schätzt Egbert Böhm, Präsident des „Alpaka Zucht Verband Deutschland“, den Bestand hierzulande. „Die Anzahl der Tiere ist den letzten Jahren unheimlich gestiegen und es werden auch immer mehr Züchter“ berichtet Böhm. „Allein in den letzten zwei Jahren hat sich deren Zahl ungefähr verdoppelt. In Deutschland gibt es damit zur Zeit ungefähr 380 bis 400 Züchter.“ Die genaue Zahl kann Böhm schwer nennen, denn die Alpaka-Halter seines Verbandes sind teilweise auch in den anderen deutschen Dachorganisationen gemeldet. Zudem besteht ein enges internationales Netzwerk, dessen ausländische Mitglieder teils über deutsche Partnerbetriebe registriert sind.
Ist das Alpaka im Heimatland Südamerika ein ganz alltägliches Nutztier, dessen hochwertiges und schmackhaftes Fleisch gegessen wird, spielt es in Deutschland trotz der zunehmenden Verbreitung derzeit nur in Bereichen jenseits der Nahrungsmittel eine Rolle. So wächst die Nachfrage nach im Bereich der tiergestützten Therapie, weiß Böhm. Auch als Landschaftspfleger kommt das Alpaka in Frage.
Delfine auf vier Beinen und Alpaka-Betten für Allergiker
Prinzipiell ist das Fell der Tiere von Interesse. „Die Wolle ist sehr hochwertig und allergenfrei. Betten mit Alpakahaar sind zum Beispiel momentan ein großer Renner“ sagt Züchterin Ilona Kindler aus Rothenburg ob der Tauber. „Dennoch lässt sich mangels einer industriellen Wollgewinnung nur im privaten Bereich Gewinn mit dem Fell erzielen.“ Die Pädagogin züchtet seit vier Jahren vornehmlich aus Leidenschaft, wie sie sagt, ihre Herde gehört mit rund 30 Tieren dennoch zu den größeren in Deutschland. Geld verdient sie hauptsächlich mit dem Verkauf von Tieren an andere Züchter oder an Therapieeinrichtungen. Für letztere eignet sich das Alpaka aufgrund seines gutmütigen Wesens und des freundlichen Äußeren besonders.
„Die Wallache lassen sich gut als Therapietiere ausbilden“ erläutert Kindler, „sie sind neugierig, freundlich und sprechen ähnlich wie Delfine den Menschen ganz automatisch über ihr Kindchenschema an.« Grundsätzlich sind Alpakas aber keine Streicheltiere und meiden den Körperkontakt zum Menschen. Um einige Tiere für Besucher dennoch am Halfter führen können, ist drei bis vier Wochen lang täglich eine Viertelstunde Training nötig. Ganz generell ist Geduld eine wertvolle Tugend für jeden Landwirt, der die Alpakazucht als zweites Standbein oder zur Nachnutzung vorhandener Infrastrukturen ins Auge fasst.
Alpaka-Klos auf der Schafweide
Vier Jahre gehören die Alpakas nun zu Ilona Kindlers Leben. Bis sich die Herde mit Anschaffungspreisen von 4000 bis 5000 Euro pro Tier rechnet, gehen schätzungsweise noch ein, zwei Jahre ins Land sagt sie. „Die Anregung für die Zucht hatte ich aus dem Fernsehen, da wusste ich aber noch recht wenig über Alpakas. Rund ein Jahr lang habe ich mich also auf die Tiere vorbereitet, mich eingelesen, Seminare und andere Züchter besucht und das würde ich auch jedem anderen Interessierten empfehlen.“ Denn, so Kindler, die meisten Verluste bei den Tieren geschehen durch Unwissenheit in Form von Unfällen oder Vergiftungen.
Der anfängliche Aufwand lohne sich aber, denn generell seien Alpakas pflegeleichte Tiere. Sie benutzten sogar ihr eigenes „Alpaka-Klo“ – separate und leicht zu reinigende Kotplätze auf der Weide. Für die Nachbeweidung von Rinder-Flächen eignen sie sich dadurch zwar nicht, können aber mit Pferden und Schafen auf eine Weide und sind auf Magerwiesen und hügeligen Weidegegenden gut als Landschaftspfleger einsetzbar.
Für Ilona sind solche Gegenden ein ganz eigenes Einsatzgebiet für die Alpakas: „Eigentlich ist das klassisches Schafland, aber die Beweidung mit Schafen geht immer mehr zurück und viele Weiden verbuschen dadurch. Die Alpakas können hier durchaus eine interessante Alternative darstellen.“
Erfolg mit Gästen
Tipps für den Umgang mit Erntehelfern
Auch für die Apfelernte werden immer wieder Gastarbeiter eingestellt.
Die Spargelsaison ist vorbei, und ohne die zahlreichen Helfer aus Osteuropa wäre die Ernte nicht so erfolgreich erbracht worden. Auch bei Obstbauern, Winzern oder für die Erdbeeren- und Gurkenernte sind die Gastarbeiter eine unverzichtbare Hilfe in vielen Betrieben. Mit dem schlechten Kurs des englischen Pfunds hat für sie die Arbeit in Deutschland (und die Bezahlung in Euro) wieder an Attraktivität gewonnen. Doch was müssen Landwirte beachten?
Für die meisten Betriebe ist eins klar: Deutsche Erntehelfer zu suchen ist wenig erfolgversprechend. Rund 20 Prozent des Bedarfs muss man vom Arbeitsamt anfragen, doch die deutschen Bewerber überstehen meist das Vorstellungsgespräch nicht. Die schwere körperliche Arbeit und der überschaubare Lohn senken ihre Motivation schnell. Die Suche nach engagierten Gastarbeitern ist hingegen ziemlich einfach. Entweder man schreibt die Stellen über eine kleine Anzeige im Internet oder ein osteuropäisches Bauernblatt aus. Oder der Landwirt stützt sich auf Empfehlungen und die informellen Netzwerke unter den Helfern. Pro Jahr sind weit über 200.000 ausländische Arbeiter bei deutschen Landwirtschaftsbetrieben beschäftigt.
Dabei darf man als Arbeitgeber jedoch die Kosten nicht aus den Augen verlieren. Der Lohn für ausländische Arbeiter liegt zwar deutlich unter dem für deutsche und wird individuell verhandelt. Dabei ist es jedoch immer empfehlenswert, nach Leistung zu zahlen und nicht pro Stunde. Die meisten Betriebe stellen außerdem Kost und Logis – auch wenn es nur Baucontainer auf dem Hof oder umgebaute Ställe sind, die als Schlafgelegenheit dienen. Außerdem muss Sozial- und Krankenversicherung gezahlt werden.
Damit die Unterstützung auch tatsächlich die Erträge des Betriebes deutlich steigert, sollten einige Hinweise für die Zusammenarbeit mit den Helfern beachtet werden. Grundsätzlich ist es immer besser, wenn die Gastarbeiter für die nächste Ernte zurück kommen. Dann sind sie bereits eingearbeitet, kennen das Unternehmen und die Anforderungen. Die Zusammenarbeit funktioniert mit deutlich weniger Reibungsverlusten. Doch nur etwa die Hälfte aller Gastarbeiter kommt auch im Folgejahr wieder in den bekannten Betrieb zurück.
Das wichtigste, um die Helfer lange zu halten, ist ein ordentliches, kameradschaftliches Verhältnis mit ihnen zu pflegen. Wenn sie sich als Teil des Betriebes empfinden, die Bezahlung reibungslos funktioniert und der Kontakt mit den Deutschen offen ist, hat der Betrieb schon viel gewonnen.
Diebstähle in Agrarbetrieben
Selbstbedienung im Maschinenpark
Verschwindet eine große Maschine vom Hof, ist mehr als der Kaufpreis verloren. Foto: John Deere
Für die Erntezeit rüsten viele landwirtschaftliche Unternehmen auf. Neue Maschinen werden eingekauft, alte Technik wurde repariert oder erneuert. In den kommenden Monaten sind die teuren Geräte verstärkt im Einsatz. Das ruft immer mehr Diebe auf den Plan – und kann für die Landwirte hohe Verluste bringen.
In vielen Regionen Deutschlands klagen Agrarbetriebe sogar über einen Anstieg der Einbrüche und Maschinendiebstähle in diesem Jahr. Gerade im Grenzgebiet zu Osteuropa stehen sie den Langfingern häufig machtlos gegenüber. „Die, die Maschinen bewegen, sind die kleinen Fische. Die Hintermänner sitzen zu einem großen Teil in Polen. Hier sind hochprofessionelle Banden am Werk“, heißt es von der Polizei. Deshalb würden die meisten Diebe auch bei der Fahrt mit den großen Maschinen unbehelligt bleiben. »Außerdem könnten sie ihre Beute kaum in Deutschland verkaufen.«: http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2473138
2009 entstand alleine den Landwirten in Brandenburg durch Diebstähle ein Gesamtschaden von knapp 1,18 Millionen Euro, berichtet das Landeskriminalamt (LKA). Tendenz steigend – in den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres erreichte der Schaden bereits 602.800 Euro. Nur rund 20 Prozent der Taten konnten aufgeklärt werden. Auch in Bayern gibt es eine hohe Zahl von Diebstählen.
Bei diesen nüchternen Zahlen vergessen viele Beobachter eines: Der Schaden für die Betriebe liegt nicht nur in dem Wert der Technik. Die Landwirte müssen sich auf eigene Kosten schnell Ersatz beschaffen und kommen im schlimmsten Fall bei der Ernte in Verzug.
Damit zumindest eine vorhandene Versicherung für die verschwundenen Maschinen einspringt, müssen die Betriebe den Versicherer rechtzeitig über die Neuanschaffungen informieren. Die Landwirte sollten auch überprüfen, ob gezahlt wird, wenn die Arbeitsgeräte nicht in einem verschlossenen Gebäude standen. Und gerade wenn Maschinen auch im Ausland eingesetzt werden sollen, ist eine Rücksprache dringend nötig.
Um die Schäden für deutsche Betriebe von Beginn an möglichst gering zu halten, gibt es nur wenige Möglichkeiten. Am drängendsten ist es, die Technik besser zu sichern. Landwirte sollten ihre Scheunen mit Alarmanlagen ausstatten und Maschinen mit dem Satelliten-Ortungssystem GPS aufrüsten, rät die Polizei. Zäune sollten erneuert und eventuell eine Beleuchtung installiert werden. Dazu können unter Umständen auch Fördermittel akquiriert werden. Außerdem sei empfehlenswert, die Maschinen mit Wegfahrsperren oder besonderen Identifikationsmerkmalen nachzurüsten. Arbeits- und Baumaterialien sollten ebenfalls in Containern untergebracht werden. Zusätzlich müssten die Schlüssel für Technik und Gebäude im Betrieb konsequent verwaltet werden.
Landschaftspflege und Gourmet-Produkte
Offroader auf vier Beinen – Wasserbüffel als Nutztiere
Büffelzüchter Peter Biel mit einigen seiner Tiere. Foto: privat
Wer sie auf der Weide sieht, hebt die Augenbrauen. Keine gewöhnlichen Rinder stehen da, sondern stämmige und zottige Tiere mit großen Hörnern. Auch nach über zehn Jahren Wasserbüffelhaltung in Deutschland sind die Tiere ein ungewöhnlicher Anblick, wenn nicht gar eine Attraktion. Den Züchtern aber es geht es nicht um den Showeffekt, sie setzen auf die besonderen Eigenschaften des „bubalus bubalis“, der weder mit dem Rind kreuzbar ist, noch etwas mit dem Bison zu tun hat
„Es sind Tiere aus der Urzeit, sie sind robust und haben unverfälschte Gene. Für den Züchter macht sie gerade das interessant. Sie sind keine Kostverächter, fressen neben Gras auch Disteln, Brennesseln und Binsen und fühlen sich in sumpfigen und morastigen Gebieten wohl. Wasserbüffel können damit überall dort eingesetzt werden, wo das gewöhnliche Rind an seine Grenzen stößt“ erläutert Peter Biel. Er ist einer der Züchterpioniere in Deutschland mit seiner Büffelfarm Hatten und ist Präsident des Internationalen Förderverbandes zum Einsatz des Wasserbüffels als Landschaftspfleger in Europa (IFWL).
Etwa 2500 der Tiere gibt es laut Biel in Deutschland, die meisten davon in Bundesländern mit viel natürlicher Weidefläche. Die Statistik weist Sachsen, Brandenburg, Niedersachsen und Baden-Württemberg als deutliche „Büffelschwerpunkte“ in Deutschland aus.
Die Tiere sind nicht nur gutmütig und anspruchslos und können – im Gegensatz zu Bison oder Elch – ohne spezielle Vorschriften gehalten werden. Auch ihre Ausdauer macht sie für eine extensive Beweidung interessant: Ein Tier kann etwa für einen Hektar eingesetzt werden und das ganzjährig. Sind genügend Zusatzflächen vorhanden, kommen die zotteligen Urtiere im Winter sogar ohne Zufütterung mit Heu und Stroh aus.
Für Landwirte sind Wasserbüffel aber nicht nur als Nachweidetiere für den eigenen Nutztierbestand interessant. Wer sie jenseits der eigenen Flächen für die Landschaftspflege einsetzt, kann mit Fördermitteln für den Naturschutz und Erstattung von Pflegemaßnahmen rechnen. So wurden in Rheinland-Pfalz sechs Wasserbüffel auf 16 Hektar mit rund 96.000 Euro vom Land unterstützt, berichtet Peter Biel.
Die Preise für ein Tier hängen übrigens stark von Angebot und Nachfrage ab, da auch viel über den gegenseitigen Austausch mit anderen Züchtern in Europa läuft. Mit rund 2500 bis 3000 Euro sei zu rechnen, so Biel. Das ist mehr Geld als für ein Rind sagt er, aber auf der Haben-Seite für den Büffelzüchter stehen dann auch ungewöhnlichere Produkte wie die Milch – zum Beispiel für den bekannten Büffelmozarella – und das besonders hochwertige Fleisch, das sehr gute Preise erzielt.
Für Selbstvermarkter ist vor allem Kreativität gefragt, sie müssen die Bedingungen im Umland prüfen, etwa Gourmet-Restaurants als direkte Abnehmer. Oder, wie im Oldenburger Land geschehen, die „Büffel-Bratwurst“ als Attraktion.
Fachgespräche im Internet
Als Landwirt im sozialen Netzwerk
Tag für Tag vergrößert sich die Zahl der Nutzer von sozialen Netzwerken. Meist geht es dort um persönliche, informelle Kontakte. Es gibt aber auch spezielle Netzwerke für viele Zielgruppen: Für Schüler oder Senioren, für Geschäftskontakte oder bestimmte Hobbys. Soziale Netzwerke für Landwirte sind hingegen weniger verbreitet. In Deutschland gibt es mit Landlive.de eine solche Plattform und auch in Amerika gibt es ein entsprechendes Angebot. Wir werfen deshalb einen Blick auf die Farmers of the Future und haben mit einem dort aktiven Landwirt gesprochen.
Farmers For The Future will „ein Netz für junge und angehende Landwirte“ sein und als solches bietet es (wie die deutsche Plattform landlive.de) die Möglichkeit, Fotos, Videos hochzuladen, einen eigenen Blog zu führen oder sich an einem Forum zu beteiligen. Über 3000 Nutzer (die große Mehrheit von ihnen kommt aus Nordamerika) und die zahlreichen aktiven Nutzer auf der Webseite beweisen, dass dort ein solches Portals gut funktioniert. Ein Forums-Nutzer schrieb uns, dass für ihn die Webseite zwar nicht unentbehrlich sei, aber sich trotzdem immer wieder als sehr hilfreich erweist. Die Seite bietet die Möglichkeit, direkt einen Rat einzuholen oder Erfahrungen auszutauschen.
Diese Meinung bestätigte in einem Gespräch der junge Landwirt Morgan McNeal, der auf diesem Portal die Möglichkeit hat, „die für ihn wichtigen Fragen zu stellen und von anderen zu lernen“. Morgan und sein Vater haben 135 Rinder (darunter auch die Zucht und Fortpflanzung vom Schlachtvieh) und bewirtschaften etwa 162 ha Land. Dass Morgan im Internet aktiv ist, liegt vielleicht an dem jungen Alter und dem damit verbundenen Interesse an der modernen Technologie. Es zeigt sich nämlich, dass sich die amerikanischen Landwirte nicht viel von deutschen unterscheiden, wenn es um die Internetnutzung und das Alter geht. Morgan sagt: „Viele ältere Landwirte nutzen solche Möglichkeiten nicht, ich bin knapp über 20 Jahre alt und nutze das Internet regelmäßig. Auf diese Weise ist es einfacher, einen Überblick über den Markt zu bekommen, die Informationen über den Anbau, die Düngemittel, das Spritzen zu ergänzen. Das ist ein gutes Mittel, um gesuchte Geräte zu finden und Preise zu vergleichen. Mir scheint, dass es immer mehr zum Teil der Landwirtschaft wird.“
Für Morgan bietet ein solches Netzwerk nicht nur die Möglichkeit, Bekanntschaften zu schließen, Fragen zu stellen, Informationen mit Landwirten der USA und der ganzen Welt auszutauschen. Es bereitet ihm auch viel Vergnügen. „Manchmal kann man nach dem ganzen Tag voller Pflichten dort einfach richtig lachen“, schreibt Morgan.
Im dem amerikanischen Forum, aber auch bei landlive.de, bringt man sehr unterschiedliche Themen zur Sprache. Die Frage nach der besten Tageszeit für das Spritzen wird genauso diskutiert, wie das beste Mittel zum Entfernen von Maisstengel aus dem Feld nach mehrjährigen Anbau oder die Qualität von John Deere Maschinen. Preisentwicklungen werden besprochen und die Einsatzmöglichkeiten von Smartphones in der Landwirtschaft erfragt. Wenn man die Foren länger beobachtet, wird deutlich, dass die Nutzer meist sehr freundlich sind und gerne ihre Erfahrungen austauschen. Vielleicht zeugt das gerade vom Bedürfnis nach einer solchen Integration.
Nutzen Sie solche Netzwerke privat oder in Ihrem Betrieb? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht? Oder finden Sie, dass die Informationen aus Fachzeitschriften und die langjährige Erfahrung besser als jedes Internet-Forum sind?
Landwirtschaft
Schwierige Heuernte bringt höhere Kosten
Es war vor allem der Regen, der den Landwirten im Mai Sorgen bereitet hat. Niedrige Temperaturen und hohe Feuchtigkeit haben den ersten Schnitt für die Heuernte problematisch gemacht. Futterroggen konnte nur mit hohem Maschinenaufwand geborgen werden. Inzwischen scheint die Sonne wieder, die Temperaturen sind auf sommerlichem Niveau und die Heuernte läuft in den Betrieben auf voller Kraft. Trotzdem steht schon fest: 2010 bringt ein deutlich höheres Ertragsrisiko für die deutschen Landwirte in diesem Bereich.
Schon die Vorraussetzungen sind schlechter als in anderen Jahren. Durch die kühle Luft und den kühlen Boden gibt es einen Wachstumsrückstand beim Gras von bis zu zehn Tagen. Die Halme auf den Wiesen wurde außerdem von Regen und Wind geknickt. Sie liegen teilweise direkt auf dem Boden und beginnen deshalb schneller zu faulen. Je länger das Gras außerdem bis zum ersten Schnitt steht, um so schlechter wird die Qualität, weil Eiweiß und Stärke verloren gehen. Und gerade diese Energielieferanten brauchen die Tiere später.
Im Zeitverzug sind die Betriebe schon jetzt. Drei bis vier Schnitte sind bei der Heuernte üblich. Normalerweise hätte der erste schon Mitte Mai stattfinden sollen, in diesem Jahr dauerte es bis Pfingsten oder sogar bis Juni. An den ersten trockenen Tagen Ende Mai wurde zunächst die Grassilage eingebracht, erst seit kurzem läuft die Heuernte. Denn für den ersten Schnitt brauchen die Landwirte mindestens zwei bis drei warme und trockene Tage am Stück.
Weil das Heu jetzt direkt nach der langen Regenzeit geschnitten wird, hat es zudem eine höhere Restfeuchte als üblich. Nun droht bei der Lagerung die Selbstentzündung des Heus. Außerdem steigt die Gefahr der Schimmelbildung. Deshalb muss es zunächst im Freien zwischengelagert werden, bevor es in die Ställe oder Silos gebracht werden kann. Das bringt einen deutlich höheren Aufwand und steigende Kosten für die Betriebe. Jetzt, und auch auf lange Sicht. Denn wenn das eigene Heu nicht reicht, muss später anderes Futter zugekauft werden.
Marketing
Wir überzeugen immer mehr Handelspartner
gruuna-Mitarbeiter Gerrit Fiedler (links) erklärt einem Interessenten den Landwirtschaftsmarkt im Internet.
In unserem Blog haben wir schon mehrfach darüber berichtet, wie gruuna bei Kundenveranstaltungen bekannt gemacht wird. Vor allem Landwirte und Geschäftsführer von Agrarunternehmen haben bei diesen Gelegenheiten mehr über den Landwirtschaftsmarkt im Internet erfahren, aber auch andere Interessenten wie zum Beispiel Maschinenhändler. Damit zum Start im Sommer aber auch Landhändler und Unternehmen der verarbeitenden Industrie auf gruuna ein- und verkaufen, gehen wir seit einigen Wochen auch auf diese Firmen direkt zu.
Seit Ende 2009 haben wir ein Team von Telefonisten aufgebaut, die Firmen, Landhändler und Landwirte über den Start von gruuna informieren. So erfahren wir, welche Betriebe Interesse daran haben, im Internet zu handeln. Seit Ende April besuchen zwei Kollegen diese Firmen in ganz Deutschland. Getreidehändler, große genossenschaftliche Handelsstrukturen und Mühlen standen bis jetzt auf dem Programm.
Dabei ist für uns vor allem eines wichtig: Damit der Handel auf gruuna für alle erfolgreich verläuft, wollen wir schnell viele Käufer für Ihre Erzeugnisse und Produkte auf die Plattform holen. Außerdem soll mit dem Start ein attraktives Angebot an Betriebsmitteln, Maschinen und anderen Gütern vorhanden sein. Je mehr Nutzer gruuna hat, umso mehr Wettbewerb gibt es. Das führt zu einer größeren Produktvielfalt und Markttransparenz. Das sehen nicht nur Landwirte, sondern auch die Händler und Unternehmen der verarbeitenden Industrie so. Sie signalisieren uns, dass Sie den Start von gruuna mit Interesse erwarten.
Landhändler möchten neue Kunden gewinnen, Mühlen über unseren Landwirtschaftsmarkt neue Lieferanten ansprechen. Alle Unternehmen, die wir besucht haben, sind sich einig: gruuna unterscheidet sich deutlich von allen Handelsplattformen, die es bis jetzt im Internet gab. Gerade durch unser landwirtschaftliches Fachwissen zeigen sich die Seite und der Handelsvorgang sehr professionell.
Fragen zu gruuna - Teil 1
Wie kann ich schon vor dem Gebot mehr über den Artikel erfahren?
Harald Herrmann kümmert sich bei gruuna vor allem um die rechtlichen Rahmenbedingungen.
Bei Präsentationen von gruuna für Landwirte und Händler, gibt es viel Lob für das ausgereifte Konzept und die durchdachte Struktur der Seite. Im Anschluss an unsere Vorstellungen wird jedoch auch intensiv diskutiert – am meisten darüber, welche Schwierigkeiten die interessierten Kunden beim Handel über den Landwirtschaftsmarkt im Internet befürchten. Viele Fragen beantworten wir bereits in diesem Bereich unserer Homepage. Einigen Themen die Ihnen wichtig sind und die immer wieder eine Rolle spielen, möchten wir uns hier ausführlicher widmen. Im ersten Teil dieser Serie mit Fragen zu gruuna geht es um rund um das Thema Artikelbeschreibung.
Welche Möglichkeit hat ein Interessent, mehr Details über einen Artikel zu erfahren, als in der Beschreibung angegeben ist?
Sie haben immer die Möglichkeit, mit dem Verkäufer bzw. dem Ausschreibenden Kontakt aufzunehmen. Sie können, wenn Sie sich unsicher sind, über ein Formular direkt bei dem Anderen nachfragen, welche weiteren Eigenschaften der Artikel hat oder ob eine bestimmte Angabe vielleicht ein Schreibfehler ist. Sie erfahren so noch vor einem Gebot, ob Ihre Vorstellungen mit denen des Handelspartners übereinstimmen.
Wie vertrauenswürdig sind die Angaben, die in der Artikelbeschreibung stehen. Überprüft gruuna die Texte?
Nein. Hier gilt, wie bisher bei jedem Handel auch: „Jeder ist für seine Produktbeschreibung verantwortlich!“ Trotzdem tut gruuna etwas Entscheidendes für die Qualitätssicherung: Wir geben für die meisten Handelsartikel, egal ob Getreide, Maschinen oder Tiere, alle wichtigen Eigenschaften vor. Man muss bei der Artikelbeschreibung kaum etwas frei formulieren und wird von gruuna dabei gelenkt, bestimmte Qualitätsparameter anzugeben. Damit werden Tippfehler vermieden und es kann nicht so leicht passieren, das eine wichtige Angabe vergessen wird.
Kann sich ein Käufer denn darauf verlassen, dass er die Ware wie beschrieben bekommt? Oder ist es einfach möglich, dass der Andere sich trotzdem auf einen Tippfehler beruft und den Handel verweigert?
Jeder, der einen Artikel auf gruuna einstellt, muss sich klar darüber sein, dass die Artikelbeschreibung bindend ist. Wenn er eine Eigenschaft definiert – zum Beispiel einen bestimmten Rohproteingehalt – dann muss er auch die entsprechende Ware handeln können. Alles, was in der Artikelbeschreibung steht, ist wie der Bestandteil eines schriftlichen Vertrags zu behandeln – also für beide Seiten bindend.
Wie sieht es aus, wenn die Ware erst einige Monate nach dem Handel auf gruuna auch tatsächlich physisch gehandelt wird. Ist dann die Artikelbeschreibung noch gespeichert, so dass man sich auf sie berufen kann?
Ja. In der persönlichen Rubrik mygruuna sind alle Handelsvorgänge, die eine Person getätigt hat, gespeichert und können nachträglich abgerufen werden.
Haben Sie weitere Fragen zu diesem Thema oder zu gruuna allgemein? Nutzen Sie einfach die Kommentar-Funktion unter diesem Beitrag.
Tag des offenen Hofes
Mehrfachnutzen für Agrarbetriebe
Landwirtschaft findet nicht in Fabrikhallen hinter dicken Mauern statt, sondern in aller Öffentlichkeit. Schwere Maschinen fahren im normalen Straßenverkehr, Tiere brauchen in ihren Ställen frische Luft und die Felder liegen unter freiem Himmel. Vor allem bei größeren Agrarbetriebe gibt es deshalb immer wieder Ärger mit Anwohnern in der Nähe. Nur wer sich mit ihnen austauscht und seine Arbeit erklärt, kann dann für Verständnis werben. Das geht besonders gut bei Veranstaltungen wie dem Tag des offenen Hofes (auch bei Facebook zu finden). Wer es dabei geschickt anstellt, kann nebenbei viel für die Vermarktung der eigenen Produkte und Erzeugnisse tun. Auch wenn so eine Veranstaltung viel Arbeit macht.
Ende Mai fiel der Startschuss für den bundesweiten Tag des offenen Hofes 2010. Bis zum Spätsommer laden über 640 Landwirte und Agrarbetriebe in ganz Deutschland Menschen ein, sich auf den Höfen umzuschauen und sich zu informieren. Für die Gäste steht zumeist ein interessantes Programm zur Verfügungen: Betriebsführungen, Verkaufsstände, Kinderbetreuung. Für die Organisatoren kostet die Veranstaltung Geld und macht viel Arbeit in der Vorbereitung sowie vor allem am Tag des offenen Hofes selbst. Doch das lohnt sich aus mehreren Gründen.
Offensichtlich wirbt man mit einem Tag des offenen Hofs um mehr Verständnis für die Arbeit in der Landwirtschaft. Vor allem größere Betriebe sollten die Chance nutzen und erklären, wieso sich manchmal Lärm oder Geruch nicht vermeiden lässt. Gerade bei Städtern, die sich vom Leben auf dem Lande nur Ruhe und Ungestörtheit versprechen, ist Aufklärung nötig. Am besten, bevor sich die Fronten verhärten oder sogar Gerichte eingeschaltet werden.
Jeder Agrarbetrieb kann die Veranstaltung aber auch nutzen, um die Vorteile der eigenen Erzeugnisse und Produkte zu erklären. Wie viele Tiere leben in einem Stall, wie viel Platz haben sie dort und wieso kann eine „artgerechte“ Haltung anders aussehen, als es sich viele Menschen vorstellen? Wie aufwändig und technisiert ist die moderne Landwirtschaft? Welche fachlichen Vorraussetzung muss ein Mitarbeiter heute bringen? Gerade bei einer Führung durch moderne Melkanlagen oder bei einer Präsentation der großen Landmaschinen wird deutlich, wie spannend, anspruchsvoll und vielseitig die Ausbildung in einem Agrarbetrieb ist. Ein Tag des offenen Hofes kann also auch dazu dienen, Schüler für ein Praktikum oder Interessenten für eine Bewerbung im Betrieb zu überzeugen.
Und ein dritter Punkt ist nicht zu unterschätzen: Wer den Tag des offenen Hofes bei den regionalen Medien bekannt macht, wer Politiker und Verbände einbindet, kann eine Wirkung erzielen, die über die Besucher vor Ort hinausreicht. Wenn in der Zeitung ein Bericht über die Veranstaltung steht, erhalten alle Leser ein gutes Bild von dem Unternehmen.
Außerdem kann man Interviews mit Journalisten und Gespräche mit anderen Besuchern dazu nutzen, um auf die Direktvermarktung, Kooperationen mit regionalen Einzelhändlern oder die eigene Internetseite aufmerksam zu machen. Wenn diese Informationen, zusammen mit dem positiven Eindruck des Betriebs, hängen bleiben, finden sich nach dem aufwändigen Tag vermutlich auch neue Käufer für die eigenen Produkte und Erzeugnisse.
Selbstbedienung vom Erzeuger
Der Automat als Teil des Direktvertriebs
Ein Milchautomat. Foto: Risto GbR
Viele Landwirte denken darüber nach, wie sie den Direktvertrieb ihrer Produkte einfacher und besser können. Egal ob es große Agrargenossenschaften oder kleine Bauern sind: Um sich von den wenigen Großabnehmern unabhängig zu machen und die Preise für Erzeugnisse und Produkte besser mitbestimmen zu können, setzen immer mehr Betriebe auf den Verkauf „ab Hof“. Egal ob in einem Hofladen, in Zusammenarbeit mit lokalen Einzelhändlern oder auf Märkten in der Region. Eine Randerscheinung sind Verkaufsautomaten – warum eigentlich?
Gerade für frische Milch gibt es einige Firmen, die Verkaufsautomaten anbieten. Sie fassen mehrere hundert Liter Rohmilch, sind hygienisch und sorgen für die richtige Temperatur. Für Milch aus diesen Automaten muss keine Molkerei eingeschaltet werden, es ist keine Pasteurisierung nötig. Das ist der Unterschied zu einfachen, gekühlten Automaten, die vor allem in Schulen stehen und Milch in Tetra-Packs verkaufen. Man kann sich als landwirtschaftlicher Betrieb die Einrichtung eines Hofladens und die Einstellung von Verkaufspersonal sparen, und seinen Kunden trotzdem direkt erreichen. Gerade für reine Milchviehbetriebe, die in einem Hofladen sowieso vor allem Produkte anderer Erzeuger anbieten würden, eine interessante Idee. Vor allem, weil sie die Abhängigkeit von ständig schwankenden Ankaufpreisen der Molkereien verringert.
In Frankreich, in der Schweiz und zunehmend auch in Italien und Spanien sind solche Automaten bereits in ländlichen Regionen verbreitet. Egal ob in einem Supermarkt, neben einem Bäcker oder direkt am Hof: Für die Milchbauern stellen sie eine neue Möglichkeit dar, um ohne große laufende Kosten in den Direktvertrieb einzusteigen. In Deutschland gibt es auch einige Landwirte, die mit solchen Automaten arbeiten wollen. Allerdings ist es hier nur erlaubt, Rohmilch direkt am Ort der Erzeugung zu verkaufen. Aus hygienischen Gründen ist ein Transport zu einem Verkaufsautomat an anderer Stelle nicht gestattet.
Doch nicht nur Milchautomaten gewinnen im Ausland immer mehr Vertriebspartner. In Japan gibt es inzwischen erste Gemüseautomaten. Dort kann, mitten in der Hauptstadt Tokio, rund um die Uhr Gemüse aus einem Automaten gezogen werden. In Holland]=177877 wurden in solche Automaten in Schulen aufgestellt und sollen vor allem Kindern und Jugendlichen mehr Lust auf Gemüse machen. Vielleicht ist das auch eine Idee für deutsche Landwirte. Oder sehen Sie doch eher einen Bedarf an Milchautomaten?
MilchSoPrG
Tropfen auf den heißen Stein, oder Helfer in der Not?
Aus den heutigen Medien sind die Probleme der deutschen Milchbauern verschwunden. 2008 und 2009 schafften es die Landwirte noch mit spektakulären Streik- und Blockade-Aktionen kurzfristig bessere Preise von den Molkereien zu erhalten. Obwohl die Lage heute oft sogar schlechter als vor den Protesten ist, fehlt der öffentliche Druck. Dafür hat die Politik eingegriffen und Ende April das Gesetz über ein Sonderprogramm mit Maßnahmen für Milchviehhalter in Kraft gesetzt. Was bedeutet das für die Landwirte? Löst es ihre finanziellen Sorgen?
Kernpunkte des Programms sind eine Kuhprämie in Höhe von 21 Euro pro Tier 2010 und 2011 sowie eine deutsche Grünlandprämie von rund 37 Euro/ha. Zusätzlich gibt es für Milchbauern eine Grünlandprämie in Höhe von rund 20 Euro pro Hektar aus einem EU-Sofortprogramm, das im vergangenen Jahr bereits beschlossen wurde. Das deutsche Gesetz „schaffe die rechtliche Grundlage, um die Liquiditäts- und Einkommenssituation der durch die Marktkrise besonders betroffenen Milcherzeuger insbesondere auf Grünlandstandorten zu verbessern“, heißt es von der Regierung in Berlin. 750 Millionen Euro habe man für die Milchbauern insgesamt bereitgestellt, weil sie zusätzlich mit eine Bundeszuschusses an die Landwirtschaftliche Unfallversicherung (LUV) und einem 50 Millionen Euro schweren Krisenliquiditätsprogramm rechnen können.
Und wie wirkt sich die neue Regelung auf einen Milchviehhalter in Deutschland aus? Ein Betrieb mit 50 Milchkühen, 200 Hektar Betriebsfläche und davon 50 ha Grünland kann mit zusätzlich 1.050 Euro für die Kühe rechnen. Für die Grünlandfläche erhält der Betrieb weitere 2850 Euro. Es stehen ihm also fast 3900 Euro zusätzlich zur Verfügung. Auch andere Internetseiten stellen solche Beispielrechnungen zur Verfügung.
Es gibt allerdings einen Haken, der vor allem größere Betriebe von der zusätzlichen Förderung abschneidet. Für diese Art der Unterstützung, die sogenannten De-minimis-Beihilfen, gilt im im Agrarerzeugnissektor ein Höchstwert von 7.500 Euro in drei Jahren. Sollte der Betrieb also durch andere Förderprogramme bereits solche Gelder erhalten haben und so groß sein, dass er die Grenze mit den neuen Mitteln überschreitet, gibt es keine Förderung mehr.
Unabhängig davon, dass die Politik ihren guten Willen bei der Förderung heimischer Milchbauern gezeigt hat, gibt es von den Begünstigten deshalb deutliche Kritik. DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer sieht in dem Sonderprogramm „ein Placebo“, bezogen auf die Wirkung beim einzelnen Betrieb. Außerdem befürchtet er eine verheerende Folgewirkung: Schon im November 2009 waren die Milchquotenpreise um vier Cent auf 18 Cent/kg gestiegen. Bartmer verglich die Auswirkungen der staatlichen Hilfen mit dem Biogassektor, wo den garantierten Einspeisesätzen im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) preistreibende Wirkung auf die Bodenpreise zugeschrieben wird.
Wie beurteilen Sie das MilchSoPrG? Hilft es den deutschen Milchbauern, oder ist es nur ein Tropfen auf den heißen Stein?
Agrargesellschaft Kandelin
Eigenleistung statt Fremdfirmen
Blick in das Melkhaus der Agrargesellschaft Kandelin. Foto: Jan Berger
Torsten Zahn hält nicht viel davon, andere die Arbeit machen zu lassen. Der Geschäftsführer der Agrargesellschaft Kandelin übernahm den Betrieb nach einem Agraringenieurs-Studium 2003 von seinem Vater und hat seit dem einen gradlinigen Erneuerungskurs eingeschlagen. Ställe wurden modernisiert, neue Technik eingekauft und in Biogasanlagen investiert. Inzwischen ist der Betrieb nicht nur optisch in einem guten Zustand – auch die finanzielle Situation hat sich verbessert. Dabei wurden die meisten Projekte in kürzester Zeit und in Eigenleistung umgesetzt – von Zahn und den Mitarbeitern der Agrargesellschaft. Ein Rückblick auf die vergangenen sieben Jahre.
„2003 hatten wir zum großen Teil veraltete, kleine Technik im Betrieb“, erinnert sich Torsten Zahn. „Es gab in den Jahren davor wenig Investitionen.“ Als erstes nach seinem Einstieg machte er sich an eine Analyse „Was ist da? – Was brauchen wir?“ Dann wurde der Betrieb auf das reduziert, was wirklich notwendig war. Ein Standort wurde geschlossen, unsinnige Immobilien wurden nach Möglichkeit verkauft oder sogar verschenkt. Das große Aufräumen begann.
Ende 2003 und Anfang 2004 baute die Agrargesellschaft einen Sauenstall wieder auf, der 2002 abgebrannt war. „Ich habe immer auf sinnvolle Eigenleistung gesetzt“, erklärt Zahn. „Der neue Stall war dafür die Generalprobe: Klappt es, oder müssen wir Fremdfirmen holen?“ Und es klappte: Die eigenen Männer kümmerten sich nun nicht mehr nur um die Felder und Tiere – sondern rissen ab und bauten auf. Egal ob es sich um ein neues Melkhaus, das Bauen von Ställen, Fahrsilos und ähnliches oder das Anlegen von Außenanlagen handelt. „In der Summe können wir alles“, sagt der 45-Jährige. Nur für die Bauleitung wurden Fachleute hinzugezogen.
Bis heute gab es zahlreiche weitere Bauprojekte und Umstrukturierungen in der Agrargesellschaft. Die Kühe des Betriebs wurden Ende 2005 am Standort Neuendorf zusammengefasst. Das neue Melkhaus wurde mit amerikanischer Melktechnik ausgerüstet. „Man kann auf einem großen Betrieb keine billige Technik haben, die wird auf Dauer zu teuer“, sagt Torsten Zahn dazu. Heute stehen in dem Betrieb auf dem Standort Neuendorf 850 Milchkühe mit einer Durchschnittsleistung von 9700 Kg.
Die Rinderaufzucht und die Bullenmast des Betriebes befinden sich auf dem Standort Kandelin. Der komplette Standort mit den dazugehörigen 5 Ställen wurde 2005 bis 2008 saniert. In der Summe war das ein Kraftakt, der finanziell und zeitlich fast unmöglich war. Und es soll nach Zahns Auskunft so weiter gehen: Ein neuer Kuhstall für 300 Tiere ist geplant, die dritte Biogasanlage ist im Bau, die vierte in Vorbereitung.
Seit 2007 investiert Torsten Zahn in diesen neuen Geschäftsbereich: Biogas. Zwei Biogasanlagen a 500 Kilowatt entstanden in dem Jahr. Mit dem Betriebsergebnis der Biogas-Anlagen ist er sehr zufrieden. »Die sehr hohen Auslastungen sind der Grund dafür«, sagt Torsten Zahn. „Weil wir die Biogasanlagen an unseren verschiedenen Standorten haben, sind die Transportwege für Silage und Gülle kurz.“ Es gäbe zudem nur wenig technische Probleme, weil man sich vor dem Kauf intensiv mit der von den Firmen angebotenen Technik befasst hat. Die Leiter der Anlagen waren aktiv in die Kaufentscheidung einbezogen, bauten ihre Anlagen danach selbst mit auf und nehmen seit dem die Verantwortung für „ihre“ Anlage bewusst wahr. Außerdem können sie bei Problemen oder Fehlermeldungen schnell vor Ort sein: Die Mitarbeiter wohnen höchstens 500 Meter von „ihrer“ Biogsanlage entfernt.
Weitere Informationen über den Betrieb finden Sie unter: http://www.agrarkandelin.de
Vom Wirtssohn zum Bison-Flüsterer
Wie ein Sachse in Kanada seine Liebe zu den Bisons entdeckte
Seit 11 Jahren betreibt Frank Selka in Neukieritzsch bei Leipzig seine Buffalo-Ranch. Angefangen hat er mit 20 importierten Tieren auf 30 Hektar rekultivierter Tagebaufläche. Heute stehen 200 Muttertiere mit ihren Kälbern auf über 200 Hektar Weidefläche. Pro Jahr lässt Frank Selka bis zu 100 Bisons im eigenen Betrieb schlachten und zerlegen. Fleisch und Wurst werden im Hofladen, an die Gastronomie und den Großhandel verkauft. Außerdem vermarktet Selka Lebendtiere, Felle, Schädel und Präparate. Zusammen mit seinem belgischen Partner bringt es auf 600 Muttertiere und ist damit eine Größe im europäischen Bison-Geschäft.
Dabei war Frank Selkas Weg alles andere als geradlinig. Der gebürtige Zwenkauer stammt aus einer Gastwirtsfamilie. Schon der Urgroßvater war Wirt im „Roten Ochsen“ in Stolpen. Doch den jungen Frank zog es schon bald in die Ferne. 1979 konnte er mit seiner ersten Frau „in den Westen“ ausreisen. Obwohl ihn Freunde für verrückt erklärten, gründete der umtriebige Sachse mitten in den pfälzischen Weinbergen sein Restaurant „Sächsischer Hof“. Das lief überraschend gut, weil „ganz in der Nähe in Ludwigshafen viele aus dem Osten arbeiteten, die schon in den 50ern abgehauen waren und es bei BASF zu etwas gebracht hatten“, erinnert sich Selka. Die deftig-sächsische Kost lockte Gäste sogar aus Frankfurt und Bonn an.
Als die Mauer fiel und der Osten nicht mehr so exotisch fern war, packte Frank Selka erneut das Fernweh. Noch weiter gen Westen sollte es gehen. Kanadas Wildnis, weite Prärien und endlose Highways lockten. Am Highway 96, nördlich von Vancouver, wartete damals ein Restaurant und Hotel im Blockhausstil auf neue Betreiber. Die kamen aus Sachsen und wurden schnell heimisch. Der Kontakt zu den Bisons entstand dann von selbst. Gern erinnert sich Frank Selka an seinen alten Freund und Lehrmeister Albert, einen der ersten Weißen, der Bisons in Gefangenschaft halten durfte. Doch das Glück der Selkas in der neuen Heimat dauerte nicht lange. 1999 wurde Frank Selkas Frau von einem der endlos langen „lumber trucks“ (Holztransporter) angefahren und tödlich verletzt. Daraufhin beschließt Selka nach Sachsen zurückzukehren.
Für den dritten Neuanfang hat er eine Idee: Bisons in Sachsen. Ganz in der Nähe seiner alten Heimat kann Frank Selka ein Stück rekultivierten Tagebau kaufen. Auf diesen 30 Hektar in Neukieritzsch begründete Selka mit Bisons aus Kanada, Fanganlagen aus den USA und Drahtzäunen aus England seine Bison-Zucht. Heute heißt das Gelände Buffalo-Ranch und ist das „Besucherzentrum“ mit Hofladen, Schlachterei und Grillhütte. Die Mehrheit seiner Bisons weidet sicher eingezäunt auf abgelegenen Tagebauflächen in der Umgebung. Die Hauptaufgaben des Bison-Züchters beschreibt Frank Selka mit Zuschauen und genau Hinschauen. Täglich müssen die Bestände kontrolliert und beobachtet werden. Genug Arbeit für Selka und einen festen Mitarbeiter. „In der direkten Umgebung geben die Bisons noch 20 Leuten Arbeit“, schätzt
Selka.
Die bis zu einer Tonne schweren Bisons können bis zu 60 Stundenkilometer schnell laufen. Über längere Distanzen bringen sie es immerhin noch auf 50. Die knapp zwei Meter hohen Spezialzäune sind im Notfall kein Hindernis, weiß Selka. Dass ein Bison wirklich den Sprung wagt, ist jedoch selten. Die meiste Zeit verbringen die genügsamen Tiere mit Grasen, Ruhen und Laufen. Selbst im Winter sind sie immer im Freien. Temperaturen bis minus 40 Grad Celsius sind kein Problem. Heu aus eigenem Anbau und Wasser – mehr bekommen Selkas Bisons nicht. Hormone, Antibiotika und Kraftfutter sind tabu. Dementsprechend gesund ist das Fleisch der zotteligen Tiere. Zarter und magerer als Rindfleisch, arm an Cholesterin und Kalorien und mit einem Geschmack zwischen Rindfleisch und Wild, schwärmt Frank Selka. Geschlachtet und zerlegt wird im eigenen Schlachthaus mit EU-Zulassung. Beliefert werden Hobbyköche, Feinschmecker und die Gastronomie. Was nicht als Frischfleisch über die Theke des Hofladens oder in den Versand oder Großhandel geht, wird ganz in der Nähe von der Pegauer Fleisch- und Wurstwaren GmbH für Selka zu Bisonsalami, Wurst und Schinken verarbeitet. Ein Kürschner in Rötha verarbeitet die Felle und die Schädel werden von einem Präparator behandelt. So gibt es kaum ein Teil vom Bison, das nicht verwertet wird. Der Handel mit Lebendtieren bringt Selkas amerikanische Präriebisons aus Sachsen bis nach Litauen, Skandinavien und Österreich.
Wer sich vor Ort informieren möchte, kann an einer Ranch-Besichtigung teilnehmen. Frank Selka veranstaltet für Gruppen ab 20 Personen Führungen über die Buffalo-Ranch. Die sind nur nach Absprache möglich, dafür aber kostenlos. Nur um einen Besuch im Hofladen und einen kleinen Imbiss wird im Anschluss gebeten. Der Hofladen darf selbstverständlich auch ohne Anmeldung besucht werden. Die genauen Öffnungszeiten viele weitere Informationen rund ums Bison(-Fleisch) sind auf seiner Internetseite nachzulesen.
Blogger-Interview
“Die Themen liegen rum und warten nur darauf ins Netz gestellt zu werden”
Michael Wenzl. Foto: privat
Vor einem Monat startete Michael Wenzl die Internetseite AgrarBlogs.net. Dort können sich Blogs vorstellen, die sich mit landwirtschaftlichen Themen beschäftigen. So soll nach und nach ein Verzeichnis der deutschen Agrarblogger-Szene entstehen. Wir haben mit Michael Wenzl über seine Idee und die Seite farmblogger.de gesprochen, für die er schon seit 2006 schreibt. Den Mehrwert des Internets für die Landwirtschaft sieht er besonders bei der schnellen Vernetzung der Bauern und im einfachen Informationsaustausch.
Welche Gründe waren für Sie ausschlaggebend, vor vier Jahren das Projekt Farmblogger zu starten?
Dazu muss man vielleicht einleitend bemerken, dass ich nicht der Initiator war. Die Idee kam damals von Kai Schleyerbach. Ich war einfach nur zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.
Die Idee ein Landwirtschaftsblog zu gründen fand ich persönlich vor allem aus zwei Gründen interessant: Mich interessierte, wie man sich so einem Nischenthema nähern kann und wie sich die Zusammenarbeit zwischen mehreren Autoren gestaltet. Thematisch passt es gut, da ich mich frisch in die praktische Landwirtschaft begeben hatte und einen Fundus an neuen Themen vor mir sah, die sich fürs Blog eigneten. Was allerdings ein Trugschluss war, wie ich später leider feststellen musste.
Vor einem Monat haben Sie AgrarBlogs.net gestartet. Was steckt dahinter für eine Idee?
Zunächst möchte ich so etwas wie das Genre der Agrarblogs etablieren. Dafür halte ich aktuell eine eigene Plattform für die einfachste Möglichkeit. Es gäbe sicher genug Blogverzeichnisse, deren Nachteil ist jedoch die schiere Masse an Blogs, die sich dort bereits tummeln. Nischenblogs gehen da einfach unter.
Die Zielgruppe sind auf den ersten Blick natürlich die Landwirtschaftsblogger, die sich im Netz tummeln – ohne Agrarblogs auch kein AgrarBlogs.net. Das Verzeichnis richtet sich aber auch an diejenigen, die sich mit dem Gedanken tragen, ebenfalls ein Landwirtschaftsblog zu schreiben.
Es gibt im Moment sieben verlinkte AgrarBlogs. Für so eine große Branche scheint mir das sehr wenig. Wieso fehlt es bei vielen Landwirten an der Lust zum Bloggen? Oder fehlt es einfach an der Vernetzung, und viele Blogs schlummern im Internet?
Da schlummern schon noch einige Blogs, die sich mit der Landwirtschaft beschäftigen, ich bezweifle aber, dass sich davon sehr viele selbst als „AgrarBlogs“ bezeichnen würden. Ich persönlich sehe das relativ nüchtern und vergleiche es mit anderen Branchen. Wie viele Einzelhändler, Taxifahrer und Bestatter bloggen denn, bezogen auf den gesamten Berufsstand?
Doch zurück zu den Landwirten. Viele wissen gar nicht, was mit einem Blog alles anzufangen ist und woher sie die Zeit dafür nehmen sollen. In der Massenwahrnehmung sind Blogs entweder ein Instrument eitler Selbstdarstellung oder ein Marketingwerkzeug. Die wenigsten Landwirte vermarkten selbst, somit fällt PR aus und wer will schon wirklich zugeben, Selbstdarstellung zu betreiben?
Blogs können aber mehr. Sie sind ein Werkzeug des persönlichen Wissensmanagements. Können Themenschwerpunkte im Netz zu setzen, die dann von den klassischen Medien in die Breite getragen werden. Das ist nicht so leicht zu vermitteln und verlangt auch einigen Aufwand, dem der typische Tagesablauf eines Landwirts entgegensteht. Eine Erfahrung, die ich wie schon erwähnt selbst gemacht habe. Je höher die
Arbeitsbelastung in der Landwirtschaft war, umso weniger habe ich über Agrarthemen auf farmblogger.de geschrieben. Das kann gerade am Anfang eines Blogs ausgesprochen demotivierend sein.
Können Sie hauptberuflichen Landwirten dazu raten, einen Blog zu starten? Für welche Betriebe kann sich das lohnen – und wo macht es eher wenig Sinn?
Zunächst würde ich es nicht vom Betrieb abhängig machen. Ob und wie es sich für den Betrieb lohnt hängt von vielen Faktoren ab und wirkt sich u.U. erst nach Jahren aus. Auf der Hand liegt sicher, dass Direktvermarkter am ehesten einen Nutzen hätten. Aus meiner Erfahrung heraus würde ich da aber nicht isoliert zu Blogs raten sondern als Teil einer komplexeren Kommunikationsstrategie betrachten.
Für mich sind Blogs sehr persönliche Werkzeuge. Dazu gehört eine gewisse Leidenschaft fürs Schreiben, aber auch eine gehörige Portion Exhibitionismus oder Mut, ganz wie man es nennen möchte. Was ich mir z.B. sehr gut vorstellen könnte, ist ein Landwirt, der sein Blog als Notizbuch verwendet. Es fasziniert mich immer wieder, wenn Bauern ihre alten und abgenutzten Kladden aus der Tasche ziehen, in denen sie
feinsäuberlich das Wetter der letzten Jahrzehnte, alle möglichen Maschineneinstellungen, Dosierungsverhältnisse und was nicht noch alles aufgezeichnet haben. Darin steckt jede Menge Wissen, wovon andere auch profitieren könnten. Leider sind die meisten Blogsysteme so viel schlechter zu bedienen als Notizbücher.
Sie verdienen Ihr Geld nicht hauptberuflich mit der Landwirtschaft. Was hat Sie dazu bewogen, sich so intensiv mit dem Agrarbereich zu beschäftigen?
Zunächst die gleiche Leidenschaft, die ich mit vielen Kindern teile: Traktoren. In meiner Kindheit gab es noch keine agrartechniksammelnden Zahnärzte in den Vororten. Wollte man mal Trekker fahren, musste man auf einem Bauernhof. Irgendwann hatte ich kapiert, dass man dort besonders willkommen ist, wenn man bei der Arbeit hilft. Die Strategie hat sich bis heute bewährt.
Wie finden Sie die Themen für die Farmblogger?
Indem ich sie nicht suche. Im Ernst, die Themen liegen rum und warten nur darauf ins Netz gestellt zu werden. Rein vom Arbeitsablauf her sind es in der Regel Nebenprodukte. Die Artikel sind meist das Ergebnis einer Recherche, die für ein anderes Thema oder Projekt notwendig war.
Außerdem gibt es natürlich ein gut geöltes Netzwerk an Bloggern, deren Themen aufgegriffen werden. Hin und wieder kommen per E-Mail Hinweise auf interessante Dinge. Durch die steigende Popularität von Twitter hat sich das Geschehen etwas verlagert. Themen werden von dort aufgegriffen und als Blogartikel vertieft. Umgekehrt verlagert sich Einiges vom Blog in Richtung Twitter. Gerade kurze Artikel, die im wesentlichen nur eine andere Webseite empfehlen sollten, landen dort. Wichtigstes Werkzeug ist und wird aber wohl auch noch einige Zeit der Feedreader sein.
Wie viel Aufwand haben Sie in der Woche etwa mit den beiden Projekten?
Reserviert sind dafür 4 Stunden in der Woche, die werden aber meist nicht ausgeschöpft.
Sie sind auch auf Twitter und in Sozialen Netzwerken aktiv. Was meinen Sie: Wie kann man in der Landwirtschaft das so genannte Web 2.0 nutzen, um bessere Vertriebsergebnisse zu erzielen?
Eine gute Frage, auf die ich keine konkreten Lösungen parat habe. Zunächst sehe ich nur wenig Vertriebsleistung innerhalb der Landwirtschaft. Es ist ein interessantes Phänomen, dass alle vor- und nachgelagerten Branchen scheinbar professioneller aufgestellt sind, als die Landwirtschaft selbst.
In meinen Augen ist das ein strukturelles Problem, das sich erst langsam wandelt. Wir dürfen nicht vergessen, das Ende der CMA ist gerade mal vor einem Jahr besiegelt worden. Sie hatte bis dato die Strategie im Agrarmarketing bestimmt und dazu gehörte auch ein gewisser Alleinvertretungsanspruch. Welche Möglichkeiten ein einzelner Landwirt hat und wo es vielleicht doch besser ist, sich in Gruppen zu organisieren, muss erst gelernt werden. In dem Prozess sehe ich aber ein großes Potential für Web-2.0-Werkzeuge, da sie die Vernetzung und den Informationsaustausch zwischen den Landwirten vereinfachen können und sie sich vielleicht auch von angestammten und mitunter eingestaubten Strukturen lösen. Das kann allerdings nur dann funktionieren, wenn der ländliche Raum beim Netzausbau endlich berücksichtigt wird. Ohne Bandbreite nutzt das tollste Web 2.0 nichts.
Michael Wenzl, Jahrgang 1969, lebt mit Frau und einem Kind in Schwabmünchen, einer Kleinstadt südlich von Augsburg. Nach dem Informatikstudium hat er zunächst einige Rechenzentren unsicher gemacht und sich dann nach dem Ende der dot.com Blase als IT Berater und Autor selbständig gemacht. 2004 hatte er das Leben in der Stadt entgültig satt und zog aufs Land. Er schreibt für farmblogger.de und hat die Seite agrarblogs.net ins Leben gerufen.
In unserer Interview Reihe haben wir bereits mit dem Imker Marc-Wilhelm Kohfink , dem Winzer Harald Steffens und dem Rhönwirt Jürgen Krenzer gesprochen.
Telefonisten in Heimarbeit
gruuna sucht Verstärkung
Unsere Stellenanzeige.
Um gruuna bei Landwirten, Produzenten und der verarbeitenden Industrie bekannt zu machen, arbeiten bereits zehn Telesales für uns. Sie haben seit Ende 2009 über 50.000 Telefonate geführt und viele Interessenten auf gruuna aufmerksam gemacht. Für die Startvorbereitung des Landwirtschaftsmarkts im Internet und zur Unterstützung unserer Kunden suchen wir jetzt weitere Mitarbeiter.
Als Call-Center-Agent für gruuna arbeiten Sie von zu Hause und in Teilzeit. Sie müssen keine Verkaufsgespräche führen oder Termine vereinbaren. Es geht ausschließlich darum, Firmen aus der Agrarbranche und Landwirte über gruuna zu informieren und ihnen bei der Bedienung des Landwirtschaftsmarktes im Internet zu helfen. Dafür erhalten Sie ein festes Gehalt – und die Möglichkeit, in unserem stark wachsenden Unternehmen von Anfang an dabei zu sein.
Alle Mitarbeiter von gruuna werden regelmäßig zu Schulungen und Workshops in unseren Hauptsitz eingeladen. Dort werden gemeinsam Strategien für die Telefonarbeit entwickelt. Außerdem erhalten alle Telesales ein individuelles Coaching und werden nach ihren individuellen Stärken für unterschiedliche Telefonkampagnen eingesetzt.
Wichtig ist uns, dass Sie sich in der Heimarbeit an vereinbarte Abläufe halten und Ihre Aufgaben zuverlässig erledigen. Sie brauchen eine schnelle Internetverbindung und einen ruhigen Arbeitsplatz in Ihrer Wohnung. Dass Sie keine Angst vor dem Telefon haben und wissen, wie man unterschiedliche Persönlichkeiten anspricht, setzen wir voraus. Wenn Sie sich mit landwirtschaftlichen Themen auskennen und bereits Erfahrung als Call-Center-Agent haben, ist es ein deutliches Plus für Ihre Bewerbung.
Haben wir Ihr Interesse geweckt? Dann schreiben Sie uns über das Kontaktformular oder melden sich direkt bei Katrin Hübsch.
EU-Richtlinie
Neues Logo für Bioprodukte
Das Bio-Siegel der EU. Foto: Europäische Union
Die Erzeuger in Europa kennen es schon, den Konsumenten wird es ab Juli in Bewusstsein drängen: Das neue EU-Logo für Bioprodukte. Am 8. Februar 2010 wurde es nach einer Internet-Abstimmung präsentiert, ab dem 1. Juli wird es eine obligatorische Kennzeichnung für alle verpackten Bio-Produkte, die innerhalb der Europäischen Union hergestellt wurden. Eingeführte Produkte können sich freiwillig mit dem Siegel auszeichnen lassen. Es ist neben dem neuen, freiwilligen »Ohne Gentechnik«-Siegel das einzige staatliche Qualitätssiegel für Lebensmittel.
Das neue Symbol stellt eine Verbindung von den EU-Sternen zum harmonischen Umriss eines Blattes dar. Als Verbraucher soll man es sofort mit der Natur, mit ökologischen und frischen Lebensmitteln assozieren. Ob das klappt, ist umstritten.
Das bisherige Logo gibt es seit dem Jahr 2000. Seine Verwendung zur Kennzeichnung von Produkten war jedoch freiwillig. Ab Juli wird die EU-Kennzeichnung zur Pflicht. Damit könnte sich für viele Verbraucher im Dickicht der vielen Bio-Siegel eine verlässliche Größe etablieren. Andere Logos – wie das Deutsche Bio-Siegel, bleiben jedoch weiterhin erhalten. Was bedeutet das europaweite Logo damit konkret für Erzeuger und Konsumenten in der EU?
Das bisherige EU-Bio-Logo. Foto: Europäische Union
Was gewinnt der Produzent?
Das neue Logo ist in Verbindung mit dem Bio-Boom eine Chance auf Stärkung einer Marke am Lebensmittelmarkt. Um das Zertifikat zu bekommen, muss man zwar die Vorschriften befolgen, die in der EG-Verordnung festgelegt sind. Außerdem steht allen Produzenten ein Übergangszeitraum von mindestens zwei Jahren bevor, in der das Logo eingeführt und etabliert werden muss. Die Betriebe, die an den Erfolg und die Rentabilität der ökologischen Produktion glauben, dürften das jedoch nicht fürchten. Vor allem die Produzenten. die diese Kriterien schon längst erfüllen, können von dem europaweiten Logo nur profitieren. Auch für Großbetriebe könnte sich mit dem steigenden Absatzmarkt ein lohnendes Geschäftsfeld im Bio-Segment erschließen.
Was gewinnt der Verbraucher?
Das neue Logo soll es einfacher machen, überall in der EU Produkte zu erkennen, die nach den Bio-Richtlinien der Europäischen Union erzeugt wurden. Die Regeln sind etwas schwäche als die von Bio-Verbänden wie Naturland. In Ausnahmefällen dürfen chemisch-synthetische Spritzmittel eingesetzt werden. Auch Zusatzstoffe, die mit Hilfe gentechnisch veränderter Organismen hergestellt wurden, dürfen verwendet werden, wenn die Stoffe anders nicht verfügbar sind. Auch wenn die EU-Regeln damit ihre Einschränkungen haben, sollen sie Verbrauchen die Sicherheit geben, dass mindestens 95 % eines Produktes aus ökologisch produzierten Zutaten stammen. Egal, in welchem Land der Union man es gerade kauft. Dies soll das Vertrauen der Verbraucher steigern. Schon vor der Einführung des Logos warnt die EU vor unangekündigten Inspektionen und strengeren Kontrollen der ökologischen Produktion. EU-Behörden betonen immer wieder die große Bedeutung des Logos für den Verbraucherschutz. Die Wahrscheinlichkeit, dass das von mit dem neuen Logo gekennzeichnete Produkt die verlangten Kriterien nicht erfüllt, sei sehr gering. Ob die Produktionsbedingungen allerdings die weiten Transportwege der Bio-Ware quer durch die EU rechtfertigen, muss weiterhin jeder Käufer für sich entscheiden. Über die Gesamt-Ökobilanz des Produktes sagt das Logo nichts aus.
Was sagen Sie als Produzent: Ist das Bio-Logo eine sinnvolle Initiative? Oder ist der Bio-Boom nur eine vorübergehende Mode, in die es nicht lohnt, zu investieren?
Die Erzeugergemeinschaft „landaktiv an Ruhr und Lippe“
Auf dem Land aktiv
Geht es nach Heinz-Wilhelm Büscher, ist die Erzeugergemeinschaft„landaktiv“ der „bisher erfolgreichste Versuch“ im Zweistromland zwischen Ruhr und Lippe ein landwirtschaftliches Regionalmarketing aufzubauen. Im Gespräch mit gruuna erklärt der Kreisgeschäftsführer Ruhr-Lippe im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband e. V. wie „landaktiv an Ruhr und Lippe“ die Region stärken will.
Unter dem Siegel „landaktiv an Ruhr und Lippe“ werden seit 2007 ausschließlich Produkte und Angebote aus dem Raum Dortmund, Unna und Hamm vermarktet. Verbraucher kaufen Produkte aus der Region und unterstützen so die Landwirtschaft des direkten Umlandes. So können regionale Strukturen gestärkt und der Abfluss von Konsumkraft eingedämmt werden. Die Produkte nehmen einen möglichst direkten Weg vom Erzeuger zum Verbraucher und erfüllen strenge Gütekriterien.
Neben den Einzelhandelskriterien wie „QS“ oder „QS-GAP“ achtet der Vergabeausschuss der Erzeugergemeinschaft auf die Einhaltung der Tierschutzbestimmungen und den Verzicht von Gentechnik. Alle Träger des Siegels „landaktiv an Ruhr und Lippe“ werden vor und nach der Vergabe regelmäßig kontrolliert, verspricht Kreisgeschäftsführer Büscher. Neben Qualität und Nachhaltigkeit haben sich die Landwirte von „landaktiv“ auch einer Natur- und umweltverträgliche Wirtschaftsweise und der Unterstützung sozialer Strukturen verschrieben. Eine hohe Qualität der Arbeitsplätze und eine langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit gehören zu den festgeschriebenen Zielen der Erzeugergemeinschaft.
Zurzeit produzieren zwölf Unternehmen unter dem Siegel „landaktiv von Ruhr und Lippe“. Sie versorgen die Region mit knapp 20 verschiedenen Marktfrüchten wie Spargel, Erdbeeren, Kartoffeln sowie diversen Kohl- und Salatsorten. Beliefert werden Verkaufsstellen des Lebensmitteleinzelhandels, die lokale Gastronomie und Hofmärkte. Durch die Kooperation mit dem Großhändler Manss Fruchtimport in Hamm können „landaktiv“-Produkte seit Kurzem auch von Großverbrauchern bestellt werden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten sind die „landaktiv“-Produkte nun in die Abläufe beim Großhändler integriert. Ein Mitarbeiter der Firma Manss ist Ansprechpartner für regionale Produkte.
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Das Frische-Angebot wird durch ein sogenanntes „Regional-Regal“ ergänzt. Die Palette der angebotenen Produkte reicht von Apfel-Korn und -Saft über Brot und Gebäck bis zu Rübenkraut, Senf und Wurst. Mit diesem Dauersortiment, das nicht gekühlt werden muss, bleiben die „landaktiv“-Produkte auch außerhalb der Saison im Laden präsent. Das „Regional-Regal“ ist an Aktionstagen auch Treffpunkt für Verbraucher und Erzeuger. Zum Beginn der Saison für Spargel, Erdbeeren und Tomaten ist immer auch ein „Produzent zum Anfassen“ vor Ort, berichtet Heinz-Wilhelm Büscher.
Landwirte, die bei „landaktiv“ mitmachen wollen, müssen neben einer „Eintrittsgebühr“ in Höhe von 1000 Euro 2,5 Prozent des mit „Landaktiv“-Produkten erzielten Umsatzes an die Erzeugergemeinschaft abführen. Der Großhändler Manss versucht diese Kosten je nach Marktlage durch einen Aufschlag von bis zu 5 Prozent an den Einzelhandel und damit an die Verbraucher weiterzugeben. Dieser Aufschlag geht dann zurück an die Erzeuger, erklärt Büscher das Geschäftsmodell.
Hervorgegangen ist die Regionalmarke „landaktiv an Ruhr und Lippe“ übrigens aus dem Landfrauen-Service „landaktiv“. Seit 1999 haben sich dort aktive Landfrauen zusammengefunden, um landwirtschaftliche Produkte und kreative Service-Angebote als zweites Standbein zu vermarkten. Damit hatte der Name „landaktiv“ in der Region bereits einen guten Klang, berichtet die landaktiv-Vorsitzende Jutta Sucker. Dementsprechend positiv wurde auch die Einführung der Regionalmarke aufgenommen von den Verbrauchern aufgenommen. „Aha, Landaktiv macht jetzt auch Möhren“, beschreibt Jutta Sucker ein typische Reaktion auf die neue Marke.
Internet
XING-Gruppe Agrarmarketing hat über 1000 Mitglieder
So sieht unsere Diskussionsgruppe Agrarmarketing aus. Foto: xing
Im Februar konnten wir vermelden, dass die von gruuna unterstützte Diskussionsgruppe zum Thema „Agrarmarketing“ auf der Internetplattform XING 500 Mitglieder hat. Diese Zahl hat sich inzwischen verdoppelt: Am Wochenende konnten wir den 1000. Teilnehmer begrüßen.
Auf der Internetseite XING registrieren sich Menschen auf verschiedensten Branchen mit ihren beruflichen Angaben und Kontaktdaten. Sich mit anderen Mitgliedern zu vernetzen, Erfahrungen auszutauschen und damit auch im Beruf weiterzukommen sind die Grundfunktionen der Plattform. Über 1000 Mitglieder, die aus den Bereichen Landwirtschaft, Marketing und Ökonomie kommen, haben sich für einen Diskussionsbereich zum Thema „Agrarmarketing“ angemeldet.
gruuna unterstützt schon seit 2009 die Diskussionsgruppe. Thematisch gibt es eine enge Verbindung: In der Gruppe wird vor allem über die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte sowie die Verbindung von Internet und Agrarindustrie gesprochen. Mitarbeiter von gruuna schalten sich regelmäßig als Moderatoren in die Debatten ein.
Auch Sie können sich beteiligen, Fragen stellen oder mit den anderen Mitgliedern diskutieren. Die Anmeldung bei Xing ist kostenlos – die Teilnahme an unserer Gruppe selbstverständlich auch.
Agrargenossenschaft Langenchursdorf
Düngen mit Satellitenhilfe
Ein Traktor mit N-Sensor in Langenchursdorf. Foto: Agrargenossenschaft Langenchursdorf
Navigationssysteme die mit GPS arbeiten sind ein alter Hut. Auch viele Landwirte haben GPS-Empfänger in ihren Maschinen. Nutzen die Daten für die Vermessung, zur Streckenkontrolle – oder als Hilfe bei der Düngung. In einem Landwirtschaftsbetrieb in Sachsen fragte gruuna nach, wie dort mit technischer Hilfe effizienter gedüngt wird.
Den Einstieg in die GPS-Unterstützung für die Landwirtschaft machte die Agrargenossenschaft Langenchursdorf 1998. Als einziger Landwirtschaftsbetrieb aus Sachsen nahm man an einem Demonstrationsprojekt teil. „Zu der Zeit war alles weit weg von der Praxis“, blickt der Vorsitzende Rainer Stauch auf die sechs Jahre des Projekts zurück. „Es ging dabei um den Einsatz der Satellitennavigation bei der Ertragskartierung und der Düngung.“ Dabei wurden riesige Datenmengen erhoben, die nur mit hohem Technikaufwand, nach langer Zeit und mit wissenschaftlicher Betreuung innerhalb des Demonstrationsprojektes ausgewertet werden konnten. Direkt nutzbar für den Betrieb war das deshalb nach Abschluss des Projektes nicht. Trotzdem setzt Stauch auch heute noch auf das Satellitensystem GPS in der Genossenschaft: Zur Hilfe bei der Düngung. Nach Abschluss des Forschungsprojektes betrieb der Betrieb die teure Technik weiter. Nur geschieht dies heute nicht nur nach wissenschaftlichen, sondern nach den wirtschaftlichen Anforderungen.
„Bei der Stickstoffdüngung setzen wir auf eine satellitengestützte, automatische Lenkung im Grünlandbereich.“ Auf dem Feld, erklärt der Vorstand im Gespräch mit gruuna, komme eine andere Philosophie zum tragen. „Wir haben die notwendige Rechenleistung im Vergleich zu dem Forschungsprojekt verringert, setzen auf eine größere Rasterung.“ Statt einer Datenerfassung über eine Grundbodenuntersuchung aller ein oder drei Hektar und der darauf basierenden Düngung, wird komplett nach Ernteentzug gedüngt. „Diese Daten sind von der Erfassung und von der Genauigkeit über den Mähdrescher wesentlich belastbarer.“
„Wir wollen die Nährstoffmenge, die dem Boden entzogen wurde, beim Düngen wieder zuführen“, beschreibt Reiner Stauch die Vorgehensweise in der Agrargenossenschaft. Aus dem Pflanzenwuchs des Vorjahres wird also der Nährstoffverlust für jedes der Felder berechnet und anschließend gezielt die notwendige Menge an Nährstoff, ausgerichtet auf Phosphor ausgebracht. „Die Auswertung der Ertragskarten haben wir sechs bis acht Wochen nach der Ernte“, sagt Stauch. Seit vier Jahren setzt er auf das Verfahren. Bei der standardisierten Rasterung von Bodenproben, wie sie im Forschungsprojekt genutzt wurde, dauere es deutlich länger. Außerdem waren bei dieser Datenerfassung und Datenmenge die Kosten um ein vielfaches höher. „Wir erhalten dadurch heute unsere durchschnittlich gute Versorgungsstufe auf unseren Äckern“ sagt Rainer Stauch.
Obwohl der technische Aufwand nun geringer ist, werden die Mitarbeiter in Langenchursdorf alle zwölf Monate geschult. „Es gibt jährlich neue Hard- und Software“, sagt Rainer Stauch. „Am Anfang waren vier Computer auf dem Schlepper montiert, heute sind es zwei. Es gibt trotzdem eine Checkliste wie in einem Jumbo.“ Und der Vorstand ist überzeugt: „Auf diesem Niveau macht die Anschaffung derartiger Technik Sinn.“
Neben der Phosphorausbringung per Chip-Karte wird bei der Agrargenossenschaft auch die Stickstoffdüngung technisch geregelt. Ein N-Sensor nimmt die Reflektionen der Pflanzen auf. Wo es heller ist, fehlt Stickstoff – und der Sensor entscheidet automatisch, wie viel gedüngt werden muss. „Damit wird der Dünger den wir eingekauft haben optimal verteilt“, erklärt Stauch.
Drei bis vier mal wird mit Hilfe des Sensors gedüngt, am Ende soll der Stickstoffgehalt in allen Feldern homogenisiert sein.
Für Rainer Stauch ist klar, dass die technische Unterstützung seinem Betrieb hilft, Geld zu sparen. Für welche anderen Landwirte empfiehlt er eine solche Aufrüstung? „Der Boden muss inhomogen sein, dann lohnt sich das ab einer gewissen Betriebsgröße.“ Hier müsse jeder Betriebsleiter seine eigenen Berechnungen anstellen oder sich auf die Aussagen der Hersteller verlassen. Außerdem müsse man erkennen, dass das Einkommen nicht nur auf dem Feld wächst, sondern auch am Schreibtisch ein nicht unwesentlicher Beitrag dafür geleistet werden kann, sagt Stauch.
Regionalmarketing am Kaiserstuhl
Kaiserlich genießen
Einige Produkte, die unter dem Slogan Kaiserlich genießen vermarktet werden. Foto: PR
Der Kaiserstuhl ist eine vulkanische Insel im warmen, sonnenverwöhnten Klima des Oberrheingrabens nordwestlich von Freiburg im Breisgau. Auf fruchtbaren Lößböden und Vulkangestein erstrecken sich entlang der sonnenverwöhnten Hänge weitläufige Wein- und Obstplantagen, Streuobstwiesen und naturnahe Mischwälder. Der Name Kaiserstuhl wurde bereits im 12. Jahrhundert urkundlich erwähnt und rührt von den Gerichtstagen her, die hier damals abgehalten wurden. Über die Jahrhunderte entstand hier eine Kulturlandschaft, die von den für den Kaiserstuhl typischen Weinbergen, von Lößwänden, Lößböschungen und Hohlwegen, von Obstbäumen, repräsentativen Waldbeständen, Steinbrüchen und anderen Zeugnissen des Kaiserstuhl-Vulkanismus geprägt ist.
Den Kaiserstuhl als Kulturlandschaft zu erhalten, ist Ziel des PLENUM-Programms. Die Abkürzung PLENUM steht für „Projekt des Landes Baden-Württemberg zur Erhaltung und Entwicklung von Natur und Umwelt“. Im Mittelpunkt des Programms steht der Naturschutz „von unten“ durch den Erhalt von Kulturlandschaften durch Nutzung, erklärt Andrea Löwl. Sie ist bei PLENUM und der Naturgarten Kaiserstuhl GmbH für das Veranstaltungsmanagement und die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Im Naturgarten Kaiserstuhl werden dazu Projekte in den Bereichen naturschonende Land- und Forstwirtschaft, regionale Vermarktung sowie in den Bereichen naturnaher Tourismus und Umweltbildung gefördert.
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Nun ist der Kaiserstuhl seit jeher eine Region, in der man vortrefflich genießen kann. Und obwohl Spitzengewächse von Weltruf (Stichwort preisgekrönte Spät- und Grauburgunder) die Region prägen, hat der Kaiserstuhl für Genussmenschen mehr zu bieten als „nur“ Wein. Der Vermarktung dieser Genüsse vom Kaiserstuhl hat sich die Naturgarten Kaiserstuhl GmbH verschrieben. Seit September 2006 treibt sie das Regionalmarketing voran. Gesellschafter sind der Landkreis, 13 Kommunen vom Kaiserstuhl und dem benachbarten Tuniberg sowie Partner aus Weinwirtschaft, Gastronomie, Tourismus und Landwirtschaft der Region. Insgesamt stehen rund 200 Gesellschafter, Genossenschaftsmitglieder und Einzelunternehmen hinter der Regionalmarke. Unter der Marke „Kaiserlich genießen“ vermarkten sie neben Weinen auch Edelbrände und Liköre, Honig, Backwaren, Öl, Essig, Senf und sogar Seifen.
Alle Nutzer der Marke müssen sich verpflichten, nur frische und qualitativ hochwertige Waren mit dem Siegel zu versehen. Im Weinbau müssen mindestens die Q.b.A.-Kriterien, in der Landwirtschaft die Kriterien des Qualitätszeichens Baden-Württemberg „Gesicherte Qualität mit Herkunftsangabe“ (QZ BW) erfüllt werden. Darüber hinaus dürfen keine gentechnisch veränderten Organismen und keine Klärschlämme verwendet werden.
Die Kosten für die Nutzung der Regionalmarke werden in einem individuellen Vertrag geregelt und setzen sich aus einer Jahresgebühr und einer mengenspezifischen Abgabe zusammen. So zahlen Imker beispielsweise 40 Euro Jahresgebühr und 40 Cent pro Kilo verkauften Honigs. Hinzu kommen die Kosten für die für die QZ-BW-Zertifizierung, die Voraussetzung für die Siegelnutzung ist. Dank dieser Einnahmen kann sich die Regionalmarke zusammen mit dem Tourismusverband auf Messen in Baden-Württemberg und in den angrenzenden Regionen präsentieren. „Kaiserlich genießen“ ist auch auf Weinmessen mit Informationsmaterial präsent, arbeitet mit den lokalen Märkten zusammen und veranstaltet mit den Kaiserstuhltagen ein eigenes Genießer-Festival. Diese Engagement, versichert Andrea Löwl, ist ein Grund für die steigende Zahl der Markennutzer am Kaiserstuhl. Die wachsende regionale Bekanntheit der Marke konnte schließlich auch mehr Winzer überzeugen, ihren Wein mit dem „kaiserlichen“ Siegel zu schmücken.
Agraset e.G.
Viele Beine für einen Schemel
Eines der zahlreichen Agraset-Gebäude. Foto: Agraset
Die sächsische Agrargenossenschaft Agraset entstand 1991 aus sechs LPGen. Bis heute blieben die Schwerpunkte dieser Produktionsgenossenschaften in dem Betrieb erhalten. Zusätzlich wurden in Naundorf zahlreiche neue Standbeine entwickelt. In den vergangenen zwanzig Jahren entstand so eine kleine Unternehmensfamilie. In Zukunft sollen nun in der Werkstatt der Genossenschaft auch technische Dienstleistungen für Menschen und Firmen aus der Region angeboten werden.
Schon wenige Jahre nach Gründung der großen Agrargenossenschaft wurde damit begonnen, bestimmte Betriebsteile auszugliedern. „1994 haben wir mit der Agraset Lager-, Verarbeitungs- und Handelsgesellschaft die erste Tochtergesellschaft gegründet“, sagt Jan Gumpert, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft. Damit sollte eine höhere Professionalisierung erreicht werden: Die Agrargenossenschaft kümmerte sich um den Anbau von Getreide und Kartoffeln, die Tochterfirma organisierte die Lagerung, Aufbereitung und den Verkauf. Ein anderer Betriebsteil wurde 1995 ausgegliedert, es entstand die Mutterkuh GmbH „Laut EU-Recht darf die selbe Firma nicht Milchquote und Mutterkühe haben“, erklärt der Vorstandsvorsitzende den Schritt.
Zusammen mit der auf den Vertrieb von Kartoffeln spezialisierten Friweika e.G. wurde 2000 ein weiteres Tochterunternehmen gegründet. „Die Agraset baut die Kartoffeln an, lagert sie und bereitet sie auf. Die gemeinsame Firma schält diese Kartoffeln und die Friweika verkauft sie.“
Der jüngste Spross in der Unternehmensfamilie um die Agrargenossenschaft ist die Agraset Service GmbH. „Sie macht den gesamten Servicebereich für uns und bietet Dienstleistungen für dritte an“, sagt Jan Gumpert. Dazu gehört die Reparatur von Traktoren und die Instandhaltung von landwirtschaftlichen Geräten anderer Landwirte. Auch die TÜV-Abnahme bietet die Firma an.
Für den Vorstandsvorsitzenden ist die Ausgliederung verschiedener Unternehmensteile in Tochterfirmen ein lohnender Weg. „Dieses breite Aufstellen ist im Grunde genommen immer richtig“, sagt Gumpert zu gruuna. „Beim Schemel müssen es ja auch mindestens drei Beine sein, sonst fällt er um. Vier, fünf oder sechs verbessern die Situation.“ Innerhalb der einzelnen Firmen setzt die Naundorfer Genossenschaft auf Spezialisten. „Wir haben immer eine Größenordnung angestrebt, dass wir uns solche Spezialisten leisten können, die wiederum mit ihrem Können hohe Naturalleistungen in ihren jeweiligen Gebieten erzielen.“ 135 Mitarbeiter hat die Agraset insgesamt.
In den vergangenen Jahren habe die Orientierung auf verschiedene Schwerpunkte immer auch Schwankungen auf den Märkten ausgeglichen. „Da ist die breite Aufstellung regelrecht ein Segen.“ Nur in einem Bereich fährt die Agraset ihr Engagement wieder zurück: Bei der Ziegenproduktion. „Das ist keine dauerhaft umsetzbare Idee gewesen, weil die Vermarktung sehr mangelhaft ist“, gibt Jan Gumpert zu. Für die Direktvermarktung der Ziegenmilch sei man einfach zu groß. „In diese Nische können wir nicht reinspringen.“
Landwirtschaft im Grenzbereich zu Brandenburg
Rentiere und Dammhirsche aus Polen
Bartosz Woźniak
Das Wort „Zuchtbauernhof” erinnert die meisten an einen traditionellen Betrieb, der auf Rinder- oder Schweinezucht basiert. Es gibt jedoch vermehrt Höfe, die eine Nischenstrategie anwenden und sich auf die Zucht von exotischeren Tieren konzentrierten, wie etwa Bisons, Alpakas, Schwein-Wildschwein-Kreuzungen oder Rentiere. Nicht nur in Deutschland.
In Polen setzt ein Hof in Czelin auf die Zucht von Dammhirschen und Rentieren. Gruuna sprach mit dem Landwirt Bartosz Woźniak über sein Geschäftsmodell, die Nutzung des Internets und was die Europäische Union für ihn bedeutet.
Bartosz, wie lange gibt es deinen Bauernhof schon?
So wie er jetzt ist, gibt es den Hof seit vier Jahren. Davor züchtete mein Vater ein paar Jahre lang Damhirsche. Wir haben also zusammen schon über zehn Jahre Erfahrung.
_Welche Faktoren waren für dich ausschlaggebend, als du dich für die Nischenzucht entschieden hast? _
Entscheidend war vor allem die Tatsache, dass die traditionelle Zucht meistens wenig rentabel ist und den Konjunkturschwankungen unterliegt. Es gibt bessere und schlechtere Jahre und der Arbeitsaufwand ist unvergleichbar größer als bei der Zucht von unseren Tieren.
Bei unserer Zucht ist vor allem das Wissen und die Erfahrung wichtig. Sie ist jedoch von der körperlichen Arbeit her nicht so arbeitsaufwändig. Außerdem tun wir das aus Lust und Liebe, wir mögen diese Tiere. Dieses Zucht-Profil entspricht uns persönlich.
Ist es kompliziert, so eine exotische Landwirtschaft zu führen?
Das hängt von den Tieren ab. Die Damhirsche oder Mufflons sind nicht anspruchsvoll, wenn es um die Nahrung geht. Es reicht Heu oder Grünfutter, dazu ein bisschen Kraftfutter. Bei den Rentieren braucht man jedoch schon spezielle Futtermittel, die man aus Skandinavien bezieht, weil ihre Komponenten nur in diesem Region und bei diesem Klima auftreten. Diese Futtermittel regulieren die richtigen Lebensprozesse bei diesen Tieren.
Was bedeutet Polens Mitgliedschaft in der Europäischen Union für dich?
Wir erhalten regelmäßig die Direktzahlungen und die Zahlungen für Agrarumweltmaßnehmen. Das bedeutet für uns jedes Jahr eine große Geldspritze. Bei den heutigen Verkaufspreisen für die landwirtschaftlichen Erzeugnisse oder Tiere könnte man ohne diese Zahlungen kaum über Rentabilität sprechen. Für einzelne Projekte haben wir noch keine Zahlungen beantragt, weil es in der Anfangsphase schwer war, unsere Bedürfnisse präzise zu bestimmen. Wir wollten zuerst sehen, in welcher Richtung sich unser Betrieb entwickelt. In diesem Jahr wollen wir nun sowohl von den Modernisierungsfonds Gebrauch machen, als auch von dem Programm, das die Differenzierung der nichtlandwirtschaftlichen Tätigkeit betrifft. Wir wollen die touristische Infrastruktur aufbauen und uns auch in Richtung Agrotourismus entwickeln, weil hier ein sehr großes Potential unseres Bauernhofs liegt.
Hilft dir das Internet, den Bauernhof zu führen?
Ich kann mir nicht vorstellen, wie ich den Bauernhof ohne Internet führen sollte. Meine Tätigkeit betrachte ich nicht als typische Landwirtschaft, sondern als die Geschäftsführung einer Firma, eines landwirtschaftlichen Betriebes. Und bei der Leitung eines modernen Unternehmens braucht man das Internet, sowohl bei der Kommunikation mit den potentiellen Kunden, als auch für die eigene Webseite. Wir führen einen Blog, wo wir die für uns wichtigen Ereignisse beschreiben und anderen Züchtern Tipps geben. Auf diese Art und Weise knüpften wir 90% unserer Kontakte für den Verkauf und andere Geschäftsfelder.
_Nutzt du nur den polnischen oder auch den ausländischen Markt? _
Unser Bauernhof liegt Nahe der deutsch-polnischen Grenze, was wir dank der Europäischen Union und des freien Verkehrs von Waren und Menschen nutzen. Wir haben viele Handelspartner aus Deutschland. Dabei helfen uns sehr gute Sprachkenntnisse, was bei einer solchen Zusammenarbeit sehr wichtig ist. Vielleicht erweitert sie sich auch auf andere Länder – neulich stellte uns zum Beispiel ein Interessent aus Litauen online eine Frage. Vor allem die Tatsache, dass es keine Zollabfertigungen und Zollgrenzen mehr gibt und dass die tierärztliche Dokumentation sehr vereinfacht ist, erleichtert die internationale Zusammenarbeit, die wir gern nutzen.
Droht Züchtern wie dir, die die Nischenstrategie anwenden wollen, große Konkurrenz?
Alles hängt von der Branche ab. Zurzeit herrscht in Polen schon große Konkurrenz bei der Zucht von Damhirschen. Jemand, der sich nur auf eine Monokultur und eine Zucht einstellt, kann es in Zukunft schwer haben. Wir entschieden uns für die Differenzierung – die Zucht von Damhirschen bildet nur einen Teil unserer Tätigkeit. Dadurch wollen wir uns vor der Konkurrenz in dieser Branche schützen. Es ist sehr wichtig, sein eigenes Modell zu finden, um in etwas sehr gut zu sein und seine Marke, seine einzigartigen Kompetenzen, zu entwickeln. Es gibt viele monokulturelle Bauernhöfe. Sie unterscheiden sich nicht voneinander. Besser sind die Zuchten für verschiedene Tierarten, die Investitionen in Tourismus und Dienstleistungen (z.B. die Vermietung von Tieren für Feste). Wir bemühen uns, etwas Einzigartiges um die Nische herum zu bauen, damit es nicht so einfach ist, unseren Bauernhof zu imitieren und Konkurrenz zu schaffen.
Was meinen Sie? Lohnt es sich, mit exotischen Tieren seine eigene Nische auf dem Markt zu finden? Oder ist es besser, beim traditionellen Modell der Zucht zu bleiben? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!
Regionalwert
Rendite mit der Landwirtschaft?
Über eine interessante Mischung aus Wirtschaft, Nachhaltigkeit und Zukunftsorientierung sind wir heute in der Nähe von Freiberg gestoßen. Dort gründete der Landwirt Christian Hiß vor vier Jahren die Regionalwert AG . Mit dem Kapital der Aktiengesellschaft kauft er landwirtschaftliche Betriebe auf, denen ein familieneigener Nachfolger fehlt, und verpachtet sie an qualifizierte Öko-Bauern. Mit diesem Konzept überzeugt er zahlreiche Investoren.
Über die Idee von Hiß haben schon einige Medien berichtet, unter anderem die Financial Times und das Wirtschaftsmagazin Brand Eins. Obwohl die Form der Aktiengesellschaft schnell Gedanken an die Wirtschaftskrise und wahnwitzige Renditen aufkommen lässt, geht es bei Regionalwert nur am Rande ums große Geld. Jeder, der eine Aktie kauft, erwirbt Stimmrecht und kann dann darüber mitentscheiden, wie die angeschlossenen Höfe arbeiten. Das sichert vor allem immaterielle Werte in der Region, wie verbrauchernahe Erzeugung, faire Beschäftigungsverhältnisse oder ökologische Landwirtschaft.
Das Problem, welches Hiß 2006 zu der Firmengründung geführt hat, kennt man in vielen Bereichen Deutschlands. Landwirtschaftlichen Familienbetrieben fehlt der Nachwuchs, das Land wird an größere Unternehmen verpachtet. Die setzen auf Monokulturen, Großanlagen und entziehen der Region damit den Einfluss die Nutzung des Landes.
Auch die Regionalwert AG kauft Betriebe, bei denen keine Nachfolge gefunden werden kann und verpachtet sie weiter. Die Bedingung ist jedoch, dass die Betriebe als Öko-Betriebe anerkannt werden. Und dass sie darüber hinaus vor den Aktionären Rechenschaft über Bereiche wie Vertriebsstrukturen oder Arbeitsverträge ablegen. Die Gewinne der Betriebe sind unter diesen Vorraussetzung gering – doch den Aktionären geht es höchstens langfristig um eine Steigerung ihrer Anlage. Kurzfristig rechnet keiner mit einer Auszahlung. Sie wollen einen Einfluss darauf haben, wie sich ihre Region landwirtschaftlich entwickelt.
Hiß ist für seine Idee bereits ausgezeichnet worden. Dabei ist das nicht das einzige Modell, wie Menschen an der Landwirtschaft beteiligt werden können. Großbetriebe, vor allem in Ostdeutschland, haben als Genossenschaften viele Mitglieder, die damit an der (Weiter-)Entwicklung beteiligt sind. Auch das führt dazu, dass nicht immer unter dem Diktat der Gewinnmaximierung gearbeitet wird. In der Region Arbeit zu schaffen und für die Region zu produzieren spielt häufig ebenfalls eine entscheidende Rolle.
Wie beurteilen Sie die Beteiligung an landwirtschaftlichen Betrieben? Ist das eine sinnvoller Weg, auch, um mehr Verständnis für die Landwirtschaft zu wecken? Oder führt es dazu, dass immer mehr Betriebe in finanzielle Schwierigkeiten geraten? Kennen Sie weitere Beispiele, in denen solche Beteiligungsmodelle gut funktionieren ?
Strauße – imposante Exoten für Liebhaber
Strauße brauchen viel Auslauf. Foto: Ralph Schumacher/www.strausse.info
Strauße sind lebende Superlative. Die imposanten Läufer werden über zwei Meter hoch und sind damit die größten lebenden Vögel. Ihre Beine tragen sie bis 70 Stundenkilometer schnell über die Steppe. Für Erzeuger besonders interessant: Das Fleisch der bis zu 130 Kilogramm schweren Vögel ist sowohl sehr zart als auch mager und bekömmlich. Diese Eigenschaft hat es seit jeher beim Menschen beliebt gemacht und zur Ausrottung der Strauße in vielen Regionen beigetragen. Ursprünglich in Afrika und Asien beheimatet, finden sich Strauße heute nur südlich der Sahara und in Australien in freier Wildbahn. Doch die Tiere sind, was das Klima angeht, äußerst anpassungsfähig. Farmen gibt es demzufolge weltweit. Zucht und Haltung gelingen auch in Mitteleuropa und damit in Deutschland. Doch mit den Tieren Gewinn zu machen, ist für Betriebe hier schwierig. Das Klima ist – abgesehen von Jahren mit sehr strengen Wintern – dabei das geringste Problem für deutsche Landwirte.
Strauße benötigen viel Platz. Nicht nur die Größe der Tiere und deren beeindruckende Geschwindigkeit bestimmen die Fläche der Gehege. Auch das Verhalten der Tiere fordert bei der Bemessung des Auslaufs seinen Tribut. Straußenhähne verteidigen ihr Revier und ihren Harem gegenüber Fremden und heranwachsenden Artgenossen. Die scheuen Tiere mit den großen Augen sind dazu extrem neugierig, flüchten aber beim leisesten Hauch einer Gefahr. In die Enge getrieben, gehen Strauße aber auch zum Angriff über. Ihre scharfen Krallen können Menschen tödliche Verletzungen beibringen.
Wer dennoch über Zucht und Haltung der imposanten Vögel nachdenkt, sollte sich beim zuständigen Veterinäramt informieren. Ehe ein Betrieb den ersten Euro in das Projekt steckt, sollte geklärt sein, wie die Chancen auf eine Genehmigung stehen, rät Ralph Schumacher, Präsident des Bundesverbands Deutscher Straußenzüchter e. V. im Gespräch mit gruuna. Seiner Erfahrung nach sind die Auffassungen der einzelnen Amtstierärzte über Tierschutz und artgerechte Haltung sehr unterschiedlich. So gäbe es Bundesländer wie Hessen, in denen so gut wie keine Straußenhaltung zu finden sei. In anderen Gegenden sei die Genehmigungspraxis weitaus straußenfreundlicher.
Für die ersten Schritte empfiehlt Schumacher, nicht mit teuren Zuchttieren zu experimentieren. Für einen zweijährigen Zuchthahn werden immerhin zwischen 3000 und 7000 Euro verlangt. Einsteigern, die über mehr Zeit als Startkapital verfügen, rät der erfahrene Züchter zum Ankauf von 10 „Schlachttieren“ für den Einstieg. Die seien schon für 200 bis 400 Euro pro Stück zu bekommen, berichtet Schumacher. Die schönsten Tiere dieser Gruppe könnten dann nach rund einem Jahr für die Zucht genutzt werden.
Dass man für den Aufbau einer Straußenzucht einen langen Atem braucht, kann auch Marlies Halamunda bestätigen. Im kleinen Dörfchen Thurland vor den Toren Dessaus baut sie seit über 5 Jahren ihre Straußenfarm auf. Aus einer Handvoll Tiere ist inzwischen eine ansehnliche Straußenherde geworden. „Im Sommer sollen es wieder 60 bis 80 Tier sein“, berichtet die engagierte Halterin gruuna. Die zweieinhalb Hektar Weidefläche die dafür notwendig sind, gehören zum Hof der Familie. Neben den Straußen werden auch Damwild und ein Dutzend Galloway-Rinder gehalten. Schlachtung, Verarbeitung und Verkauf finden auf dem Hof statt. Vermarktet wird über den Hofladen, einige kleine Geschäfte der Umgebung und über Das Landei in Dessau. Der Lebensmittelladen hat sich auf regionale Produkte spezialisiert.
Obwohl die Vermarktung der eigenen Produkte recht gut läuft, trägt sich die Straußenzucht der Halamundas noch nicht selbst. „Wir wachsen langsam aber stetig und wissen, dass sich so ein Geschäft erst nach einigen Jahren rechnet.“ Dennoch sehen die Halamundas darin ihre Zukunft. In ein bis zwei Jahren will ihr Mann, der bisher mit einem fahrenden Supermarkt zum Einkommen der Familie beiträgt, mit in die Straußenzucht einsteigen. Platz genug ist vorhanden. „Wir können bis auf 18 Hektar wachsen“, freut sich Marlies Halamunda.
Diesen Platz braucht man auch, um die im Haupterwerb nötigen 500 Strauße zu halten, meint Verbands-Präsident Ralph Schumacher, dem selbst ein Betrieb in dieser Größe gehört. Sind die Tiere nach 12 bis 16 Monaten Schlachtreif, können bis zu 35 Kilo Fleisch pro Tier verkauft werden. Auch wenn Endverbraucher für ein Kilo Straußensteak 20 bis 25 Euro ab Hof bezahlen, lohne sich die Zucht nur für den Fleischverkauf nicht, rechnet Schumacher vor. Ein Preiskampf mit der im Supermarkt erhältlichen Ware aus Südafrika sei ohnehin nicht zu gewinnen. Das Fleisch aus Übersee sei zwar viel billiger, aber selten besser als das aus Deutschland, sagt Schumacher. Nur mit der kompletten Vermarktung von Fleisch, Federn, Haut und Eiern lohne sich die Mühe. Schumacher lockt außerdem Besucher zu kostenpflichtigen Besichtigungen auf den Hof. Die kaufen anschließen im Hofladen ein und Essen im angeschlossenen Restaurant.
Fernseher für glückliche Tiere
Marketing-Kampagne aus dem Kuhstall
Der russische Kuhstall mit Fernsehempfang.
Ein russischer Landwirt hat seinen Kuhstall technisch aufgerüstet: Über den Boxen hängen moderne Flachbildschirme, auf denen den Tiere grüne Wiesen und unberührte Natur gezeigt werden. Das soll die Kühe glücklicher machen – und zu einer höheren Milchleistung anspornen. Über verschiedene Blogs ist die Idee auch in Deutschland bekannt geworden.
Die Bilder, die der Blog Englisch/Russia vor einigen Tagen zeigten, sind kurios. Techniker schleppen mehrere moderne Fernseher in einen alten Kuhstall und montieren die Geräte über den Boxen. Der Landwirt erklärt, dass die Tiere in der freien Natur glücklicher seien, als im Stall – und deshalb will er ihnen zumindest auf TV-Bildern saftiges Gras und blauen Himmel zeigen. Kuh-Wellness in einer neuen Dimension – und mit der Hoffnung auf mehr Milch.
Wer sich mit Kühen auskennt, weiß sofort: Das kann nicht funktionieren. Obwohl es in den vergangenen Monaten immer wieder eigenwillige Vorschläge gab, wie man die Milchleistung erhöhen könnte: Keine Kuh hat so gute Augen, dass sie die Fernsehbilder erkennen könnte. Trotzdem hat es das Projekt aus Osteuropa sofort verbreitet, verschiedene Internetseiten haben darüber berichtet. Auch wenn die Agrarbranche und das Internet für viele nur wenige Berührungspunkte haben: Mit einer außergewöhnlichen Idee kann man auch als Landwirt mit seinem Betrieb hier bekannt werden. Und wenn es gelingt, in dieser Aufmerksamkeit seine Produkte vorzustellen, kann eine kleine Ursache eine große Wirkung für den Vertrieb haben.
Hinter der technischen Aufrüstung des Stalls steckt ebenfalls eine Marketing-Kampagne. Der Hersteller der Fernsehgeräte hat sich das Projekt ausgedacht. Auf einer russischen Internetseite erfahren die Nutzer die Hintergründe zu diesem »revolutionären Forschungsprojekt«. Sie können live in den Stall gucken und darauf wetten, ob die Kühe unter den Fernsehern mehr Milch geben als andere. Nebenbei werden natürlich alle Vorzüge des neuen TV-Geräts angepriesen.
Wie sehen Sie diese Marketing-Kampagne: Können Sie sich vorstellen, dass auch in Deutschland eine ähnliche Idee ausprobiert wird? Haben Sie eine Idee, wie sich Landwirte selbst durch ein kurioses Projekt ins Gespräch bringen können?
gruuna Unterwegs
200 Landwirte erfahren mehr über gruuna
Landwirte informieren sich in Erfurt über gruuna. Foto: gruuna
Für uns standen die vergangenen 14 Tage ganz im Zeichen verschiedener Veranstaltungen mit interessierten Kunden. Wie auch« hier im Blog«:http://blog.gruuna.com/entry/lernen-sie-uns-kennen/ angekündigt, waren wir in vier deutschen Städten und haben gruuna vor allem Landwirten vorgestellt. Auch direkt bei uns, in Grüna, einem Vorort von Chemnitz, haben wir vielen Besuchern die Funktionen unseres Landwirtschaftsmarktes erklärt. Insgesamt haben wir auf den zehn Veranstaltungen rund 200 Mitarbeitern von über 120 Betrieben informiert.
Dabei waren wir in der Nähe von Magdeburg, bei Berlin sowie in Erfurt und Linstow. Die Resonanz war dabei durchweg positiv. Jeder Besucher hat nach den Veranstaltungen einen kurzen Fragebogen ausgefüllt. Für uns das wichtigste Ergebnis: Viele können sich sehr gut vorstellen, im Sommer auf gruuna zu handeln. Wir können sicher sein, dass es schon zum Start des Landwirtschaftsmarkt im Internet viele Angebote und eine rege Nachfrage gibt.
In den kommenden Monaten wird es weitere Termine geben, bei denen wir gruuna vorstellen. Wenn Sie in einem Verband, in einer Erzeugergemeinschaft oder für Ihre Mitarbeiter eine Veranstaltung planen, können Sie sich gerne bei uns melden. Wenn Sie Interesse haben, kommen unsere Mitarbeiter auch zu Ihnen, beantworten Fragen und informieren Sie über die Möglichkeiten und die Benutzung von gruuna. Hier im Blog und in unserem Newsletter erfahren Sie natürlich, wo wir den Landwirtschaftsmarkt im Internet vorstellen.
Agroprodukt Sonnenberg e.G.
Ein Landwirt als Gipfelstürmer
Volker Ehrlicher auf dem Gipfel des Aconcagua. Foto: privat
Volker Ehrlicher ist Vorstandsvorsitzender der Agroprodukt Sonnenberg e.G. in Thüringen – und begeisterter Bergsteiger. Im Januar erklomm er, finanziell unterstützt von der gvf VersicherungsMakler AG, dem Mutterunternehmen von gruuna, den Aconcagua in Argentinien. Und was für viele mehr nach kräftezehrendem Sport als nach erholsamem Urlaub klingt, war für Volker Ehrlicher der entspannendste Teil der vergangenen Monate. „Das ist der Teil, an dem ich auch für die nächste Zeit immer saugen muss. Eine schöne Erinnerung“, erzählt der Landwirt im Gespräch mit gruuna.
Der Gipfel des Aconcagua liegt 6962 Meter über dem Meeresspiegel. Der Berg ist damit die höchste Erhebung Amerikas und der südlichen Hemisphäre. Drei Wochen hat Ehrlicher im Januar dort verbracht. Immer im Gepäck: Ein Abfall- und ein Fäkal-Sack. Beides bekommen alle Bergsteiger beim Eintritt in den Nationalpark rund um den Aconcagua.
„Unser Gepäck wurde vom Eingang des Nationalparks mit Moulis bis ins normale Basislager auf 4200 Meter gebracht“, erzählt Ehrlicher. Er brauchte zwei Tage für den Aufstieg in das Lager. Vor dem Gipfelsturm besuchen die Bergsteiger dort auch einen Arzt. „Am Aconcagua gibt es inzwischen auch viel Massentourismus, und es gibt oft Leute die sich überschätzen und dann unter der Höhenkrankheit leiden.“
Von dem Basislager ging es dann für einen Tag in ein Hochlager auf 5500 Meter. Da dort keine Esel mehr als Träger zur Verfügung stehen, musste Ehrlicher fast 20 Kilo Gepäck schultern. „Ich hatte alles dabei, was man in der Höhe braucht. Mein Zelt, persönlichen Sachen, Essen und Gaskocher zum Beispiel.“ Gemeinsam mit anderen Bergsteigern schlug er im Hochlager sein Zelt auf. „Trinkwasser gibt es dort nicht. Wir mussten dafür Schnee schmelzen.“
Nach einem Regenerations-Tag zurück im normalen Basislager begann der Landwirt zusammen mit anderen Bergsteigern vom Hochlager den Weg zum Gipfel. „Wir sind am 13. Januar früh aufgestanden, haben Wasser bereitet und sind um halb 6 losgelaufen, im Dunkeln. Die Sonne hat uns gegen acht Uhr eingeholt“, erzählt er gruuna. Etwa um 16.30 Uhr stand er auf dem Gipfel. „Als ich oben war, hatten wir leider nur Nebel“, sagt Ehrlicher. Doch wirklich enttäuscht ist er nicht, denn er hatte schließlich das Ziel der Reise erreicht.
Der Abstieg dauerte anschließend nur zwei Tage. Im Basislager wurde auf den erfolgreichen Gipfelsturm angestoßen. Natürlich stilecht mit argentinischem Rotwein. „In der Höhe langen zwei Gläschen, weil der Alkohol so schnell wirkt.“
In Deutschland trainiert Ehrlicher vor allen seine Ausdauer. „Drei bis fünf Mal, je nach dem wie es die Arbeit zulässt, jogge ich fünf bis zehn Kilometer. Und ich fahre mit dem Rad zur Arbeit, das ist auch ein bisschen Bewegung.“ Wenn eine Kletterreise bevorsteht, intensiviert er sein Trainingsprogramm und versucht sich auf die Höhe vorzubereiten. „In Jena gibt es eine Höhenkammer, da trainiert man in 4500 oder 5000 Metern auf dem Laufband oder fährt Fahrrad.“ Der nächste Bergsteiger-Urlaub steht für den Vorstandsvorsitzenden der Agroprodukt Sonnenberg e.G. in zwei Jahren auf den Plan. Dann soll es in den Himalaja gehen.
Internet
“Der Blog ist kein Werbemittel, sondern ganz klassische PR”
Der Imker und Blogger Marc-Wilhelm Kohfink. Foto: privat
Seit vier Jahren betreibt der Berliner Imker Marc-Wilhelm Kohfink den Imkerblog. Wir haben mit ihm über das Bloggen, Social Media Marketing und die potentiellen Zielgruppen gesprochen, die Landwirte damit im Internet erreichen können.
Welche Gründe waren für Sie ausschlaggebend, einen Blog zu starten?
Ich bin nicht nur Imker sondern auch Wirtschaftsjournalist. 2006 war Bloggen neu und so schrieb ich einen Artikel über Blogs als Marketinginstrument. Da dachte ich mir: Das wäre auch etwas für meine Imkerei. Schreiben kann ich ja und wenn das so gut funktioniert, wie alle bei meiner Recherche behaupteten, ist Bloggen ideal für mein Marketing.
Wie viel Aufwand haben Sie in der Woche etwa mit dem Blog?
Zwischen 30 und 45 Minuten. Schreiben fällt mir ja leicht.
Wie finden Sie die Themen, über die Sie schreiben?
Ich hatte nie das Problem, dass mir nichts einfällt. Auch das hängt sicher mit meiner journalistischen Vergangenheit zusammen. Da gehört ein Gespür für Themen einfach zur Grundausstattung. Ansonsten habe ich den Bogen recht weit gespannt. In meinem Blog hat alles Platz, was mit Imkerei zu tun hat: Imkerei als Lebensgefühl sozusagen. Dazu gehört auch Architektur, Kunst, Sport und Geschichte. Lassen Sie mich das an einem Beispiel erklären: Gehen Sie einmal mit einem Möbeltischler, der seinen Beruf wirklich liebt, in eine Gemäldegalerie. Dann werden Sie feststellen, der guckt vor allem die Holzrahmen an. Die Bilder sind nett, aber die Rahmen interessieren ihn besonders. Ein vergleichbares Lebensgefühl will ich mit meinem Blog transportieren: So sieht die Welt durch die Brille eines Imkers aus.
Lohnt sich der Blog aus geschäftlicher Sicht oder dient er eher der Kommunikation mit anderen Imkern?
Als ich mit dem Blog startete, habe ich erwartet, dass mehr Verbraucher den Blog lesen. Schließlich stellen mir meine Kunden immer viele, viele Fragen zur Imkerei. Doch von Anfang an wurde der Blog von Imkern viel besser angenommen. Die haben aber selbst Imkereiprodukte und kaufen höchstens einmal aus Neugierde eine meiner Honigraritäten. So hat mich der Blog bei jenen Imkern bekannt gemacht, die selbst im Internet unterwegs sind.
Haben Sie schon Kunden über den Blog gewonnen?
Ja, aber nicht in dem Sinne, dass die Leute meinen Blog lesen und dann einkaufen gehen. Das funktioniert nur mittelbar, indem Journalisten zum Thema Imkerei recherchieren. Dabei stoßen sie auf meinen Blog. Sie gewinnen den Eindruck, dass ich etwas zu sagen habe und rufen mich an. Wenn sie dann etwas Freundliches über mich schreiben, dann schaufelt mir das die Kunden ins Haus. Der Blog ist also kein Werbemittel, sondern ganz klassische PR.
Es gibt relativ wenig Blogger aus der Landwirtschaft – woran liegt das Ihrer Meinung nach?
Ein Landwirt ergreift diesen Beruf, weil er die Natur liebt und weil er seine Freude an Tieren hat. Die meisten Landwirte sind kreuzunglücklich, dass sie so viel Zeit am Schreibtisch verbringen müssen um irgendwelche Nachweise auszufüllen, dass sie die Bestimmungen für Cross Compliance einhalten. Da ist die Lust gering, noch mehr Zeit am Schreibtisch fürs Bloggen zu verwenden.
Außerdem ist Bloggen ein Marketing-Instrument, das vor allem im Kontakt mit Verbrauchern interessant ist. Die allermeisten Landwirte haben jedoch industrielle Abnehmer mit langfristigen Verträgen als Kunden. Für die sind Blogs uninteressant. Oder haben Sie schon einmal Zuckerrüben, Braugerste oder ein Mastferkel gekauft?
Welche Tipps haben Sie für Landwirte, die einen eigenen Blog starten möchten?
Sie sollten sich vor allem genau überlegen, für wen sie schreiben und was diese Zielgruppe interessiert. Schreibe ich für Kollegen, würde ich z. B. über meinen tollen neuen John Deere- oder Fendt-Schlepper schreiben. Habe ich ein Hofcafé oder Ferienzimmer hätte ich nette Erlebnisse mit meinen Gästen und meine Region als Thema.
Sie sind seit Januar auch bei Twitter aktiv. Wie zufrieden sind Sie mit der Resonanz dort?
Ich habe mich lange um Twitter gedrückt. Erst als mir ein Freund sagte, dass ich Twitter nutzen kann, um noch mehr Leute zu Blogleser zu machen, habe ich mich bei Twitter angemelden. Das hat sehr gut funktioniert.
Dr. Marc-Wilhelm Kohfink betreibt eine Bioland-Imkerei in Berlin. Er hat sich auf seltene Sortenhonige spezialisiert und bietet Schulungen zur Imkerei an. Seit fast vier Jahren gibt es seinen Imkerblog.
In unserer Interview Reihe haben wir bereits mit dem Winzer Harald Steffens und dem Rhönwirt Jürgen Krenzer gesprochen.
Clevere Mischung
Die Lizenz für Gutes aus Hessen
Regionale Produkte können die Wirtschaft vor Ort stärken und durch kurze Wege die Umwelt schonen. Viele Verbraucher wissen das zu schätzen und entscheiden sich bewusst für Lebensmittel, die in der Region hergestellt werden. Dennoch ist die Werbung mit Qualitäts- und Herkunftszeichen, die lediglich für eine Region stehen, innerhalb der EU verboten. Die Marketinggesellschaft Hessen löste das Problem ihrer bestehenden Siegel 2003 mit der Neugründung einer eigenen Qualitätsmarke und später mit einer Ergänzung des nationalen Bio-Siegels. Über 400 Betriebe machen heute mit.
Ob nun „Gutes aus Hessen“ oder „Hessen aus gutem Grund“ – nur hessisch ist nicht gut genug, wenn es nach der EU geht. Auch andere Regionen müssen die Möglichkeit haben, ihren Platz in einem solchen Siegel zu finden. Seit 2003 gibt es deshalb die Qualitätsmarke „Geprüfte Qualität“ deshalb mit einer austauschbaren Notifizierung. Auch wenn die in den meisten Fällen „Hessen“ lautet, ist der veränderliche Anteil des Zeichens nach dem EU-Recht notwendig. Dahinter steckt die Idee, allen europäischen Erzeugern und Verarbeitern die Nutzung eines Qualitätszeichens in Verbindung mit der jeweiligen Herkunftsregion offen zu halten. Geprüfte Qualität – Hessen ist als offizielles Qualitäts- und Herkunftszeichen des Landes Hessen seit 2003 von der EU anerkannt.
Heute sind rund 400 Mitgliedsbetriebe an die Qualitätsmarke gebunden. Davon sind zwei Drittel Erzeugerbetriebe, berichtet Verena Berlich von der Marketinggesellschaft Hessen. Pro Jahr wächst die Zahl der Mitglieder um rund 20 Betriebe
Wer die Qualitätsmarke „Geprüfte Qualität – Hessen“ tragen darf, regelt ein Lizenz- und Zeichensystem. Der Verein Marketinggesellschaft Gutes aus Hessen e. V. und das Land Hessen als Zeichenträger haben die Abwicklung der Zeichenvergabe an einen Lizenzgeber – eine GmbH gleichen Namens – übertragen. Mitglieder des Vereins wie Schlacht- und Zerlegebetriebe, Getreidemühlen, Erzeugergemeinschaften und Verbände zahlen 770 Euro pro Jahr als Mitgliedsbeitrag. Sie dürfen das Recht der Zeichennutzung an ihre Kunden übertragen. Die müssen sich im Gegenzug verpflichten, die Anforderungen der Qualitätsmarke einzuhalten. So kann ein Müller als Lizenznehmer den Bäckern, die sein Mehl verbacken, die kostenfreie Zeichennutzung ermöglichen. Auch der Bauernverband als Lizenznehmer kann seinen Mitgliedern Zugang zur Qualitätsmarke „Geprüfte Qualität – Hessen“ verschaffen. Die Anforderungen an die Mitgliedsbetriebe sind in einem Handbuch festgeschrieben. Die Einhaltung der Qualitätskriterien wird jährlich durch eines der zugelassenen Institute überprüft. Die Kosten von 150 bis 250 Euro müssen die Betriebe tragen.
Wie sich die Qualitätsmarke „Geprüfte Qualität – Hessen“ auf Umsätze und Erlöse auswirkt, kann die Marketinggesellschaft Hessen nicht beantworten. Projektmanagerin Verena Berlich verweist dazu auf eine Studie, die derzeit vom Institut für Ländliche Strukturforschung an der J. W. Goethe-Universität Frankfurt erstellt wird. Die Bekanntheit der Qualitätsmarke wächst jedoch. Zuletzt konnten 30 Prozent der befragten Endverbraucher etwas mit „Geprüfte Qualität – Hessen“ anfangen.
Etwas jünger als die Qualitätsmarke „Geprüfte Qualität“ ist die hessische Variante des Bio-Siegels. Nach dem Vorbild Baden-Württembergs ergänzt das Bio-Siegel – Hessen das nationale Bio-Siegels (nach EG-Öko-Verordnung) um die regionale Komponente. Eine Eigenschaft, die viele Verbraucher erwarten, wenn sie Bio-Produkte kaufen. Rund 50 Betriebe der Landesverbände von Naturland, Bioland, Demeter und Gäa sowie weitere Einzelbetriebe nutzen derzeit das „Bio-Siegel – Hessen“. Dessen Anforderungen liegen über denen für das nationale Bio-Siegel nach EG-Öko-Verordnung. So muss der Betrieb beispielsweise vollständig auf ökologischen Anbau umgestellt haben, erklärt Verena Berlich. Auch müssen Obst, Gemüse und Kartoffeln ausgewählte Handelsklassenvorgaben erfüllen. Ähnlich strenge Anforderungen an die Produktqualität gelten für Fleisch.
Derweil macht die Idee der regionalen Bio-Siegel weiter Schule. Neben dem „Bio-Siegel – Hessen“ und dem „Bio-Zeichen Baden-Württemberg“ gibt es nun auch ein „BIO-Zeichen Mecklenburg-Vorpommern“ und ein „Biosiegel Rhön“.
Agrar GmbH "Am Kunnerstein"
Milchviehhaltung in schwieriger Lage
Blick auf einige Grünflächen der Agrar GmbH Am Kunnerstein. Foto: Kati Rudolph
„Ich sehe uns als untypischen Betrieb in der Region“, sagt Arndt Hötzel. Als Geschäftsführer der Agrar GmbH »Am Kunnerstein« hat er 1050 Hektar Nutzfläche zu bewirtschaften, davon 285 Hektar Grünfläche. 400 Großvieheinheiten gehören zu dem Betrieb. Das ist ein geringer Viehbesatz pro Hektar landwirtschaftlicher Nutzfläche im Vergleich zu anderen Betrieben. Das Schwierige für Hötzel ist die Lage des Grünlands. Es sind vor allem kleine Flächen und nur 90 Hektar sind maschinenfähig. Die Grünfläche liegt vor allem an den Hängen des Erzgebirges, teilweise mit 27 Prozent Hangneigung. „Das ist richtig natürliches Grünland, das sich nur als Weide nutzen lässt“, sagt Hötzel.
Die Agrar GmbH „Am Kunnerstein“ hat sich vor allem auf die Milchviehhaltung spezialisiert. Nach der Wende stellte der sächsische Betrieb die Schafhaltung ein. „Der Wollpreis auf dem Markt war einfach zu gering“, erinnert sich Hötzel. Auch die Lämmerproduktion scheiterte in den 90er Jahren an dem langen Winter im Erzgebirge und fehlenden Gebäuden. Die letzten Investitionen hatte es 1969 gegeben.
„Seit der Wende haben wir 2,8 Millionen Euro investiert, um die alte, verschlissene Bausubstanz zu erhalten und eine tiergerechte Haltung für Kühe zu ermöglichen“, sagt der Geschäftsführer heute. Weil sich der Betrieb zum Großteil in einem Landschaftsschutzgebiet befindet, konnten keine neuen Stallanlagen gebaut werden. „Dafür haben wir 1998 einen neuen Stall für 291 Kühe in einer bestehenden Hülle gebaut.“ 2002 wurde nach dem selben Prinzip ein Kälberstall gebaut – und mit einem Preis des sächsischen Landwirtschaftsministers ausgezeichnet. Die Durchschnittsleistung der Herde liegt bei circa 9000 Kilo pro Jahr.
Die Zukunft für seinen Betrieb sieht Arndt Hötzel weiterhin in der Milchproduktion. Auch wenn die Produktionskosten im Moment über den Verkaufspreisen liegen. „2015 ist die Milchquote erledigt. Da freue ich mich drauf“, sagt er. Gerade für die wachsende Milchindustrie in Ostdeutschland sei die Quote ein hemmendes Instrument, das sich auch für die Marktregulation nicht bewährt habe.
Für die Zukunft erwartet der Landwirt noch stärkere Schwankungen beim Milchpreis. Deshalb setzt er auf einen Ausbau des Tierbestands. „Es muss uns gelingen, in den Hochpreisphasen Solidität in die Betriebe einzubringen, um die Tiefpreisphasen zu überstehen.“
Gerade für die Milchkühe bietet die Agrar GmbH trotz der schwierigen Landflächen gute Vorraussetzungen. „Die Kühe können in der Zeit des Trockenstehens auf die Wiesen, diesen Luxus haben sie“, erklärt Hötzel. Außerdem profitiere das Unternehmen von dem Know How in der Milchproduktion, das von Generation zu Generation weitergegeben wurde. „Deshalb sehe ich weiter die Zukunft für die Milchproduktion hier, auch wenn andere Bereiche vielleicht ökonomisch besser darstellbar sind.“
Gläserne Produktion
Touristenziel Schaukäserei
Blick in eine Käserei.
Potentiellen Käufern zu zeigen, wie ein Produkt entsteht, erleichtert den Vertrieb. Gläserne Autofabriken, Betriebsbesichtigungen in großen Unternehmen und offene Küchen oder Konditoreien zeigen den Trend zur „transparenten Herstellung.“ Wie können Landwirte davon profitieren, mehr Kunden überzeugen und damit ihren Direktvertrieb verbessern? Neben einer eigenen Verkaufsstelle oder dem „Tag des offenen Hofs“ kann man zum Beispiel die Verarbeitung der Erzeugnisse zeigen und anschließend die Produkte verkaufen. Ein Beispiel dafür sind Schaukäsereien.
Die wenigsten großen Landwirtschaftsbetriebe verarbeiten ihre Milch selbst. Aber wo keine bindenden Kontrakte mit Molkereien bestehen, bietet sich die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Erzeugern einen Teil der Milch selbst zu vermarkten.
Der best-practice-business-Blog hat uns auf das Thema gebracht. Schon mit einer kurzen Suche bei google sieht man, dass es inzwischen mindestens drei weitere Schaukäsereien gibt, die versuchen, sich als Ausflugsziel zu vermarkten.
So funktioniert das Prinzip in der Schaukäserei im Ettal. Über 35 Bauern lassen in dieser Genossenschaft ihren Käse herstellen und verkaufen. Sie erhalten dadurch einen überdurchschnittlichen Abnahmepreis für ihre Milch und sind zudem an den Verkaufserlösen beteiligt. Sie sind damit ein wenig unabhängiger von den großen Molkereien.
Auch Großbetriebe in Ostdeutschland haben sich vielfach schon zu Milcherzeuger-Gemeinschaften zusammengeschlossen – in die eigene Käseproduktion sind sie jedoch noch nicht eingestiegen. Auch bestehende Käsereien in Ostdeutschland halten sich bedeckt, was eine gläserne Produktion angeht. In Brandburg haben sich jedoch inzwischen 100 Biomilcherzeuger zusammengeschlossen und eine gläserne Molkerei eingerichtet.
Natürlich kann auch in großen Betrieben der eigene Käse nicht ohne weiteres hergestellt und ausschließlich im Direktverkauf über den bestehenden Hofladen vertrieben werden. Dazu sind ausführliche Planungen und viele Investitionen nötig. Ein solches Projekt lohnt sich nur, wenn mehrere Partner zusammenarbeiten. Auch im Ettal wurde die Käserei von den Bauern extra gebaut, um Touristen anzusprechen. Der Plan ist aufgegangen, inzwischen werden dort und von anderen Schaukäsereien ausreichend Kunden erreicht.
Wie stehen Sie zur Idee der „gläsernen Produktion“ in der Landwirtschaft? Kennen Sie solche Ansätze auch aus anderen Bereichen, neben der Käserei? Wie lassen sich solche Ansätze für Großbetriebe umsetzen? Wir sind gespannt auf Ihre Meinung.
Agroland Agrar e.G.
Mit neuen Standbeinen breiter aufstellen
Im Büro von Siegmar Arnold hängen Fotos von der Fußballmannschaft des SG Wachsenburg. Die Männer spielen in der Kreisklasse, die Agroland Agrar e.G. sponsort die Sportler. Arnold, der Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft, legt großen Wert darauf, dass lokale Vereine unterstützt werden. Bei Umzügen stellt er schon mal einen Traktor samt Fahrer und Diesel, damit die Festwagen durch die Straßen in der Umgebung von Thörey und Rehstedt gezogen werden können. »Die Gemeinde weiß so etwas zu schätzen«, sagt der Vorstandsvorsitzende.
Auch der Sportplatz der SG Wachsenburg wäre ohne Agroland nicht so entstanden. Die Genossenschaft riss einen alten Silo ab und stellten dem Verein die Fläche für den Neubau zur Verfügung.
In unserem Video stellt Arnold die Agroland Agrar e.G. vor. Der Betrieb nahm im vergangenen Jahr eine Solaranlage in Betrieb und versucht sich durch die Vermietung von Gebäuden sich eine weitere Einnahmequelle zu erschließen. Die Rindermast hat die Genossenschaft dafür in den vergangen Jahren halbiert. 23 Menschen arbeiten für die Genossenschaft, die 3400 Hektar in Thüringen – von Thörey bis Arnstadt – bewirtschaftet.
EU Herkunftsbezeichnungen
Drei Siegel sind zwei zu viel
Mit diesen Siegeln können sich Produkte auszeichnen, die von der EU als Regionalmarken geschützt wurden.
Region ist Trumpf. Mit einer bekannten Region im Rücken lässt es sich bessere werben, mit einer etablierten Regionalmarke können höhere Preise erzielt werden, Doch kaum hat es ein Produkt zu nationaler oder gar internationaler Bekanntheit gebracht, versuchen Nachahmer am Erfolg zu partizipieren. Und können mit schlechterer Qualität die Preise kaputt machen. Eine registrierte Marke kann davor schützen. Geht es dabei um landwirtschaftliche Erzeugnisse, muss man die EU nicht lange um eine Regulierung bitten. Gleich drei Siegel für geschützte Produktbezeichnungen hat man in Brüssel kreiert. Doch wie genau sind Altenburger Ziegenkäse, Thüringer Rostbratwurst und Spreewalder Gurken durch die Siegel der EU geschützt und welche Voraussetzungen müssen die Produkte erfüllen?
Von den Varianten des EU-Siegels stehen nur zwei für eine bestimmte Herkunft des Produkts. Die strengsten Voraussetzungen müssen Produkte erfüllen, die das Siegel geschützte Ursprungsbezeichnung (g. U.) tragen sollen. Hierfür müssen Produkte in einem bestimmten Gebiet erzeugt, verarbeitet sowie nach einem anerkannten und festgelegten Verfahren hergestellt werden. Eines der nur 30 deutschen Produkte mit g. U.-Siegel ist der Altenburger Ziegenkäse. Neben drei weiteren Käsespezialitäten und zwei Frischfleisch-Marken bilden 24 Mineralwässer die Mehrheit der deutschen g. U.-Produkte. Das rot-gelbe Siegel für die geschützte Ursprungsbezeichnung löst spätestens im Mai 2010 die blau-gelbe Variante mit dem selben Text ab, weil es oft mit dem „schwächeren“ Siegel für die geschützte geografische Angabe verwechselt wurde.
Das blau-gelbe Siegel mit der stilisierten Hügellandschaft in der Mitte steht für eine geschützte geografische Angabe (g. g. A.). Dazu reicht es aus, dass lediglich eine Herstellungsstufe (Erzeugung, Verarbeitung oder Herstellung) in einem bestimmten Herkunftsgebiet stattfand. Verfahren oder Rezepturen werden nicht vorgeschrieben, müssen dadurch aber auch nicht veröffentlicht werden. Thüringer Rostbratwurst und Spreewälder Gurken tragen das Siegel geschützte geografische Angabe. Das Spektrum der deutschen Produkte ist in dieser Siegel-Klasse insgesamt breiter gefächert. So finden sich auch Backwaren, Fleischerzeugnisse und etliche Biere unter den insgesamt 38 deutschen Produkten mit g. g. A.-Siegel.
Keine deutschen Vertreter gibt es mit dem Siegel garantiert traditionelle Spezialität (g. t. S.). Hinter diesem Siegel verbirgt sich keine geografische Herkunft, sondern nur eine traditionelle Zusammensetzung oder ein traditionelles Herstellungsverfahren. Zu dieser Kategorie gehört beispielsweise der Mozzarella, der auch aus dänischer Kuhmilch und großindustrieller Fertigung sein kann.
Kritiker der EU-Siegel bemängeln die Aussagekraft der Siegel. Insbesondere die „schwächeren“ Siegel geschützte geografische Angabe und garantiert traditionelle Spezialität seien für Verbraucher irreführend, kritisiert der Bundesverband der Verbraucherzentralen. Diese Bezeichnung würden bei Verbrauchern den Eindruck erwecken, dass das Produkt aus einer bestimmten Region stamme, was jedoch nur selten der Fall sei. Lediglich das rote Siegel der geschützte Ursprungsbezeichnung hält in diesem Zusammenhang, was es verspricht. Ob und in welcher Form sich die EU-Siegel sinnvoll mit der Regionalvermarktung und den etablierten landwirtschaftlichen Regionalmarken verknüpfen lassen ist fraglich. Zumal die wirklich großen Namen selbst und mit erheblichen Aufwand dafür sorgen, dass Cognac, Champagner und Prosecco weltweit halten, was ihr Name verspricht.
Wer dennoch wissen möchte, für welche Produkte gerade ein EU-Siegel beantragt wird, kann die DOOR-Datenbank für geschützte Produktbezeichnungen benutzen. In dieser Datenbank sind auch alle bereits registrierten Produktbezeichnungen mit den vollständigen Antragsunterlagen und dazugehörigen Veröffentlichungen für jedermann kostenlos abrufbar. Aktuell sind in der DOOR 911 registrierte Produktbezeichnungen (davon 479 mit geschützter Ursprungsbezeichnung, 407 mit geschützter geografischer Angabe, 25 garantiert traditionelle Spezialitäten ) eingetragen.
Für die Vorbereitung und Beantragung eines nationalen oder europäischen markenrechtlichen Eintrages sollte unbedingt ein Anwalt für Markenrecht in Anspruch genommen werden. Nur er kann auch verbindliche Auskunft über die Kosten geben, die durch die Eintragung und deren anwaltliche Begleitung entstehen. Allein der amtliche Gebührenanteil kann sich dabei leicht auf mehrere tausend Euro belaufen. Noch viel teurer wird es aber für Markenrechtsverletzer. Sie müssen mit zivil- und strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.
gruuna vor Ort
Lernen Sie uns kennen
Das Anmeldeformular für die gruuna-Präsentationen.
In unserem Stammsitz in der Nähe von Chemnitz haben wir bereits mehrfach Kunden und Interessenten gruuna vorgestellt. Es wurde getestet und diskutiert. Viele Anregungen haben wir übernommen und die Seite entsprechend angepasst. Im März werden unsere Mitarbeiter nun in vier Städten den Landwirtschaftsmarkt vor Ort präsentieren. Bei diesen Veranstaltungen erfahren Sie, welche Vorteile gruuna für Ihr Unternehmen bietet. Über den Blog können Sie sich direkt anmelden.
Die Präsentationen finden am 16. März in Linstow, am 18. März in Grünheide bei Berlin, am 23. März in Erfurt und am 25. März in Wanzleben bei Magdeburg statt. Auch in Grüna bei Chemnitz werden wir gruuna Ende März nochmal vorstellen Es gibt in jeder Stadt am Vormittag und am Nachmittag eine etwa vierstündige Veranstaltung.
Wenn Sie Interesse haben, unsere Mitarbeiter vor Ort kennenzulernen, mehr über gruuna zu erfahren und Ihre Anregungen in die Entwicklung des Landwirtschaftsmarkts einzubringen, können Sie sich mit dem Formular anmelden. Einfach ausdrucken und an uns faxen. Wir werden Ihnen dann die Anmeldung bestätigen. Die Teilnahme an den Veranstaltungen ist kostenlos.
gruuna-Start
Handel auf gruuna ab Sommer 2010
Vor drei Jahren entstand die Idee zu gruuna, den Landwirtschaftsmarkt im Internet. Seit November 2009 erfahren Sie auf unserer Internetseite, welche Funktionen wir einbauen möchten und wie gruuna aussehen wird. Um es klar zu sagen: Die Arbeit an gruuna befindet sich auf der Zielgerade. Alle grundsätzlichen Funktionen sind programmiert und getestet. Trotzdem haben wir unseren Start um einige Wochen verschoben.
Viele Unternehmen aus der Agrarbranche, die überzeugt von der Idee des sicheren, weltweiten Handels im Internet sind, wollen sich endlich auf gruuna registrieren und können es kaum erwarten, ihre Produkte dort zu handeln. In den vergangenen Wochen zeichnete sich aber ab, dass wir mehr Zeit benötigen, um wichtige Anregungen von unseren Kunden umzusetzen.
In den vergangen Monaten haben wir mehrfach landwirtschaftliche Produzenten und Händler eingeladen, um vorläufige Versionen von gruuna zu testen. Anschließend wurde diskutiert: Was für Verbesserungsvorschläge gibt es? Wie kann gruuna noch benutzerfreundlicher, intuitiver und sicherer werden? Welche Funktionen brauchen landwirtschaftliche Betriebe und Händler noch?
Dabei tauchen immer wieder neue Themen auf, die wir für Sie noch vor dem Start lösen wollen. Erst Anfang Februar erfuhren wir von einem Produzenten, wie wichtig etwa für Obsthändler das Kistenpfand ist. Oft ist die Kiste genauso wertvoll wie ihr Inhalt. Beim Handel mit unbekannten Partnern ein Problem. Seit dem arbeiten wir beispielsweise auch an einer Möglichkeit das Pfand abzurechnen, ohne den Preis für den Inhalt der Kisten zu verzerren. Wir überlegen, wie ein Austausch von Pfandkisten stattfinden kann, wenn Käufer und Verkäufer aus unterschiedlichen Ländern kommen. Das ist nur eine der unvorhergesehenen Aufgaben, die während der Entwicklung von gruuna auftreten und Zeit kosten.
Ein anderes Problem ist der Einkauf von Diesel. Landwirtschaftliche Betriebe brauchen für eine Ernteperiode viel Treibstoff. Kauft man den bei gruuna, kann man einen guten Preis pro Liter erzielen. Aber was nutzt das dem Landwirt, wenn er keine Lagerkapazitäten hat? Wird hier ein Zwischenhändler eingeschaltet, erhöht das den Preis für den Käufer. Deshalb arbeiten wir an einer Funktion für gruuna, um festzulegen, dass eine bestimmte Diesel-Menge regelmäßig angeliefert werden muss. Sonst wäre der Einkauf von Diesel auf gruuna für Sie nicht lukrativ.
Wir betreten mit gruuna absolutes Neuland – nicht nur im Agrarbereich. gruuna soll erstmals alle Handelsvorgänge für die Landwirtschaft vereinen. Wir bieten als einziges Handelsportal in diesem Bereich eine strukturierte Datenbank, damit die Eigenschaften aller Artikel in mehreren Sprachen angegeben werden können. Dieses System ist so gestaltet, dass es durch die Handelspartner automatisch erweitert wird. Für jedes denkbare Erzeugnis, Produkt und für jede Handelsart die notwendigen Eingabefelder zu erstellen, und gruuna dabei übersichtlich zu halten, ist sehr aufwändig. Es ist aber notwendig: Wenn jeder seine Artikel komplett individuell beschreibt, könnten wir keine genaue Übersetzung und keinen internationalen Handel bieten.
Grundsätzlich gilt immer: Erst wenn wir alle bedarfsgerechten Funktionen umgesetzt haben, die von Kunden benötigt werden, gehen wir an den Start.
Deshalb hoffen wir, Sie nun im Sommer 2010 zum Start von gruuna als Handelspartner begrüßen zu können. Wir halten Sie auf gruuna.com und mit unserem Newsletter aktuell auf dem Laufenden.
Unfallgefahr
Links abbiegen - ein unterschätztes Risiko
Die Schuldfrage nach einem Unfall beim Links abbiegen ist oft schwer zu klären.
Landwirte und deren Angestellte sind regelmäßig mit Traktoren im Zug mit Anhänger(n) oder angehängten Arbeitsgeräten unterwegs. Solche oft sehr langen und überbreiten Gespanne zeichnen sich naturgemäß durch ein höheres Betriebsrisiko aus als etwa ein Pkw.
Eben weil solche Traktoren oder Traktorenzüge oft sehr schwer sind, sind sie auch wesentlich langsamer auf den Straßen unterwegs als die anderen Verkehrsteilnehmer. Vor allem in den Frühjahrs- und Sommermonaten reihen sich Autos und Motorräder hinter Traktoren wie auf einer Perlenkette auf, die sich langsam über schmale Landstraßen schlängelt. Hier droht Gefahr.
Da es viele ungeduldige Menschen gibt, versuchen immer wieder einzelne Fahrer die komplette Kolonne zu überholen. Dafür benötigen sie viel Tempo – und genau diese hohen Geschwindigkeiten führen zu schweren Unfällen, wenn der Traktor am Beginn der Kolonne just in diesem Moment nach links, etwa auf ein Feld, einbiegen will. Hier kommen oft viele unglückliche Umstände zusammen: Der Überholende übersieht auf Grund der hohen Geschwindigkeit den Blinker des Schleppers, der Schlepperfahrer übersieht das schnell von hinten aufschließende Fahrzeug. So kommt es immer wieder zu schwersten Unfällen mit oftmals tödlichem Ausgang. Beim Aufprall auf die massiven Schlepper haben PKW-Insassen und Motorradfahrer kaum Chancen.
Natürlich haben solche schweren Unfälle auch immer ein juristisches Nachspiel.
Die Frage »Wer ist hier der Schuldige?« lässt sich nur nach genauer Abwägung aller Umstände des Einzelfalls und nicht generell beantworten. Im Dezember 2000 musste sich beispielsweise das Oberlandesgericht Nürnberg mit einem solchen Fall beschäftigen. Dort kamen die Richter zu folgendem Ergebnis:
»Kommt es auf einer Landstraße zwischen einem nach links in einen für den nachfolgenden Verkehr schwer erkennbaren Feldweg abbiegenden Traktor und einem gleichzeitig überholenden Kraftfahrer zu einer Kollision, rechtfertigt dies eine Haftungsverteilung von 60 zu 40 Prozent zu Lasten des Traktorfahrers, wenn von dem Überholenden nicht bewiesen werden kann, ob der Traktorfahrer vor dem Abbiegen den linken Blinker gesetzt hat.« (Urteil des OLG Nürnberg vom 14.12.2000 2 U 2634/00)
Bei solchen Entscheidungen wird die besonders hohe Betriebsgefahr von landwirtschaftlichen Zugmaschinen – die unter Umständen mit Anbaugeräten bestückt sind – berücksichtigt. Deshalb fällt, wie im obigen Beispiel, das Urteil meist zu Ungunsten des Schlepperfahrers aus. Allerdings gibt es auch Fälle, in denen die Schuld allein den Überholenden trifft. Solch ein Urteil hat das Landgericht Erfurt im November 2006 gefällt:
In diesem Fall wollte ein Traktorfahrer links abbiegen. Hinter ihm hatte sich eine lange Kolonne von ungefähr 20 Fahrzeugen gebildet. Ein Autofahrer hatte die Kolonne auf der Gegenfahrbahn links überholt, an einer Verkehrsinsel vorbei. Auch ein Überholverbots-Schild brachte ihn nicht dazu, wieder in die Kolonne einzuscheren. Als der Traktor hinter der Verkehrsinsel links abbog, stieß der Autofahrer mit dem Traktor zusammen.
Der überholende Autofahrer war davon überzeugt, dass den Traktorfahrer ein Mitverschulden an dem Unfall treffen muss. Die Richter am Landgericht Erfurt sahen das anders: Den Linksabbieger treffe zwar eine besondere Sorgfaltspflicht für den rückwärtigen Verkehr. Um dieser besonderen Sorgfaltspflicht genüge zu tun, habe er eine doppelte Rückschaupflicht (doppelter Schulterblick), und dies auch an solchen Stellen, wo Überholverbot herrscht.
Der doppelte Schulterblick ist aber laut Meinung des Gerichtes dann nicht notwendig, wenn eine Gefährdung des rückwärtigen Verkehrs technisch unmöglich oder das Verhalten des überholenden Unfallgegners besonders verkehrswidrig sei. Die Richter entschieden, dass ein Überholen innerhalb eines Überholverbotes unter gleichzeitiger Umfahrung einer Verkehrsinsel grob verkehrswidrig ist und somit eine Mithaftung des Schlepperfahrers entfällt. (Urteil des Landgerichts Erfurt vom 24. November 2006; Az.: 10 O 1309/05)
Man kann alle Verkehrsteilnehmer nur immer wieder auffordern, solche riskanten Überholmanöver zu unterlassen und die Schlepperfahrer ständig motivieren, lieber zweimal über die linke Schulter zu blicken, bevor man den Traktor auf das Feld steuert.
“Es gibt spezielle Bedürfnisse und Anforderungen in der Agrarbranche”
Ronald Peiter. Foto: gvf
Mit Versicherungen beschäftigen sich die meisten Menschen nur ungern. Landwirte sind da keine Ausnahme. Doch auch sie treffen die sinkenden staatlichen Renten. Ohne private und betriebliche Vorsorge wird kaum ein Angestellter in der Agrarbranche genug Geld im Alter haben. Wir haben über das Thema mit Ronald Peiter gesprochen. Für die gvf VersicherungsMakler AG, die Muttergesellschaft von gruuna, berät er Landwirtschaftsbetriebe seit 18 Jahren über die betriebliche Altersvorsorge. Gerade Beschäftigte in der Agrarbranche haben besondere Anforderungen bei der Altersvorsorge, sagt Peiter.
Welche langfristigen Versicherungen sind für einen Angestellten in der Agrarbranche sinnvoll?
Ein Arbeitnehmer in einem größeren Landwirtschaftsbetrieb in den Neuen Bundesländern verdient durchschnittlich etwa 18.000 Euro brutto im Jahr, lebt auf dem Land, in einem eigenen älteren Haus, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Die Frau arbeitet in der Regel nicht Vollzeit. Er braucht eine private Altersversorgung und wenn es geht auch eine betriebliche. Eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit ist ebenfalls sehr wichtig für ihn. Gerade weil er so wenig verdient. Und: Wenn der Angestellte in seinem Beruf nicht mehr arbeiten kann, findet er auch keinen anderen Job in der Gegend. Er ist weit weg von der Stadt und hat eine sehr spezialisierte Ausbildung.
Jeder Angestellte zahlt bereits in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Wieso sollte jemand aus der Agrarbranche – der sowieso ein relativ geringes Gehalt hat – noch in eine private Vorsorge investieren?
Die staatliche Rente, zuletzt reformiert vor knapp drei Jahren, ist nur noch eine Grundabsicherung – eine Absicherung für das Alter auf Sozialhilfeniveau. Ein Arbeitnehmer, der mit 63 in Rente gehen will, bis dahin 40 Jahre gearbeitet hat und für den das neue Regelpensionsalter von 67 Jahre gilt, der ist heute 46 Jahre oder jünger. Der wird etwa 560 Euro Rente bekommen. Das reicht nicht, um den Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Man braucht mindestens 450 bis 500 Euro zusätzliche Einkünfte monatlich bis zum Lebensende.
Ist das überhaupt zu schaffen für einen Angestellten, der heute 40 ist und die angesprochenen 18.000 Euro verdient?
Unter diesen Voraussetzungen ist es sicher schwierig, aber es lohnt sich auf jeden Fall, auch für Ältere. Vor allem, weil es geförderte Altersvorsorgeformen gibt. Das ist zum einen die Umwandlung von Arbeitsentgelt in der betrieblichen Altersvorsorge. Im Privatbereich wird die Riester-Rente gefördert. Das lohnt sich, auch wenn der 40-Jährige erstmal das aufholen muss, was ihm in zwanzig Jahren entgangen ist.
Wie viel Prozent von seinem Einkommen sollte ein Angestellter denn für die Altersvorsorge zurücklegen?
Wenn man nur die Verringerung der staatlichen Rente ausgleichen will, die sich aus der Reform von 2002 ergibt, dann wird empfohlen, acht Prozent des Bruttoeinkommens in die Altersvorsorge zu investieren. Damit habe ich ein Versorgungsniveau von ungefähr 70 Prozent meines letzten Netto-Einkommens.
Kann eigentlich jeder Angestellte aus dem Agrarbereich die betriebliche Altersvorsorge nutzen?
Die arbeitgeberfinanzierte Form der betrieblichen Altersvorsorge ist eine freiwillige Leistung des Betriebs. Sie wird aber zu einer Pflichtveranstaltung, wenn der Betrieb tarifgebunden arbeitet. Auf die Entgeltumwandlung, also der arbeitnehmerfinanzierten betrieblichen Altersvorsorge, hat jeder rentenversichert beschäftigte Arbeitnehmer in Deutschland einen Rechtsanspruch.
Bei dieser Altersvorsorge werden bis zu vier Prozent des Einkommens nicht ausgezahlt, sondern direkt in eine Rentenversicherung investiert. Warum ist das für einen Angestellten besser, als das Geld selbst anzulegen?
Die vier Prozent, die man privat investiert, hat man versteuert und darauf Sozialversicherungsbeiträge bezahlt. Mit der betrieblichen Altersvorsorge spart man also rund 60 Prozent, die nicht vorher abgezogen werden.
Was passiert, wenn ich eine solche Altersvorsorge abschließe und dann den Arbeitgeber wechsele?
Wenn man die Versicherung komplett selbst als Arbeitnehmer finanziert hat, hat man einen Anspruch darauf, den Vertrag mitzunehmen. Man kann ihn auch beim neuen Arbeitgeber weiter laufen lassen. Wenn man arbeitslos ist, kann man ihn privat weiterführen oder beitragsfrei ruhen lassen.
Wenn ich als Angestellter in einem Agrarbetrieb in die betriebliche Altersvorsorge einsteigen will: Wer kann mich dort beraten?
Der erste Weg führt immer zu demjenigen, der die Lohnabrechnung macht. Wenn derjenige nicht weiterhelfen kann, wendet man sich an jemanden, der sich mit der betrieblichen Altersvorsorge auskennt. Dieser wiederum sollte mit der landwirtschaftlichen Struktur, den Arbeitsweisen dieser Branche, usw. vertraut sein. Denn es gibt spezielle Bedürfnisse und Anforderungen, zum Beispiel weil Mitarbeiter im Winter entlassen werden. Die Arbeit ist sehr hart, die wenigsten wollen oder können bis zum normalen Renteneintrittsalter von 67 arbeiten. Das muss in dem Vertrag berücksichtigt werden.
Kundenveranstaltungen
Erzeuger und Händler testen gruuna
XING-Mitglieder beim Test von gruuna.
Wir haben hier und hier schon über Testtage geschrieben. Schon mehrfach haben wir eine Testversion von gruuna verschiedenen Interessierten aus der Agrarbranche vorgestellt. Auch in dieser Woche haben Landwirte und Händler in Grüna bei Chemnitz gruuna ausprobiert. Von dem Konzept des Landwirtschaftsmarkts im Internet waren die Besucher überzeugt und gaben uns interessante Anregungen zur Verbesserung zum Beispiel beim Lebendtierhandel mit Schweinen und Hühnern.
Am Donnerstag kamen drei Mitglieder der XING-Gruppe Agrarmarketing zu unserer Testveranstaltung. Für uns war besonders wichtig, dass die Gäste in unterschiedlichen Bereichen der Landwirtschaft arbeiten. Magdalena Weber ist Vermittlerin zwischen bayerischen Schweinebauern und tschechischen Schlachthöfen (bzw. umgekehrt), Martin Otters Landwirt aus Bayern, der auch einen Betrieb bei Schmölln hat und vor allem Marktfrüchte erntet. Sarah Kretschmar übernimmt in der Nähe von Chemnitz den Hof ihrer Eltern, hat sich dort auf den Vertrieb von Eiern spezialisiert und möchte in Zukunft auch Brot vertreiben. Mit ihren Eltern hat sie auch kurzzeitig in der Ukraine Land bewirtschaftet.
Weil sie verschiedene Anforderungen an die zukünftige Nutzung von gruuna haben, entwickelte sich nach dem Test eine lebhafte Diskussion. Vor allem der Handel mit ausländischen Partnern wurde diskutiert. Auch über die Frage, wie ein „Mustertier“ über gruuna verkauft werden kann, wenn es später erst vom Schlachthof abgerechnet wird, wurde gesprochen.
Am Freitag war der Vorstand der Erzeugergemeinschaft Chemnitztaler Qualitätsgetreide bei uns. 35 Betriebe sind Mitglied der Erzeugergemeinschaft, sie hat sich auf den Handel mit Getreide, Brotgetreide, Raps und Futtergetreide spezialisiert. Die sieben Vorstände informierten sich dementsprechend besonders über den Handel mit Getreide.
Um gruuna noch bekannter zu machen, planen wir im März weitere Testveranstaltungen in verschiedenen Städten Ostdeutschlands.
Gemeinsam stärker?
Unternehmenskooperationen in der Landwirtschaft
Wettbewerb – das ist der Begriff mit zentraler Bedeutung für jeden Unternehmer. Nicht zuletzt auch für den in der Landwirtschaft. Landwirte sehen sich heute einem zunehmend intensiveren Wettbewerb ausgesetzt. Die Globalisierung wirkt mittlerweile auch hier deutlich: EU-Vorschriften beeinflussen den deutschen Agrarsektor maßgeblich, die Technologieentwicklung beschleunigt sich immer stärker, Fixkosten steigen auf Grund der erhöhten internationalen Nachfragesituation. Es gestaltet sich immer schwieriger, diese zahlreichen Einflüsse als Einzelunternehmen zu beherrschen. Deshalb wurde in den letzten Jahren – nicht nur in der Landwirtschaft – den Ideen und Ansätzen der Unternehmenskooperationen wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt.
Gemeinschaft hilft kleinen und mittelständischen Agrar-Unternehmen ihre eigene Position zu stärken – und das gilt nicht nur für Ein- und Verkauf, sondern zum Beispiel auch für den Wissenstransfer zwischen den Unternehmen, für die bessere Auslastung der eigenen Kapazitäten und die Ausnutzung weiterer Kostensenkungspotentiale etc. Ist eine offene Kommunikation zwischen den kooperierenden Unternehmen Grundlage der Zusammenarbeit, entsteht im Idealfall eine win-win-Situation.
In der Landwirtschaft sind biespielsweise Einkaufsgemeinschaften schon seit Jahren Realität. Beim Einkauf von Düngern und Pflanzenschutzmitteln können so durch größere Bestellungen bessere Preise erzielt werden. Vor allem in der Tierproduktion sind Erzeugergemeinschaften üblich: Viele Produzenten finden sich zusammen und verbinden vorhandene Distributionsnetze, um sich so u.a. gemeinsam neue Vertriebskanäle zu erschließen. Gemeinsam können Markteintrittsbarrieren überwunden werden, die ein Unternehmen alleine nicht meistern könnte. Investitionen in notwendige Technik können auf mehrere Schultern verteilt und vorhandene Betriebsmittel effizienter genutzt werden.
Kooperationen helfen auch, völlig neue Ideen und Ansätze zum Leben zu erwecken und ungewöhnliche Wege zu gehen – sei es direkt im Vertrieb, im Marketing oder bei der Entscheidung zur Produktion von Nischenprodukten. Das Risiko eines Misserfolgs wird dadurch zwar nicht kleiner, aber auf mehrere Unternehmen verteilt. Entstehende Verluste werden so für keinen der Beteiligten Existenz bedrohend.
Wie kann gruuna helfen, Kooperationen zu fördern und Landwirtschaftsbetriebe erfolgreicher zu machen?
gruuna wird in Zukunft die Möglichkeit bieten, Online-Shops einzurichten. Das ist der perfekte Ansatz, gemeinsam mehr Absatz zu generieren! Nutzen Sie die Gelegenheit und kooperieren Sie mit anderen landwirtschaftlichen Produzenten, die das gleiche oder ein ähnliches Produktportfolio haben. Bilden Sie eine Absatzgemeinschaft und richten Sie sich dann gemeinsam einen Online-Shop auf gruuna.com – dem Landwirtschaftsmarkt im Internet – ein.
Sie profitieren automatisch von einem breiteren Angebot, als Sie es als einzelnes Unternehmen bieten könnten. So werden auch Handelspartner auf Sie aufmerksam, die im Onlineshop auf der Suche nach ganz anderen Produkten gewesen sind. Zusätzlich nutzen Sie auf gruuna weiterhin den Vorteil, dass Sie international anbieten und verkaufen können: Ein nicht zu verachtender Wettbewerbsvorteil gegenüber ausschließlich regional bzw. national agierenden Unternehmenskooperationen und Einzelunternehmen.
Aber auch bereits bestehenden Kooperationen bietet gruuna den passenden Rahmen, noch besser zu werden: Einkaufsgemeinschaften können etwa Ihren Bedarf gezielt auf gruuna.com ausschreiben. Auch hier gilt wieder: Die Internationalität von gruuna sichert Vorteile bei der Suche nach dem besten Angebot.
Wie stehen Sie zu der Thematik? Machen strategische Kooperationen in der Landwirtschaft Sinn? Welche Erfahrungen haben Sie gesammelt?
Exotische Zucht
Garnelen - Fangfrisch aus Niedersachsen
Das Erzeugnis von Heinrich Schäfers Hof: Riesengarnelen. Foto: www.garnelenhof.de
Riesengarnelen sind aus der modernen Küche nicht mehr wegzudenken. Auch in Deutschland finden die Meerestiere immer mehr Käufer – allerdings nur als Importware, tiefgefroren, manchmal mit fragwürdiger Herkunft. Ein deutscher Landwirt versucht, die Exoten in Niedersachsen zu züchten und will sie von dort direkt an Restaurants und Gourmets verkaufen. Im großen Stil.
Die Kollegen von Spiegel Online berichten heute, nach vielen anderen Medien, über Heinrich Schäfer. Er kommt aus der Nähe von Bremen und lässt seine ehemalige Traktorenhalle zu einer Garnelenfarm herrichten. 170.000 Tiere reifen dort gleichzeitig, verteilt auf vier verschiedene Lebensphasen. Fünf Monate dauert es, bis sie geerntet werden können, berichtet die Epoch-Times. Importiert hat der Landwirt die Larven für den Start der Zucht aus Florida.
Heute stammen die Tiere, die auf deutschen Tellern landen, noch aus Zuchtfarmen in Asien oder Lateinamerika. In Europa gibt es nur wenige solche Monokulturen etwa in Griechenland und anderen Mittelmeerländern, allerdings unter freiem Himmel. Angeblich verspricht die exotische Idee dem Landwirt aus Niedersachsen einen hohen Gewinn: Bis zu zu 40 Euro pro Kilo möchte er im Eigenvertrieb pro Kilo Garnelen erlösen, sagte Schäfer dem Hamburger Abendblatt. 75 Kilo müsste er pro Tag verkaufen, damit sich die Zucht lohnt. Ein einzelnes Tier wiegt übrigens nur etwa 25 Gramm.
„Wenn man heute als Landwirt bestehen will, dann muss man sich was einfallen lassen«, sagte Schäfer Spiegel Online. Könnte die Idee also auch andere Landwirte inspirieren? Die Vorraussetzungen hätten viele. Neben der leeren Halle brachte die eigene Biogasanlage Schäfer auf die Idee der Garnelenzucht. Die Wärme der Anlage verpuffte in den vergangenen Jahren ungenutzt – jetzt soll sie das Wasser der Tiere auf konstant 31 Grad halten. Damit spart der Landwirt Heizkosten und kann die staatliche Förderung für die Biogasanlage erhöhen.
Die Anfangsinvestition liegt nach Schäfers Angaben dennoch bei gut 700.000 Euro. Und das Risiko bleibt. Kleinste Temperaturschwankungen, Veränderungen des Salzgehalts im Zuchtwasser und Probleme bei der Fütterung könnten das Projekt scheitern lassen. In nur wenigen Wochen hat Schäfers Sohn Marco sich die wichtigsten Grundlagen für die Zucht in Amerika erklären lassen. Doch ob das reicht? Die Internetseite von Schäfers Garnelenhof findet sich hier.
Seifersbacher Land AG
Neue Wege bis nach Polen
Ullrich Kolbe
„Es waren fünf harte Jahre“, sagt Ullrich Kolbe heute. Schon Mitte der 90er Jahre versuchte der Vorstandsvorsitzende der Seifersbacher Land AG das erste Mal, eine Tochterfirma in Polen aufzubauen. Ohne Erfolg. Erst im zweiten Anlauf klappte es 1997, insgesamt 900 Hektar pachteten die Sachsen aus Seifersbach im polnischen Sienno. Doch mit den bürokratischen Hürden waren noch lange nicht alle Probleme aus dem Weg geräumt.
»Unsere Idee war, etwas zu tun, das den Rahmen sprengt“, erinnert sich Kolbe. Vor dem EU-Beitritt Polens war der Schritt nach Osteuropa schon wegen der Grenzkontrollen schwierig. Alle Betriebsmittel, die von Deutschland nach Polen gingen, mussten durch den Zoll – alle Erzeugnisse, die den Weg in die andere Richtung nehmen sollten, ebenfalls. Auch wenn sich das 2004 mit dem Beitritt Polens zur Europäischen Union von selbst löste: Viele Schwierigkeiten musste Kolbe vor Ort anpacken.
Der Acker des Pachtlands in Sienno war zwar schon vor der Übernahme bewirtschaftet. Die Grundfruchtbarkeit fehlte jedoch. „Das hat fünf Jahre Arbeit gebraucht“, sagt Kolbe. „Vor allem kostete es Geld und Kraft.“
Auch um die Akzeptanz in dem Dorf musste man kämpfen: Sprachprobleme und Misstrauen machten es den Deutschen schwer, Fuß zu fassen. „Inzwischen haben wir jedoch einen festen Platz im Dorfleben.“ Beim Feuerwehrfest und anderen Dorffesten sei man präsent. Der Verwalter, ein deutscher Agraringenieur, spricht Polnisch. „Er ist seit zehn Jahren in Sienno und hat auch eine Polin geheiratet“, sagt Kolbe. Die sechs anderen Angestellten sind alle Polen.
Das Engagement im Ausland hält der Vorstandsvorsitzende für gelungen. „Der Standort ist ein wichtiges Standbein unseres Unternehmens“ – und das, obwohl man dafür nur rund zwei Drittel der hier gezahlten Betriebsprämien bekommt. Raps aus Sienno wird in Deutschland vermarktet, wenn möglich auch Futtergetreide. In Deutschland bewirtschaftet die AG insgesamt 1800 Hektar.
Doch nicht nur mit dem Schritt nach Polen hat die Firma gezeigt, dass sie neue Wege beschreiten will. 2007 wurde die Sauenanlage saniert und neu populiert. Die Landwirte kauften jedoch keine dänischen Sauen – wie sie in Sachsen üblich sind – , sondern Tiere aus Frankreich. Der Erfolg gibt Kolbe und seinen Mitarbeitern Recht: Pro Jahr bringt jede Sau über 28 Ferkel. Vor der Umstellung waren es nur 24.
Das Unternehmen hat vor zwei Jahren außerdem in eine Biogasanlage mit 475 KW Leistung investiert. Der erzeugte Strom wird ins Netz eingespeist, die Wärme heizt die Ställe. 60.000 Euro spart der Betrieb nun pro Jahr an Kosten für Heizöl oder Flüssiggas.
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Ökomenta 2009
Kunst im Feld
Das Schachbrett auf dem Feld. Foto: Agentur Freistil Halle/www.oekomenta09.de
Landwirtschaft und Kunst haben auf den ersten Blick nicht viel gemein. Das bodenständige, anstrengende Arbeiten in einem Agrarbetrieb und die Welt der großstädtischen Künstler scheinen zu weit auseinander zu liegen. In Sachsen-Anhalt bewies die Ökomenta, dass es doch eine erstaunliche Schnittmenge gibt. Es entstanden Kunstwerke auf Äckern, zumeist erdacht von Landwirten und umgesetzt im Einklang mit der Natur. Sichtbar wurde die Perfektion ihrer Bilder jedoch nur aus der Luft.
Landwirte aus 30 Orten in Sachsen-Anhalt beteiligten sich an der Aktion. Wie Ralf-Peter Weber, einer der Projektkoordinatoren, gruuna sagte, gab es kaum Vorgaben für sie. „Was die Bauern machten, waren ihre eigenen Ideen. Auch, wie sie es umsetzten. “
So entstand ganz unterschiedliche Landschaftskunst. In der Nähe von Eisleben wuchs in einem Getreidefeld die Lutherrose, das „Siegel“ des Reformators Martin Luther. Ein Landwirt säte unterschiedliche Blumensamen aus seinem GPS-gesteuerten Schlepper mit Drillmaschine, die das farbige Bild entstehen ließen. Der Betreiber eines Hofs in der Altmark schuf ein Schachbrett auf seinem Feld, ein Landwirt aus Wust grubberte einen Kuhkopf in sein Stoppelfeld. Auch in Weinbergen oder zwischen Wirtschaftsgebäuden entstand Kunst.
Die Landwirte für die Teilnahme an der Ökomenta zu begeistern, sei nicht besonders schwer gewesen, erinnert sich Weber. „Es braucht die Initialzündung von ein, zwei Landwirten. Wenn einer in einem Landkreis mitmacht, finden sich schnell mehr.“ Ursprünglich sei das Projekt für 25 Teilnehmer ausgelegt gewesen, am Ende beteiligten sich über 30 Landwirte und Betriebe. „Die meisten Flächen wurden trotzdem landwirtschaftlich genutzt. Teilweise entstanden die Bilder erst nach der Ernte“, sagt Weber. Trotzdem musste man sich der Natur unterordnen. »Man konnte vorher nicht immer wissen, was raus kommt, wenn zum Beispiel die Saat nicht aufgeht.«
Die meisten Kunstwerke waren vom Boden aus nicht zu überblicken. Sie wurden nach der Fertigstellung fotografiert und sollen dieses Jahr in einer Wanderausstellung in Sachsen-Anhalt zu sehen sein. Außerdem gibt es eine Homepage, auf der alle Luftbilder zu sehen sind und sich die Landwirte vorstellen. Laut Weber gibt es zumindest in Thüringen inzwischen die Idee für ein ähnliches Projekt. Und auch Sachsen-Anhalt profitiert weiter weiter von der Aktion: Einige Orte wurden zu »Ökomenta-Dörfern«, in denen nun künstlerische Dorfentwicklungspläne umgesetzt werden sollen.
Biosphärenreservat Schaalsee
Für Leib und Seele
Mit der regionalen Herkunft werden zunehmend landwirtschaftliche Produkte beworben. Abseits von international bekannten Marken – wie dem Schinken aus Parma oder dem Champagner – gibt es auch in Deutschland über ein Dutzend Gebiete, die das sogenannte Regionalmarketing betreiben. In unserem Blog stellen wir sie vor und berichten, wie Landwirte und Lebensmittelproduzenten von den Regionalmarken profitieren können. Heute schauen wir nach Norddeutschland, in das Biosphärenreservat Schaalsee. Und klären, was für Vorraussetzungen ein Betrieb erfüllen muss, um mit dem Siegel der Region werben zu dürfen.
Das Biosphärenreservat Schaalsee liegt in einem gedachten Rechteck zwischen Hamburg, Lübeck, Wismar und Schwerin, direkt an der Landesgrenze von Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein. Es umfasst ein Areal von knapp 30.900 Hektar (309 Quadratkilometer) östlich des namensgebenden Schaalsees.
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Bereits seit 1958 sind der Schaalsee und die angrenzende Landschaft geschützt. Der stetig ausgebaute Schutz von Landschaft und Natur – begünstigt, durch die ruhige Lage im ehemaligen deutsch-deutschen Grenzgebiet – gipfelte 1990 in der Schaffung des Naturparks Schaalsee. Zehn Jahre später, im Jahr 2000, wurde der Naturpark Schaalsee schließlich von der UNESCO in den Rang eines Biosphärenreservats erhoben. Ein solches Reservat soll einen einzigartigen Lebensraum bewahren. Dazu ist mehr als der Schutz der typischen Flora und Fauna nötig.
Für den Erhalt der über Jahrhunderte geprägten Kulturlandschaften ist eine Förderung der an die speziellen Erfordernisse des Reservats angepassten Landwirtschaft und Lebensweise nötig. Aus diesem Grund trieben im Jahr 1998 einige engagierte Direktvermarkter wie der Schnuckenschäfer Detlef Moor und die Naturparkverwaltung die Schaffung einer Regionalmarke voran. „Biosphärenreservat Schaalsee – Für Leib und Seele“ ist seitdem Motto und Siegel der angeschlossenen Betriebe, zu denen nicht nur landwirtschaftliche Unternehmen zählen. Weil einige an das Biosphärenreservat angrenzende Gemeinden in die Vergaberegion einbezogen wurden, ist das Vergabegebiet der Regionalmarke doppelt so groß wie das Biosphärenreservat selbst, schätzt Wolfram Lindenkreuz vom Amt für das Biosphärenreservat Schaalsee. Der Diplomforstwirt ist Dezernent für Besuchermanagement und Regionalentwicklung und verwaltet die Regionalmarke mit.
Betriebe, die Inhaber der Regionalmarke werden wollen, müssen sich nach einem branchenspezifischen Katalog mit einem umfangreichen Punktesystem prüfen lassen. Die Einhaltung der Kriterien wird in jährlichen Begehungen kontrolliert. Für Landwirtschaftsbetriebe ist eine Zertifizierung des Unternehmens nach dem
QS-Prüfsystem Grundvoraussetzung. Darüber hinaus belohnt die lokale Vergabe-Jury eine extensive, ökologische Produktionsweise und die Mitgliedschaft in den entsprechenden Erzeugerverbänden mit einer höheren Bewertung. Jedoch sind die Vergabekriterien bewusst so gewählt, dass auch QS-zertifizierte Betriebe mit konventioneller Produktionsweise die Regionalmarke tragen können, betont Lindenkreuz im Gespräch mit gruuna.
Fragt man Wolfgang Lindenkreuz nach seiner persönlichen Lieblingsspezialität der Region, muss er nicht lange überlegen. „Käse“, lautet die prompte Antwort. Handwerkliche Molkereien und Käsereien verarbeiten die Milch von Kühen, Schafen und Ziegen der Region. Damit würde ein wichtiger Beitrag zur Landschaftspflege geleistet. Die entstehenden Käsesorten lobt Lindenkreuz durchweg als „hochwertig“. Sie seien ein echtes Produkt der Region und würden wunderbar zum Biosphärenreservat Schaalsee passen.
Heute tragen 16 Unternehmen aus dem Bereich Landwirtschaft, Logistik und Lebensmittel-Verarbeitung das Siegel der Regionalmarke „Biosphärenreservat Schaalsee – Für Leib und Seele“. Sie arbeiten überwiegend aus der Region für die Region und vermarkten meist ab Hof oder im Direktvertrieb auf Märkten. Die Träger der Regionalmarke produzieren heute Milch, Käse und Fleisch von Rindern, Schafen und Ziegen sowie Getreide, Futter, Obst, Gemüse und Honig Aber auch überregional orientierte Unternehmen wie die Gut Gallin GmbH (http://www.gutgallin.de/) gehören zu den Trägern der Regionalmarke. Der Betrieb wirtschaftet auf 1100 Hektar. Angebaut werden Getreide, Leguminosen, Futter und Gemüse. Rind- und Schweinefleisch werden in einer eigenen Hofschlachterei verarbeitet und verkauft.
Durch die relativ geringe Zahl der Markenträger und die sehr unterschiedlichen Betriebsstrukturen lässt sich der Erfolg der Regionalmarke nur schwer in konkreten Zahlen ausdrücken, bedauert Wolfgang Lindenkreuz. Einfacher sei es bei den Touristikern unter den Inhabern der Regionalmarke. In diesem Bereich ließe sich der Effekt der Regionalmarke an steigenden Gästezahlen ablesen. Dies mag daran liegen, dass das Amt für das Biosphärenreservat Schaalsee die Regionalmarke „Für Leib und Seele“ regelmäßig auf Messen und Ausstellungen präsentiert. Dementsprechend wächst die Zahl der Mitglieder aus dem Touristiksektor schnell, während die Zahl der landwirtschaftlichen Betreibe eher stagniert. Der Dezernent für Regionalentwicklung ist dennoch überzeugt, dass die landwirtschaftlichen Betriebe durch eine engere Verknüpfung mit der lokalen Gastronomie in Zukunft stärker von der Regionalmarke profitieren können. „Hier sehe ich das größte Verbesserungspotenzial“, ergänzt Wolfgang Lindenkreuz optimistisch.
Der erste Blog-Eintrag zum Thema Regionalmarketing beschäftigte sich mit der Regionalmarke Eifel.
Testtag
Maschinenhändler lernen gruuna kennen
Harald Herrmann von gruuna erklärt den Landwirtschaftsmarkt im Internet.
In dieser Woche gab es im gruuna-Blog wenig Bewegung. Gestern waren Kunden bei uns in Grüna zu Gast, die sich über den Landwirtschaftsmarkt im Internet informierten und ihn testeten. Für uns bedeutete das viel Vorbereitungszeit. Wir konnten die Kunden, vor allem Maschinenhändler und Erzeuger, von unserer Idee überzeugen. Außerdem erhielten wir viele Anregungen zur Verbesserung und Erweiterung von gruuna.
„Ich bin begeistert von eurem Elan und Mut, so etwas auf die Beine zu stellen“, sagte Erik Unger, der über unsere XING-Gruppe zu der Testveranstaltung eingeladen wurde, nach dem Test. Der Diplom-Agraringenieur fand besonders spannend, dass man auch langfristige Geschäfte über gruuna abwickeln kann und damit eine Ergänzung zum Handel über die Warenterminbörsen hat. „Immerhin kann auf gruuna ein Erzeugnis verkauft und der Liefertermin auf die Zeit nach der Ernte festgelegt werden.“
Die Maschinenhändler waren am Anfang des Testtages skeptisch eingestellt. Der Gebietsschutz beim Handel mit Neumaschinen vieler Hersteller sichert ihnen einen festen Absatzmarkt – und sorgt gleichzeitig für Probleme beim überregionalen Verkauf. Zudem gibt es bereits eine Reihe von Anzeigenportalen, in denen sie ihre Maschinen anbieten können.
gruuna bietet ihnen jedoch Vorteile. Anders als bei einem Anzeigenportal ist bei unserem Geschäftsmodell die Maschine mit einem Mausklick sofort verkauft. Zwar summieren sich bei einem teuren Produkt die gruuna-Gebühren von 1,53 bzw. 1,71 Prozent zu höheren Kosten als der Preis einer Anzeigenschaltung. Dafür entfallen bei uns aber zeitaufwändige Verkaufsverhandlungen, denn die Handelsbedingungen der Händler werden mit dem Kauf akzeptiert. Außerdem gibt es keine Rabatt-Verhandlungen (die oft deutlich mehr als 1,71 Prozent Abschlag bedeuten) und keine Interessenten, die sich auf mehrere Angebote melden um dann mit verschiedenen Händlern zu verhandeln.
Auch die Option Sicherer Handel überzeugte die Maschinenhändler: Transportschäden oder Zahlungsausfall werden damit abgesichert. Käufer, die am Sicheren Handel teilnehmen, zahlen entweder per Vorkasse oder sind durch einen Warenkreditversicherer geprüft. Damit entsteht sofort eine höhere Vertrauensbasis, als beim anonymen Kontakt über ein Anzeigenportal. „Hier minimiert man das Risiko, dass es beim Handel mit ausländischen Kunden auf jedem Portal gibt“, war Danilo Heller, Landmaschinenhändler von der Firma LTZ aus Chemnitz, am Nachmittag überzeugt.
Der Testtag sollte jedoch nicht nur Werbung für gruuna sein. Wir wollten wissen: Was für Fragen tauchen zu dem Konzept des Landwirtschaftsmarkts auf? Welche Probleme sehen die Händler? So wurde ausführlich darüber diskutiert, was passiert, wenn eine Maschine während des Angebots auf gruuna anderweitig verkauft wird. Die Antwort: Jedes Produkt kann problemlos und kostenlos wieder von unserer Plattform gelöscht werden, so lange noch niemand darauf geboten hat.
Ein anderes Gesprächsthema war das fehlende Bewertungssystem auf gruuna. Bewusst haben wir uns dafür entschieden, auf nachträgliche Bewertungen zu verzichten. „Bei den Landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die sehr viele verschiedene Eigenschaften haben, kann es schnell zu minimalen Abweichungen kommen“, erklärte Harald Herrmann von gruuna. „Es besteht die Gefahr, dass es zu negativen Bewertungen kommt, obwohl das verkaufte Erzeugnis nur geringe Abweichungen hat, die ein anderer Käufer problemlos akzeptieren würde.“
Einen dazu passenden Vorschlag aus der Runde werden wir jedoch weiter diskutieren: Nach dem Handel können sich Käufer und Verkäufer und per Mail zum Ablauf des Geschäfts äußern. Wir werden das intern auswerten – und Probleme zwischen den Unternehmen lösen.
Private Gärtner auf dem Hof
Zusatzeinkommen durch Ackervermietung
Foto: www.gartenglueck.info
Groß- wie Kleinbauern stehen häufig vor den selben Problemen: Was mache ich mit einer Ackerfläche, die ich im Moment nicht selbst nutzen kann? Und wie bekomme ich mehr Kunden für die Produkte meines Hofes?
Auf den ersten Blick scheinen Brachflächen und Direktvermarktung nicht viel miteinander zu tun zu haben. Eine interessante Lösung für beide Fragen auf einmal möchten wir hier zur Diskussion stellen.
Selbsternte auf Parzellen
Das Zauberwort heißt Ackerparzellierung. Die Idee ist simpel: Eine ungenutzte Ackerfläche wird saatbereit gemacht, in kleine Parzellen aufgeteilt und für ein Jahr an private Gemüsegärtner verpachtet. Diese haben freien Zugang zu ihrer Parzelle, pflegen ihren Garten und ernten ihr eigenes Gemüse. Natürlich eignet sich das eher für kleine landwirtschaftliche Betriebe in der Nähe einer Großstadt. Aber auch Genossenschaften oder Großbetriebe könnten darüber nachdenken, kleine Bereiche ihrer Fläche für Schulgärten oder ähnliche Projekte freizugeben.
Potenzielle Kunden für solche Programme gibt es viele. In urbanen Bereichen leben etliche junge Familien, die die Natur vermissen und mit ihren Kindern liebend gerne mehr Zeit im Freien verbringen würden. Ein eigener Garten ist ideal, um dem Nachwuchs beizubringen, dass Radieschen nicht im Supermarkt wachsen.
Gerade in höheren Einkommens- und Bildungsschichten steht dem Wunsch nach einem eigenen Gemüsegarten aber oft im Weg, dass man sich nicht in die als spießig verschrieenen Schrebergärten traut. Eine Ackerparzelle ist da die ideale Lösung.
Glückliche, neue Kunden
Für den Landwirt kann so ein Arrangement zahlreiche Vorteile erbringen. Abgesehen davon, dass sonst brachliegende Fläche verpachtet wird, bringt man eine hohe Anzahl an neuen potenziellen Kunden auf den eigenen Hof. Gemüse und andere Lebensmittel, die nicht in der Parzelle eines Hobby-Gärtners wachsen, können gleich auf dem Hof der Verpächters gekauft werden. Das bedeutet eine direkte Ertragssteigerung.
Schafft man es dazu noch, die Presse für sein Gartenprojekt zu begeistern, ist einem öffentliche Aufmerksamkeit sicher. Damit ist die Ackerparzellierung unter Marketingaspekten durchaus auch für Großbetriebe interessant.
Wer noch einen Schritt weitergehen möchte, kann dazu Workshops zum erfolgreichen Gärtnern oder Kochkurse anbieten. In jedem Fall zeigt ein eigener Garten dem Kunden, wie gut erntefrisches Gemüse schmecken kann und bringt die Menschen der Landwirtschaft wieder näher – ein fantastisches Instrument zur Kundenbindung.
Wenig Werbung nötig
Wie erfolgreich dieses Modell sein kann, zeigt das Beispiel der Familie Ivanov, die bei Köln ein solches Programm unter dem Namen Gartenglück betreibt (Hier noch ein weiteres Beispiel). Im Frühjahr 2005 legten die Ivanovs die erste Selbsterntefläche an, schon im ersten Jahr waren alle Parzellen verpachtet – und das ohne Ausgaben für Werbung. Ein Artikel im Kölner Stadtanzeiger reichte aus, um ihre Kapazitäten zu erschöpfen. „Die Menschen wollen einfach erleben wie es ist, mit den eigenen Händen im Boden zu graben“, erzählt Katrin Ivanov-Below. Neben Familien nutzen auch ältere Personen mit Gartenerfahrung und Studenten, die sich als Gruppe in eine Parzelle rein teilen, das Angebot. Da die Parzellen bereits fertig vorbereitet und eingesät sind, hält sich der Aufwand für die Kunden in Grenzen. Nur einjährige Kulturen werden gepflanzt, im Herbst wird das Feld wieder komplett umgepflügt.
Sicheres Zusatzeinkommen
Finanziell kann sich das für beide Seiten lohnen. Die Hobby-Gärtner ernten Gemüse im Wert von bis zu 500 Euro pro Jahr. Und der Landwirt bekommt ein relativ sicheres extra Einkommen. Hinzu kommt, dass der Kunde, wenn er einmal Kontakt zum Betrieb hat, gerne auch andere Erzeugnisse bei seinem Verpächter einkauft. Wer es schafft, den Kunden über Hoffeste und ähnliche Veranstaltungen zu begeistern, wird seine Erträge aus Direktvermarktung noch weiter steigern können.
Aber natürlich darf man das Potenzial der Selbsternte auch nicht übertreiben. Sobald die Preise für Lebensmittel wieder steigen, folglich der Ertrag pro Hektar steigt, sieht die Rechnung für den Agrarbetrieb schon ganz anders aus. Doch wer es geschickt aufzieht und das Folgegeschäft zu nutzen weiß, kann neben finanziellen Erfolgen auch einen Imagegewinn verbuchen.
Unsere Frage an Sie: Halten Sie Selbsternte für eine gelungene Innovation, oder eher für eine aufwändige Idee ohne echten Zusatznutzen? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare.
gruuna vernetzt
Xing-Gruppe Agrarmarketing hat über 500 Mitglieder
So sieht unsere Diskussionsgruppe Agrarmarketing aus. Foto: xing
Wie vermarktet man Agrarprodukte? Gibt es Marketing-Ideen, mit denen sich die Erträge in der Landwirtschaft steigern lassen?
Um diese Fragen zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen, haben wir im Oktober 2009 die Diskussionsgruppe Agrarmarketing auf dem Netzwerk xing gegründet. Seit heute hat diese Gruppe über 500 Mitglieder – vor allem Landwirte, Landhändler, Zulieferer für die Agrarbranche und Lebensmittelproduzenten.
Auch Sie können sich beteiligen, Fragen stellen oder mit den anderen Mitgliedern diskutieren. Die Anmeldung bei Xing ist kostenlos – die Teilnahme an unserer Gruppe selbstverständlich auch. Moderiert wird sie von unserem Mitarbeiter Matthias Herrmann. Er ist selbst Landwirt, mischt sich mit seiner Meinung ein und bringt immer wieder interessante Themen ins Gespräch. Die große Teilnehmerzahl zeigt, wie gut das Angebot von der Agrarbranche angenommen wird.
Aktuell haben wir ein Forum eingerichtet, in welchem über Geschäftsideen für die Agrarbranche diskutiert werden kann. Gruppenmitglieder können eigene Geschäftsideen vorstellen und die Ideen der Anderen kommentieren. Gemeinsam können so neue Projekte zur Ertragssteigerung entstehen
Gerade begonnen hat eine Diskussion, ob und wie sich Getreide an den Endkunden vermarkten lässt. Ist ein Online-Shop die Lösung oder gibt es andere Möglichkeiten? Wenn Sie Lust haben, solche Ideen mit zu entwickeln, schauen Sie doch einfach einmal bei uns vorbei.
Internet
“Man muss manchmal den Mut haben anzuecken”
Jürgen Krenzer in seinem Apfel-Sherry-Keller. Foto: privat.
Zum zweiten Mal haben wir mit einem Blogger über das Marketing im Internet und Social Media gesprochen. Wir fragten Jürgen Krenzer – Gastwirt, Hotelier, Autor und Referent – nicht nur nach seinen persönlichen Erfahrungen, sondern wollten auch wissen, was Landwirte mit Blogs bewegen könnten. Und wie wichtig Authentizität bei der Selbstdarstellung im Internet ist.
Jürgen, welche Gründe waren für dich ausschlaggebend, deinen Blog zu starten?
Begonnen habe ich 2008 mit einem Tagebuch anlässlich meines Babyjahres. Als ich dann nach einem Jahr das Tagebuch einstellen wollte, bekam ich viele Mails und Anrufe, dass ich weitermachen solle. Also habe ich mich Anfang 2009 entschlossen, den Blog zu starten.
Denn unsere Gäste interessieren sich nicht nur für Zimmerausstattung und Speisekarte. Sie wollen wissen, wer die Person ist, die dieses Hotel führt.
Manchmal kommt es sogar vor, dass die Gäste, die meine Blog-Posts und Twittermeldungen verfolgen, besser informiert sind als meine Frau, wo ich gerade bin oder was ich gerade mache.
Leider flüchten sich viele Hoteliers in die Anonymität. Ich finde es schade, wenn der Gast nur aus dem Impressum erfahren kann, wer der Inhaber ist.
Wie viel Aufwand hast du in der Woche etwa mit dem Blog?
Da ich nicht täglich einen Blogartikel schreibe, komme ich mit einer halben bis einer ganzen Stunde pro Woche hin.
Übernachtung im Schäferwagen und Apfel-Sherry sind nur zwei deiner ausgefallenen Ideen. Denkst du, dass Blogleser besonders offen für solche Ideen sind und dies sogar erwarten?
Gäste, die im Schäferwagen übernachten oder eine Apfelweinprobe buchen, sind sicher aufgeschlossene Typen. Ich ziehe mit dem Blog sicher die Gäste an, die das Unkonventionelle suchen und die ich über den Blog auch emotional anspreche.
Kommen auch Gäste gerade aufgrund deiner Berichte im Blog zu dir?
Das ist durchaus schon vorgekommen. Hier zählt dann auch das Zusammenspiel von originellen Produkten und einer gelungenen Präsentation. Die Leute spüren „Da ist Bewegung drin. Da muss ich einfach mal hin.“
Wer selbst hergestellte Produkte anbietet, hat ja fast täglich etwas zu berichten. Auch Journalisten schreiben gerne über solche Produkte. Was wiederum für mehr Zugriffe auf Blog und Website sorgt.
Außer dem Blog nutze ich auch Xing, Facebook und Twitter, um die Leute auf dem Laufenden zu halten. Damit spreche ich die Leser emotional an.
Auf der anderen Seite dient Social Media aber auch der Verifikation. Ich braue ja zum Beispiel auch selbst Bier, das Krenzer 40. Dabei könnte ich keine Bilder vom Bierbrauen einstellen, wenn ich es nicht wirklich selbst mache.
Social Media kann nur nutzen, wer es wirklich ernst meint. Die Leser spüren sehr schnell, ob jemand authentisch ist. Meine Aufgabe als Produzent ist es auch, mehr Power in die Präsentation zu stecken. Damit die Leute mehr über unser Handwerk erfahren.
Was fasziniert die Gäste so an deinem Blog, dass sie ins Rhönschaf-Hotel kommen?
Wir erreichen über den Blog die web-affinen Kunden. Die Gäste kommen schon bestens informiert zu uns und ich kann sie ganz anders abholen. Denn die Gäste können mich als Typ einschätzen. Ihr erstes Urlaubserlebnis ist ja schon, die Person kennenzulernen, die die Blog-Posts geschrieben hat.
Dies ist übrigens unabhängig vom Alter der Gäste. Ich habe auch keine Scheu davor, „heiße“ Themen anzupacken und grenze mich nicht von brenzligen Themen ab. Wie zum Beispiel bei einem Blogbeitrag über das Gaga-Radio der Privaten Sender oder über die Dachmarke Rhön. Man muss manchmal den Mut haben anzuecken. Das bringt natürlich auch Leser! Weil es ehrlich ist. Die Gäste müssen nicht immer der gleichen Meinung sein. Aber sie können mich besser einschätzen.
Die Rhön gehört ja als Urlaubsziel eher zu den Geheimtipps. Tragen nach deiner Erfahrung auch die regionalen Produkte wie Apfel- und Lammspezialitäten dazu bei, dass die Region auch für Tages- und Übernachtungsgäste anziehender wird?
Klar, das bringt Vorteile für beide Seiten.
Weil inzwischen auch andere Berufe bloggen, wie ein Metzger, ein Apfel-Sommelier und ein Marketing-Experte, sind unsere Produkte und damit die Region auch öfter in den Medien präsent.
gruuna ist ein Portal für den landwirtschaftlichen Handel: Was wären aus deiner Sicht für einen Landwirt Gründe, einen Blog zu starten?
Landwirte hätten doch so viel zu erzählen. Sie sind sehr nahe am Prozess des Wachsens und Gedeihens. Sie könnten die Leute daran teilhaben lassen, wie ein Produkt entsteht.
Viele Menschen haben es auch verlernt, mit den Jahreszeiten zu leben. Als Landwirt erlebt man die Jahreszeiten intensiver. Das mag jetzt romantisch klingen. Aber seit ich Äpfel anbaue, mache ich selbst diese Erfahrung.
Welche Tipps hast du für Landwirte, die einen eigenen Blog starten möchten?
Ich bin mir sicher, dass bloggende Landwirte auf große Resonanz stoßen würden. Dabei rate ich jedem, mit einem Blog anzufangen und erst mit einiger Erfahrung auch auf Twitter oder Facebook aktiv zu werden.
Ganz einfach mit kleinen Geschichten anfangen, auch einmal von der Familie erzählen oder was man schon alles erlebt hat. Dabei sollte sich niemand von der Angst abhalten lassen, nicht texten zu können.
Es muss nicht perfekt sein. Und man lernt mit jedem Artikel dazu.
Jürgen Krenzer betreibt die Internetseite rhoenerlebnis.de. In der Wirtsstube seines Rhönschaf-Hotels „Krone“ setzt er konsequent auf regionale Spezialitäten der Rhön. Zu seinen Projekten gehören außerdem eine Schau-Kelterei und eine Apfel-Sherry-Manufaktur.
Sein Blog bietet eine Mischung aus privaten Berichten und geschäftlichen Neuigkeiten.
Unser erstes Interview mit einem Blogger – dem Winzer Harald Steffens – finden Sie hier.
Wirtschaftshof Sachsenland
Wellness im Kuhstall
Technik und Wellness – das sind die beiden Schlagworte, mit denen Jens Hoffmann, Vorstandsvorsitzender der Wirtschaftshof Sachsenland e.G., seine landwirtschaftliche Philosophie beschreibt. In den vergangenen Jahren hat er seine Kuh- und Schweineställe modernisieren lassen. Der Computer wertet heute automatisch wichtige Daten der Kühe aus und berechnet, welches Tier eine Infektion haben könnten. Den Handel im Internet sieht Hoffmann als große Chance.
„Kuh-Wellness“ nennt es Jens Hoffmann locker, wenn er Gästen erklärt, was das Milchvieh in den Ställen des Wirtschaftshof Sachsenland erwartet. „Das reine Schlaraffenland: fressen, saufen, pennen.“ Die Gänge zwischen den Liegeboxen sind drei Meter breit, es gibt keine Sackgassen und zwei Tränken pro Box. „So blockiert keine ranghohe Kuh den Weg für die anderen“, erklärt Hoffmann. Das vermindert den Stress für die Tiere. Außerdem können sie sich jederzeit an speziellen Bürsten abreiben.
In ihren größten Stall und die neue Melkanlage investierte die Genossenschaft 3,5 Millionen Euro – 450 Kühe zogen vergangenes Jahr dort ein. Der Vorstandsvorsitzende des Wirtschaftshofs sagt: „Jeder Landwirt, der nicht an der falschen Stelle spart, sollte so etwas einrichten. Die Kühe geben es mit einer höheren Milchleistung zurück.“ Die Milchproduktion macht rund 30 Prozent des Umsatzes des Sachsenhofs aus. Schon in der zweiten Woche nach dem Umzug gab jede Kuh etwa drei Liter mehr Milch, im Jahr sind es heute 9400 Liter. Das liegt gut 400 Liter über dem Durchschnitt in Sachsen.
Auch technisch hat Hoffmann aufgerüstet: Elektronisch werden ständig die Schritte jedes Tiers gezählt, die Leitfähigkeit und Menge der Milch wird täglich gemessen und von einem Computer überwacht. Wenn sich die Werte verändern, wird automatisch berechnet, ob die Kuh eine Infektion haben könnte. Dann verweigert der Computer dem Tier automatisch den Rückweg in den Stall. Ein Mitarbeiter des Wirtschaftshofs kann die Kuh gezielt untersuchen. „Damit erkennen wir eine Infektionen einen Tag, bevor sie von außen zu sehen ist“, sagt Hoffmann. Das spart bei Medikamenten und verringert die Ansteckungsgefahr.
Doch nicht nur in die Ställe hat Hofmann investiert. Auch beim Vertrieb setzt er auf eigene Initiative: Die Genossenschaft hat eine eigene Fleischerei und verkauft ihre Produkte seit 1991 in eigenen Filialen. Auch wenn das Geschäft dort unter der Konkurrenz von Supermärkten und großen Ketten leidet: Hoffmann ist überzeugt, dass besonders in der direkten Umgebung der Standorte viele Käufer angesprochen werden. „Seit 2007 haben wir im alten Heizhaus einen Hofladen mit Fleischtheke eingerichtet. Wir haben mit einer Verkäuferin angefangen – heute sind es fünf.“ Aber der Vorstandsvorsitzende weiß auch: „Überall wo unsere Traktoren fahren, geht es gut. Je weiter weg die Filialen sind, um so mehr sind wir nur ein Fleischer unter vielen.“
Vielleicht funktioniert der Vertrieb über das Internet deshalb bis heute auch nur schleppend.Zwar hat der Wirtschaftshof eine eigene Internetseite, vertreibt Präsentkörbe und preist aktuelle Sonderangebote der Verkaufsstellen an – viele Bestellungen gehen bis jetzt jedoch nicht ein. Aber wie bei der Ausstattung der Stelle denkt Hoffmann auch hier in die Zukunft: „Vielleicht müssen wir die Homepage auch einfach mal erneuern.“
Testtage
Norbert Münch über gruuna
Im Dezember 2009 konnten interessierte Kunden unserer Muttergesellschaft, der gvf VersicherungsMakler AG, gruuna testen. Sie konnten viele Funktionen des Landwirtschaftsmarktes im Internet ausprobieren, bewerten und verändern. Wir haben anschließend gefragt: Was erwarten Sie sich von gruuna?
Einer von ihnen war Norbert Münch, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Weißenschirmbach e.G. in Sachsen-Anhalt. 2005 bewirtschaftete der Betrieb etwa 1.900 ha. Neben der Milchproduktion und der Ernte von Feldfrüchten betreibt die Genossenschaft eine Biogas-Anlage.
Wir haben Norbert Münch nach den Testtagen gefragt: Was erhoffen Sie sich von gruuna, dem Landwirtschaftsmarkt im Internet?
Regionalmarketing
Lösen regionale Marken den Bio-Boom ab?
Das Geschäft mit Bio-Produkten befindet sich in einer Sinnkrise. In den Anfangszeiten der Bio-Bewegung waren Obst, Gemüse, Milch und Fleisch aus ökologischem Anbau das Non-Plus-Ultra für gesundheits- und umweltbewusste Verbraucher. Wer Bio-Waren wollte, bekam diese meist nur direkt vom Bauern oder auf kleinen, lokalen Märkten.
Die Zeiten sind längst vergessen. Der Bio-Boom änderte alles. Jetzt bekommt man Öko-Waren nicht nur in jedem normalen Supermarkt. Selbst besser sortierte Tankstellen, Discounter und Bahnhofskioske führen Bio-Produkte.
Wie man mit regionaler Vermarktung seinen Umsatz steigert
Paradoxerweise führt diese bessere Verfügbarkeit zu einer echten Entwertung des Bio-Labels. Denn Bio-Waren waren nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil der Verbraucher genau wusste, woher seine Lebensmittel stammen.
Heute aber werden Bio-Produkte genau so weit transportiert wie ihre konventionell erzeugten Gegenstücke. Öko-Kiwis erreichen einen aus Neuseeland, Bio-Fleisch aus Griechenland – die Ökobilanz der Produkte sieht dementsprechend aus. Die durch die Langstreckentransporte entstehende Umweltbelastung ist mit der Mentalität der ursprünglichen Bio-Kunden praktisch unvereinbar.
Auch die Größe der Erzeuger unterscheidet sich kaum noch – von Bauernhof-Romantik ist auf modernen Öko-Farmen gar nichts mehr zu spüren. Die Konsequenz: Bio-Betriebe sind für den Verbraucher mittlerweile ebenso anonym, wie es konventionelle Betriebe schon immer waren. Inzwischen wächst der Umsatz mit Bio-Produkten kaum noch, konsequente Käufer fühlen sich nicht mehr ernstgenommen.
Der neue Star ist die Region
Der neue Trend sind Produkte aus der Region, also von landwirtschaftlichen Betrieben, die in geographischer Nähe des Verbrauchers liegen. Lebensmittel erreichen den Kunden schneller und frischer und verursachen keine gravierenden Umweltbelastungen beim Transport – ganz nach dem Geschmack des Verbrauchers. Lebensmittel aus der Region erfüllen das Bedürfnis nach Authentizität und ökologischer Nachhaltigkeit.
Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Wertschöpfung zu 100 Prozent in der Region bleibt. Betriebe mit regionalem Zertifikat sind im Allgemeinen verpflichtet, Zutaten aus der heimischen Umgebung zu verwenden. Somit unterstützt jeder Kauf direkt die Wirtschaft der Region.
Starke Region = Höherer Preis
Ein Beispiel für gelungenes Regionalmarketing haben wir in der Eifel entdeckt. Die Regionalmarke Eifel wurde Anfang 2004 gegründet. Mittlerweile sind knapp 70 landwirtschaftliche Betriebe aus der Region unter dem Dach der Verbands vereint, die meisten davon Viehzuchtbetriebe.
Dank der starken Regionalmarke eröffnen sich Eifel-zertifizierten Erzeugern drei große Kundenkreise:
- Erstens ist dank der Beliebtheit der Eifel als Naherholungsgebiet der Wiedererkennungswert des Labels im Raum Köln/Bonn sehr hoch. Dort werden Eifel-Produkte im Einzelhandel vertrieben.
- Zweitens werde die Bewohner der Eifel selbst durch Eifel-Metzgereien und -Bäckereien an die Marke herangeführt.
- Drittens freuen sich Touristen über die Gelegenheit, ein authentisches Produkt aus der Region mit nach Hause zu nehmen.
Das Eifel-Label ist als Zeichen für Qualität und regionale Herkunft akzeptiert. Deshalb sind die Verbraucher auch gerne bereit, für Produkte mit dem Eifel-Logo tiefer in die Tasche zu greifen. Laut Arnd Balter, Markenentwickler bei Regionalmarke Eifel, zahlen Eifel-zertifizierte Schlachthöfe zum Beispiel für Schlachtvieh zwischen 5 und 20 Cent mehr pro Kilo. Wie funktioniert das?
Verbindliche Qualitätsrichtlinien wurden für die beteiligten Betriebe festgelegt. Wer das Logo der Regionalmarke für seinen Betrieb führen möchte, ist einem Zertifizierungsprozess unterworfen. Ein externes Institut kontrolliert außerdem jährlich, ob der Betrieb die vereinbarten Standards einhält. Natürlich ist diese Prüfung nicht ganz billig. Gerade für kleinere Betriebe stellt sich also die Frage, ob sich die Investition wirklich lohnt.
In den kommenden Wochen werden wir in loser Reihenfolge andere Regionen vorstellen, die mit ihrem guten Namen werben. Ob es die Gurke aus dem Spreewald oder die Wurst aus Thüringen ist: Es geht um unverwechselbare Produkte, gemeinsames Marketing der Produzenten und oft sogar die überregionale Bekanntheit.
Was meinen Sie? Haben Sie schon einmal ernsthaft darüber nachgedacht, Teil einer Regionalmarke zu werden? Glauben Sie an die Vorteile eines zentralisierten Regionalmarketings? Kennen Sie gelungene Beispiele, die wir hier im Blog vorstellen sollen?
Zukunftsvision
Der Landenergiewirt - ein Zukunftsmodell?
Seit Jahren zeigt die Entwicklung an den internationalen Rohstoffmärkten mit großer Nachfrage nach fossilen Brennstoffen und somit auch steigenden Preisen, dass für die Zukunft bezahlbare und verlässliche Alternativen für die Energiegewinnung gesucht werden müssen. Denn letztlich ist der nutzbare Vorrat an fossilen Brennstoffen begrenzt und auch die Umwelt leidet unter deren übermäßiger Nutzung. Welche Chancen bietet das für die deutschen Landwirte?
Kohlekraftwerke und Fahrzeuge, die von herkömmlichem Diesel oder Benzin angetrieben werden, haben langfristig wohl ausgedient. Die am besten vorstellbare Lösung ist ein Energiemix, bestehend aus sicherer Kernkraft – etwa aus Fusionskraftwerken – und einem Großteil erneuerbarer Energien. CO²-neutral und umweltschonend Energie nutzbar machen, gleich ob sie in Sonne, Wind, Erdwärme oder Biomasse gespeichert ist, ist auf jeden Fall ein guter Gedanke.
Wird diese Energieproduktion auf Dauer neben Tier- und Pflanzenproduktion das dritte Standbein der Landwirtschaft? Oder vielleicht sogar das Standbein schlechthin?
Dazu kann man heute nur mutmaßen, aber eines ist klar: Um sinnvoll und in Größenordnungen Energie aus Biomasse gewinnen zu können, führt kein Weg an der Landwirtschaft (und der Forstwirtschaft) vorbei. Schließlich benötigt man für die Energiegewinnung aus Biomasse, das sagt der Name schon, vor allem eines: Masse.
Landwirte können, bei entsprechender Ausrichtung ihres Betriebes, auf unterschiedliche Art in den Biomasse-Energiemarkt einsteigen: Biogasanlagen zur Verwertung von Gülle und pflanzlichen Feststoffen sieht man heute schon sehr häufig. Auf Grund der Förderung aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) können Landwirte den damit erzeugten Strom zu besseren Konditionen einspeisen, als der Markt sie normalerweise bieten würde. Auch die Produktion von Biodiesel aus Raps ist heute schon relativ häufig anzutreffen.
Vielleicht finden wir aber auch in wenigen Jahren schon viele Energieholzplantagen in unseren Breiten. Pappeln wachsen beispielsweise schnell nach und sind für die Produktion von Holzhackschnitzeln als festem Brennstoff gut geeignet. In Zukunft könnten diese festen Brennstoffe, neben dem Einsatz als alternativer Energieträger in Heizungsanlagen, noch weiter an Bedeutung gewinnen. Durch Verkokung könnten aus ihnen synthetische Kraftstoffe hergestellt werden. Dafür gibt es schon einige vereinzelte Pilotprojekte – wie im sächsischen Freiberg. Dort werden aus fester Biomasse Benzin und Diesel synthetisiert. Auch für die Produktion von Bioethanol wird Biomasse in verschiedenster Form benötigt (z. B. Weizen). Damit eröffnet sich Landwirten – je nach regionaler Ausprägung – eine weitere wertvolle Produktionsrichtung und ermöglicht ihnen einen Einstieg in den Energiemarkt.
Aber nicht nur die Biomasse hält hier als einer der Energieträger der Zukunft Potentiale für die Agrarbranche bereit. Solarenergie ist auch heute schon in aller Munde und gilt ebenfalls als eine Zukunftstechnik. Gerade im ostdeutschen Raum verfügen Agrarbetriebe über sehr große Dachflächen. Diese eignen sich vorzüglich zur Installation von Solaranlagen. Auch hier wird so erzeugter Strom im Rahmen des EEG gefördert – selbst wenn inzwischen über eine Kürzung der Förderung diskutiert wird. Wer selbst vor der Investition in eine solche Anlage zurückschreckt, kann seine Dachflächen auch an Energieproduzenten vermieten, um so wenigstens an der photovoltaischen Stromerzeugung »mit« zu verdienen.
Dem Landwirt der Zukunft wird der Energiemarkt sicher eine Chance bieten, von verlustträchtigeren Produktionszweigen (z. B. aktuell der Milchproduktion) Abstand zu nehmen und sich dafür neue Erlösquellen zu erschließen. Vielleicht gibt es in einigen Jahren auch Betriebe, die sich ausschließlich auf die Produktion von Biomasse als Energieträger spezialisiert haben und so entweder selbst zum Energieerzeuger, oder zum Zulieferer für andere Energieerzeuger werden. Natürlich ist die Erschließung solch neuer Produktionszweige auch immer mit Risiken verbunden. Investitionen müssen getätigt werden und das entsprechende Know-How dazu muss sich schrittweise angeeignet werden.
Wie denken Sie – wird der Landwirt in Zukunft zum Landenergiewirt?
Interview zur "Fairen Milch"
“Wir müssen sehen, dass die Nachfrage nachhaltig bleibt”
Im Moment gibt es die Faire Milch nur in Süddeutschland. Foto: die-faire-milch.de
Mit großer Medienaufmerksamkeit (auch in Blogs, wie hier und hier) ging vor einer Woche die „Faire Milch“ in Süddeutschland in den Verkauf. Der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) initiierte die Aktion, bei der H-Milch in zwei Fettstufen in der Erzeugerregion verkauft wird – zu einem höheren Preis, von dem die Landwirte direkt profitieren. gruuna sprach mit Thorsten Sehm, Geschäftsführer des BDM und fragte nach einer ersten Bilanz.
Wie ist die „Faire Milch“ aus Ihrer Sicht bis jetzt angenommen worden?
Sehr gut. Wir sind ausverkauft, es gibt nur noch Reste zum Abverkauf in den Läden. Obwohl wir mehr produziert haben, als uns die beiden Verkaufsketten tegut und Rewe geraten haben. Die sind von dem Käuferansturm auch überrascht worden.
Wie wählen Sie die Milchviehhalter aus, die für sie liefern dürfen? Viele sind doch vermutlich über Kontrakte langfristig an Molkereien gebunden.
Wir haben eine eigene Milchvermarktung, die Milchvermarktungs Gmbh Süddeutschland. Diese Lieferanten haben sich natürlich als erste verpflichtet und machen unser Programm mit. Die „Faire Milch“ ist an gewisse Auflagen. Das heißt, der Landwirt verpflichtet sich, gentechnikfrei zu füttern. Er hat mindestens 60 Prozent Grasanteil in der Ration. Er betreut ein Umweltprojekt und der erste Schnittzeitpunkt der Wiesen ist nach hinten verlegt.
Ist es denn schwierig, unter diesen Vorraussetzungen genug geeignete Milchbauern zu finden?
Wir kriegen jetzt immer mehr. Es sind natürlich auch freie Liefergruppen da. Die können zum Ende des Milchwirtschaftsjahrs zu uns wechseln. Aber das ganze Projekt ist so aufgebaut, dass in einer Region produziert wird, wo auch verkauft wird. Deshalb können wir im Moment für die Vermarktung der „Fairen Milch“ keine Landwirte aus anderen Regionen aufnehmen, wenn wir dort noch keine Abnehmer haben.
Viele Landwirte klagen, dass die Kunden nicht bereit sind, für Milch mehr zu bezahlen. Wieso funktioniert es hier, sie zu überzeugen?
Das klappt nur dann, wenn ein gewisses Programm dahinter steht. Wenn man sagen kann, wo das Geld genau hingeht. Auf unserer Homepage steht sogar die Telefonnummer der Bauern, da können die Käufer anrufen und fragen, ob sie die Produktion nachvollziehen können. Ich kann nicht wie Lidl daherkommen und sagen: „Ein Stück aus der Region“ und dann geht nichts an die Bauern.
Sie sagten, dass auch die Händler vom Interesse der Kunden überrascht wurden. Warum gibt es dann noch keine deutschlandweite Verbreitung?
Die Ketten wollen erst den Testmarkt für acht Wochen beobachten. Wir müssen sehen, dass die Nachfrage nachhaltig bleibt. Es nutzt nichts, wenn die Nachfrage nach dem großen Start wieder weg ist.
Ist denn von Ihrer Seite aus die deutschlandweite Verbreitung überhaupt möglich? Sie haben im Moment nur eine Molkerei, die die faire Milch verarbeitet.
Es gibt natürlich Befindlichkeiten von Molkereien, das ist ganz klar. Es war ja auch nicht möglich, eine bayerische Molkerei zu finden, die uns die H-Milch herstellt, da mussten wir ins benachbarte Hessen gehen. Da wir im Moment ausverkauft sind, sind wir jetzt darauf angewiesen, dass die Molkerei wieder für uns Zeit hat. Deshalb kommt erst Ende nächster Woche die nächste Lieferung. Die Molkereien sind insgesamt im Moment noch sehr skeptisch – aber ich sage mir: Da der Start so gut war, und wenn das Interesse nachhaltig ist, kommen die schon auf uns zu.
Was bieten Sie denn den Molkereien als Argument, warum sie mit Ihnen zusammenarbeiten sollten?
Die Molkerei hat so eine höhere Auslastung für ihre H-Milch-Schiene. Natürlich muss sie zertifiziert sein, dass sie nach gewissen Blocks handeln kann: Unsere Milch muss in einen extra Tank und es muss sicher sein, dass auch nur die Milch dort rein kommt.
Thorsten Sehm ist Geschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter (BDM). Der Verband vertritt nach eigenen Angaben rund ein Drittel der 100.000 deutschen Milchviehhalter. Die »Faire Milch« wurde offiziell am 20. Januar vorgestellt und ist seit dem in Süddeutschland erhältlich.
Programmierfortschritt
gruuna zum internen Test freigegeben
Viele Funktionen von gruuna können bereits getestet werden.
Eine komplexe Handelsplattform wie gruuna zu entwickeln und zu programmieren braucht vor allem eines: Zeit. Vor drei Jahren entstand die Idee für den Landwirtschaftsmarkt im Internet, seit 13 Monaten wird konkret an der Umsetzung gearbeitet. Inzwischen sind fast alle wichtigen Funktionen der Seite implementiert, der erste Test unter Realbedingungen startet.
In den kommenden Tagen können Mitarbeiter von gruuna und der Muttergesellschaft, der gvf VersicherungsMakler AG, von außen auf die Plattform zugreifen. Während bei den ersten Testtagen nur wenige Elemente der zukünftigen Seite ausprobiert werden konnten und es vor allem um die Nutzerfreundlichkeit ging, sind jetzt die wesentlichen technischen Teile des Landwirtschaftsmarkts im Internet für den Test freigegeben. Dieser Stand hat intern die Versionsnummer 0.7 – noch zwei bis drei weitere Entwicklungsschritte, und gruuna startet.
In dieser Version kann jetzt zum Beispiel
- die Artikelbeschreibung individuell gestaltetet werden
- zwischen verschiedenen Handelsoptionen gewählt werden
- die Lieferart bestimmt werden
- auf Artikel geboten und etwas gekauft werden
Dabei werden nun alle Abhängigkeiten, die aus solchen Entscheidungen entstehen, vom System gespeichert und beachtet.
Die Entwicklung der Seite ist in zwölf verschiedene Unterprojekte aufgeteilt. Zehn Programmierer arbeiten an diesen Einzelteilen, beschäftigen sich dort etwa mit der Verknüpfung von Artikelstandort und Geodaten für die Umkreissuche oder der Schnittstelle zum Versicherer für die Option Sicher Handeln. 200 Seiten Dokumentation und hunderte Grafiken, die die Abläufe auf der zukünftigen gruuna-Seite vorgeben, sind mittlerweile zehntausende Zeilen Programmiercode geworden.
Im Moment wird in Grüna bei Chemnitz an der Version 0.8 gearbeitet. Es fehlen noch einzelne Teile des Landwirtschaftsmarkts, die etwa die Unterscheidung von Verkaufseinheiten, Verpackungsarten, Verladetechniken ermöglichen. Der Start von gruuna ist noch im Frühjahr 2010 geplant.
Französische Geschäftsidee
Kuhmist per Post
Es ist kurios, aus was man alles im Internet Geld machen kann. Während viele Landwirte in Deutschland ihren Kuhmist unterpflügen oder in Biogasanlagen nutzen, hat ein französische Bauer eine andere Form des Recyclings entdeckt: Er verkauft die Fäkalien. In seinem eigenen Online-Shop, samt lustigem Kuhmist-Lied.
Auf diese Seite wurde ich im best-practice-business-Blog aufmerksam. Olivier Legrand, so heißt es bei den Kollegen, hat den „Mistkönig“ Roger Cambotte kreiert. Auf dessen Internetseite man zum Schnäppchenpreis von 8,50 Euro liebevoll gestalte Holzkisten mit 100 Gramm Kuhmist bestellen. Für zusätzlich 5,50 Euro werden die frisch verpackt aus Frankreich verschickt – bestens geeignet als dezenter Hinweis an den Chef, als Reaktionen auf einen notorischen Parkplatz-Dieb oder als letzte Nachricht an einen unerwünschten Liebhaber. Und wem es besonders ernst ist, der kann auch eine »King-Size«-Variante mit noch mehr Mist bestellen.
Inzwischen kann man auf www.fumier.com auch T-Shirts mit dem Motiv der grinsenden Kuh kaufen. Und der fanzösische Country-Song, den man permanent auf der Internetseite hört, kann ebenfalls gegen eine kleine Gebühr heruntergeladen werden.
Mit seiner Homepage hat es Legrand schon zu einer kleinen Berühmtheit in Frankreich gebracht, selbst die etablierte Tageszeitung »Le Monde« berichtete bereits über ihn.
Der best-practice-business-blog schreibt, dass der Kuhbauer demnächst den europäischen Markt erobern will und die Homepage deshalb ins Englische übersetzt. Wenn Sie ebenfalls genug Kuhmist in Ihrem Betrieb haben, könnten Sie ihm noch zuvor kommen und den deutschen Markt besetzen. Zumindest, wenn man unterstellt, dass auch in Deutschland aus jedem Mist Gold gemacht werden kann.
Eis und Schnee
Wenn der Winter zur Last wird
Ein langer, kalter Winter ist grundsätzlich nichts schlimmes für die Landwirtschaft. Im Gegenteil: Während Wärmeperioden oder Tauphasen mitten im Winter für Pflanzen schädlich sind, schützt sie eine Schneedecke vor Schäden. Aber gerade der Schnee und die tiefen Temperaturen machen an anderer Stelle Probleme: An den Gebäuden und Wasserleitungen in den landwirtschaftlichen Betrieben.
Der Westen berichtet von einem Hof in Siegen. Dort sind die Wasserleitungen zugefroren, die Tränken sind unbrauchbar. „Wir müssen das Wasser über Schläuche aus einem Schuppen neben dem Haus holen”, sagt die Bäuerin in dem Beitrag, „also sozusagen von Hand tränken.” Das kostet vor allem eines: Zeit.
Schlimmer ist für die Betriebe das gefrorene Wasser in den Leitungen. Eis braucht mehr Platz als Wasser – das gehört zu einer der ersten Lektionen im Physikunterricht. Gerade ältere Rohre platzen im Winter reihenweise. Nicht nur in Städten, sondern auch auf dem Land. Wer nicht schon vor dem ersten Frost das Wasser abgelassen und die Isolation der Rohre überprüft hat, kann jetzt wenig tun. Das Tückische: Erst bei Tauwetter, wenn das Wasser wieder fließt, merkt man, dass die Rohre während der Frostphase Risse bekommen haben oder noch stärker beschädigt wurden. Probleme gibt es vor allem bei selten genutzten Leitungen und bei Rohren im Trempelbereich. Auch Rohre in einzelstehenden Gebäuden, die ungeschützt dem kalten Wind ausgesetzt sind, frieren häufiger zu.
Deshalb sollten Landwirte nun besonders aufmerksam sein, wenn die Temperaturen wieder über den Gefrierpunkt klettern. Klempner haben gerade in dieser Zeit Hochkonjunktur.
Ein anderes Problem entsteht durch den Schnee. Während er auf den Feldern die Pflanzen vor Frostschäden schützt, stellen die Schneemassen auf Dächern eine echte Belastungsprobe dar. Auch wenn es vermutlich nirgendwo so dramatische Folgen hat, wie vor vier Jahren beim Einsturz einer Eissporthalle in Bad Reichenhall, ist der Ärger für den Landwirt vorprogrammiert.
Das Gewicht des Schnees lastet vor allem auf Dächern, die kleinere Vorschäden haben, schwer. Das Problem wird auch hier durch Phasen von Tauwetter deutlich verschärft. Pulverschnee wiegt relativ wenig – wenn es jedoch kurz taut und dann wieder friert, entstehen Eis und Pappschnee mit deutlich höherem Gewicht. Vor allem gerade Dächer müssen hier in der zweiten Winterhälfte hohes Gewicht aushalten. Wenn mehrere unterschiedliche hohe Gebäude nebeneinander stehen und der Wind den Schnee in die entstehenden Ecken weht, kann es ebenfalls zu Problemen kommen.
Für Landwirte ist besonders ärgerlich, wenn sie nicht gegen Schäden durch Schneedruck versichert sind. Solche Kosten deckt nur eine Elementarschädenversicherung ab – und die haben die wenigsten.
Internet
Von bloggenden Winzern
Winzer Harald Steffens. Foto: vinartours.de
Es gibt Fleischer, Gastwirte, Keltereien und sogar Bestatter mit eigenem Weblog. Landwirtschaftliche Betriebe sind dagegen kaum mit eigenen Blogs im Internet zu finden. Eine mit der Landwirtschaft zumindest verwandte Berufsgruppe, die Winzer, sind hingegen gut vertreten. Wir haben einen bloggenden Winzer gefragt, woran das liegt.
Auch für landwirtschaftliche Betriebe gibt es viele Gründe, einen eigenen Blog zu starten:
- Ein Blog bietet auch dem nicht-landwirtschaftlich geprägten Leser Einblicke in den Arbeitsalltag eines landwirtschaftlichen Betriebes. Dies trägt dann sicher auch zu einem besseren Verständnis für die Arbeitsbedingungen der Landwirte bei.
- Wer weiss, wie aufwändig die landwirtschaftliche Produktion ist, lernt auch den Wert landwirtschaftlicher Erzeugnisse mehr zu schätzen.
- Viele Besucher werden Fragen zur Landwirtschaft stellen. Dies macht es für den bloggenden Landwirt leicht, einen Dialog mit seinen Lesern zu führen und so auch für sich neue Erkenntnisse zu gewinnen.
Wir haben bei Harald Steffens, Winzer und Betreiber des Blogs Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Kess nachgefragt, warum viele Landwirte diese Chancen nicht nutzen – und wieso er einen Blog betreibt:
Harald, welche Gründe waren für dich ausschlaggebend, deinen Blog zu starten?
Ich wollte unsere Kunden informieren, was der Winzer das Jahr über so macht. Einfach Bericht erstatten. Die Kunden sind teilweise der Ansicht, dass der Winzer im Winter Winterschlaf macht und im Sommer die Reben ohne Zutun des Winzers wachsen. Verwundert stellen die Leser fest, das das Leben eines Winzers sehr vielfältig, arbeitsreich und risikobelastet ist.
Mittlerweile werden meine Berichte kritischer. Vielleicht mein Sprachrohr für Themen, die nicht in der allgemeinen Journalie behandelt werden oder meiner Meinung nach falsch dargestellt werden. Auch die Abhängigkeit gegenüber Journalisten (Gault Millau) kann ich dadurch verringern. Nicht nur Schönwetterschreiben ist angesagt.
Zudem bekomme ich etliche neue Kunden über den Blog und ich bin in das Netzwerk der Weinblogger eingebunden.
Wie viel Aufwand hast du in der Woche etwa mit dem Blog?
Teilweise habe ich ein schönes Bild und der Text fällt mir sofort dazu ein. Bei anderen Themen, insbesondere die, die etwas kritischer oder komplexer sind, brauche ich etwas mehr Zeit. In der Woche geschätzt? Kann ich so direkt nicht sagen, ist aber auch nebensächlich für mich, da das ganze sehr viel Spaß macht und man es als eine Art Hobby betrachten kann. Aber bevor du noch einmal nachfragst: Vielleicht zwei Stunden die Woche im Normalbetrieb, bei Events, bei denen Freunde mitmachen oder gar ein Video gedreht wird, sind es einige Stunden mehr, die aber sehr viel Spaß machen.
Warum glaubst du: Warum sind gerade die Winzer so erfolgreich, sich über Blogs zu vernetzen und auch von Nicht-Winzern gelesen zu werden?
Blogs sind eine moderne Art der Komunikation. Meine Kunden berichten mir immer wieder, das sie meinen Blog lesen. Scheinbar berichte ich dort so ausführlich, dass keine weiteren Fragen von der Kundenseite kommen. Viele Winzerkollegen, auch hier in Reil, lesen ebenfalls mit und geben mir ihre Kommentare, die größtenteils positiv sind.
Wie schätzt du den Einfluss von dir und deinen ebenfalls bloggenden Winzerkollegen auf das Image der Winzer in Deutschland ein?
Leider sind es sehr wenige, die regelmäßig bloggen. Aber ich merke, das man etwas bewegen kann. Man wird zur Kenntnis genommen. Auch die Profis von der schreibenden Zunft lesen mit und haben hier und da Fragen, die ich gerne beantworte.
Was sind nach deiner Erfahrung die grössten Vorteile, die Blogs für Weinbaubetriebe bringen?
Schlicht und einfach Öffentlichkeitsarbeit. Mikromarketing! Aus dem Weingut direkt berichten. Den Verbraucher aufklären, Marketing machen und Wein verkaufen. Es gibt nicht nur Schönwetternachrichten, auch schlechte(-re) Nachrichten, kritische Berichte sollten in einem Blog vertreten sein.
Lassen sich diese Vorteile nach deiner Einschätzung auch für Landwirtschaftsblogs erzielen?
Ich denke, dass das Ganze auch für die Landwirtschaftsblogs gilt. Dort ist zwar der Anteil der direkt vermarktenden Betriebe geringer, aber die Vorteile liegen auf der Hand. Schau dir mal die vielen Kochblogs an: Genial! Nun müssten die Landwirte dem allgemeinen Volk noch erklären, wie Lebensmittel produziert werden! Das wäre doch eine spannende Sache. Die Welt besteht halt nicht nur aus Pommes und Schnitzel und das muß dem Verbraucher näher gebracht werden, inbesondere den Unwissenden.
Welche Tipps hast du für Landwirte, die einen eigenen Blog starten möchten?
Einfach anfangen. Themengebiet grob abgrenzen, den Blog etwas strukturieren und den Willen haben, öfter zu schreiben. Beachten, dass seltene Blogeinträge den Blog auf Dauer langweilig machen und die Leser schwinden. Bei mir waren es Bild und Text, also Bildergeschichten aus dem Weingut Steffens-Keß. Etwas mit einer freien Blogsoftware üben, dann evtl. eine eigene Domain und fertig. Ich poste im Schnitt jede Woche mind. einmal, je nach Themenangebot viel öfter. Ach ja, Bilder finde ich mittlerweile sehr wichtig. Lockert den Blog auf und ein Bild sagt mehr wie tausend Worte. Beim Text kurze Sätze und in wenigen Sätzen die Aussage gemacht, die man machen will. Klappt nicht immer, aber mit etwas Übung wird man besser. Wir sind ja im Hauptberuf Bauern und keine Schreiberlinge. Bitte keine Werbung wie die CMA! Auch kritische Berichte (Politik, Lebensmittelpreise, Vermarktung usw.) soll ein Landwirt schreiben.
Der gelernte Winzer Harald Steffens ist Gründungsmitglied von ECOVIN Bundesverband und des Regionalverbands Mosel.
Seit 1982 betreibt er ökologischen Steillagenweinbau. Dabei wird fast ausschliesslich Riesling angebaut, alle Weine werden trocken ausgebaut. Harald Steffens ist verheiratet und hat 3 Kinder. Seinen Blog betreibt er seit 2003.
Vertriebsstrukturen
Regionale Produkte sind beim Discounter angekommen
Regionale Produkte wie Fleisch- und Wurstwaren, Käse sowie Gemüse und Obst liegen im Trend. Regionale Produkte sind beim Verbraucher nicht nur wegen Frische und Geschmack beliebt. Sie geben ihm auch ein Gefühl der Sicherheit. Auch wenn er den Produzenten nicht persönlich kennt, fühlt er sich doch vor minderwertigen Produkten und schädlichen Inhaltsstoffen geschützt.
Hinzu kommt das gute Gefühl, dass wenig Energie für den Transport der Lebensmittel aufgewendet wurde und die Wertschöpfung in der Region bleibt. Diesen Trend haben jetzt auch Discounter und Supermarktketten entdeckt.
Seit heute wird in vielen Rewe-Fillialen in Süddeutschland Milch des Bundesverbands Deutscher Milchviehalter verkauft. Die Milch soll ausschließlich von Höfen aus dem Bundesland kommen, in dem sie gehandelt wird.
Mit Lidl hat vor einigen Tagen auch der erste Discounter diese Verkaufsargumente für sich entdeckt. Seit zwei Wochen verkauft der Discounter – zunächst nur in Bayern – Milch und Milchprodukte von einheimischen Landwirten und Molkereien.
Fluch oder Segen?
Werden damit die regionalen Erzeugnisse in den Augen der Verbraucher entwertet, wenn sie in einem Umfeld, dass für billige Lebensmittel steht, angeboten werden?
Und wie sehen die Folgen für die Erzeuger aus? Werden Sie von diesem Trend profitieren? Oder läutet die neue Vertriebsform eher das Ende der Hofläden ein?
Schliesslich haben vor Jahren auch Bioläden um ihre Existenz bangen müssen, als der Biotrend die Discounter erreichte…
Landwirtschaftlicher Handel im Internet
Eine schwere Geburt
Handel im Internet ist nichts neues. Bücher, Reisen, Versicherungen – vieles wird bereits online verkauft. Agrarbetriebe stellen oft Ihre Förderanträge per Mail. Auch für die Landwirtschaft gibt und gab es bereits einige Portale, die spezielle Bereiche des Handels bedienen wollten. Durchgesetzt hat sich keines. Warum?
Wir denken, dass folgende Punkte dagegen sprachen:
- Die Strukturen der bestehenden Handelsportale sind begrenzt. Es gibt meist regionale Einschränkungen. An eine internationale Ausrichtung ist nicht gedacht, Sprachbarrieren werden nicht beachtet. Es fehlt die Absicherung des Handels, so dass Fremde nicht bereit sind, miteinander ins Geschäft zu kommen. Außerdem sind nicht alle Handelsvarianten möglich. Manche Portale sind nur Shop, andere bieten nur eine Auktion oder die Möglichkeit, den Bedarf auszuschreiben. Oft werden bestimmte Bereiche, etwa Maschinen, vom Handel ausgeschlossen.
- Es scheint außerdem, als seien die Landwirte bis vor kurzem noch nicht bereit gewesen, intensiv im Internet zu handeln. Stabile Preise und Märkte sorgten bis vor zwei Jahren dafür, dass der Druck zu gering war. Man blieb bei den konventionellen Handelsstrukturen, die sich seit Jahrzehnten bewährt haben. Das Internet etabliert sich in der Landwirtschaft erst jetzt als wichtiges Informations- und Handelsmedium.
- Und noch ein Grund spricht gegen die Nutzung vieler bestehende Portale: Es entstehen Kosten, noch bevor der Handel stattfindet. Mitgliedsgebühren, Einstellgebühren, Handelsgebühren fallen an. Sogar, wenn man nichts kauft oder verkauft.
Diese Probleme sind uns bewusst gewesen, als wir an die Entwicklung von gruuna gingen. Was denken Sie: Gibt es weitere Gründe, die bis jetzt den Durchbruch für den Internethandel im Agrarbereich verhindert haben? Ist die Landwirtschaft in den vergangenen Jahren insgesamt internetaffiner geworden? Wir sind auf Ihre Meinung gespannt…
Vertrieb
Sind Hofläden eine Alternative zum Supermarkt?
Ich kaufe gerne im Hofladen ein. Dort bekomme ich hochwertige Waren zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Ich lebe nicht in der ständigen Gefahr, von einem Einkaufswagen überrollt zu werden. Und beim Bezahlen tritt auch niemand hinter mir ungeduldig von einem Bein aufs andere, wenn ich sage »Ich schaue mal, ob ich den Betrag passend habe.« Trotzdem ersetzt der Hofladen noch nicht den Supermarkt. Das sollten Landwirte versuchen zu ändern.
Ein Einkauf im Hofladen ist für mich eher Beschäftigung für einen Urlaubstag. Weil die Anfahrt einfach länger ist. Und meistens fehlen doch noch ein paar Dinge, die ich im Supermarkt besorgen muss.
Über Standortwechsel nachdenken
Warum sind Hofläden eigentlich immer räumlich mit dem Betrieb verbunden? Bäckereien oder Metzgereien haben ihre Verkaufsräume doch auch in der Innenstadt und produzieren außerhalb.Ich kann mir durchaus vorstellen, dass viele Kunden gerne öfter »direkt ab Hof« kaufen würden, wenn sie die Gelegenheit dazu hätten.
Was spricht dagegen, dass auch landwirtschaftliche Betriebe ihre Erzeugnisse in den Innenstädten an den Verbraucher bringen? Vielleicht könnten sich sogar mehrere Betriebe zusammenschliessen, damit sich Ladenmiete und Personalkosten auch lohnen. Damit wäre auch ein größeres Sortiment sichergestellt, wenn sich z.B. Gemüse- und Fleischerzeuger zusammenschliessen.
Fleischpreise
Mehr Geld fürs Weiderind
Dass der Verbraucher nicht immer weiß, was er auf dem Teller hat, ist bekannt. In die Schlagzeilen schaffen es aber nur die Fälle, bei denen der Verbraucher getäuscht wurde und eine minderwertige Qualität vorgesetzt bekam. Was aber, wenn der Verbraucher eine hervorragende Qualität bekommt und niemand weiß es?
Gibt es nicht? Zumindest beim Rindfleisch schon.
Das Forschungsinstitut für die Biologie landwirtschaftlicher Nutztiere (FBN) berichtete kürzlich, dass eine artgerechte Haltung von Weiderindern auch dem Verbraucher zugute kommt. Denn das Fleisch vom Weiderind hat eine für die menschliche Ernährung günstigere Fettsäurenzusammensetzung im Vergleich zu seinem Artgenossen aus Stallhaltung.
Doch wissen Landwirte und Verbraucher um diese gesundheitlichen Vorteile? Und wie können Landwirte, die von diesen Forschungen wissen, den Verbraucher als Endkunden erreichen?
Denn ein Lebensmittel kann noch so toll schmecken und noch so gesund sein. Der Verbraucher wird nur bereit sein, einen höheren Preis zu zahlen, wenn er von diesen Vorteilen weiß.
Erzeuger müssen Fleischer überzeugen
Das in Braten und Steaks zerlegte Rind erreicht den Endkunden meist aus der Kühltruhe im Supermarkt oder über die Metzgertheke. Will der Landwirt für sein Weiderind einen höheren Preis erzielen, sollte er versuchen, die Metzger zu überzeugen, Weiderind als Premiumprodukt zu vermarkten. So könnten Landwirte und Metzgereien gemeinsam einen Aktionstag veranstalten. An so einem Tag erfährt der Verbraucher nicht nur, warum Weiderind gesünder ist. Er kann sich auch über Haltungsbedingungen und Rinderrassen informieren. Dazu können ihm Kostproben angeboten werden. Und selbstverständlich gibt es eine schicke Rezeptbroschüre, die Lust aufs Kochen und Genießen macht. Vielleicht lässt sich ja sogar in Zusammenarbeit mit der Gastronomie ein Koch-Event organisieren? Beim gemeinsamen Brutzeln und einem Glas Rotwein lassen sich die Fakten doch viel entspannter vermitteln. Offensichtlich ist es noch wenig bekannt, dass das Fleisch vom Weiderind aromatischer und dazu noch gesünder ist, als das Fleisch von Tieren aus Stallhaltung. Dabei kann es sich sowohl für den Landwirt, wie auch die Fleischerei lohnen, Weiderind zur Premiummarke zu erklären und den Kunden die Vorteile nahezubringen.
Welche Ideen haben Sie noch, den Absatz von hochwertigem Rindfleisch zu steigern und damit höhere Erträge zu erzielen?
Preisentwicklung
Ein erfolgreiches Jahr und seine Folgen
Obwohl die Ernte 2007 nur einen durchschnittlichen Ertrag brachte, konnten die Landwirte beim Verkauf bis zum Frühjahr 2008 ungewöhnliche Preise erzielen. Es gab eine höhere Nachfrage sowie Spekulationen auf dem Agrarmarkt. Solche besonderen Situationen beeinflussen die Agrarmärkte nachhaltig: Heute haben viele Landwirte weniger Gewinn aus ihrer Ernte.
Anfang 2008 mussten auch die Betriebsmittel wegen erhöhter Nachfrage aus dem asiatischen Raum wesentlich teurer beschafft werden. Ist die tatsächlich nur die erhöhte Nachfrage Ursache für den plötzlichen Preisanstieg?
Man könnte vermuten, dass die Zulieferer ihre Preise deshalb so stark erhöhten, weil die Landwirte durch die guten Einnahmen plötzlich einfach mehr bezahlen konnten. In Teilbereichen ist anzunehmen, dass Hersteller die Produktion absichtlich verringerten, um die Preise künstlich auf dem erreichten hohen Niveau zu halten.
Zur Ernte 2008 sind die Verkaufspreise für landwirtschaftliche Erzeugnisse wieder sehr rasch gesunken. Die Ernteergebnisse waren überdurchschnittlich und die globale Finanzkrise tat ihr Übriges. Die Einkaufspreise für die zur Produktion notwendigen Betriebsmittel lagen weiter auf hohem Niveau und sinken nur sehr langsam. Die Folge: Aus der Ernte 2008 wurde ein wesentlich geringerer Gewinn erzielt.
Gezielte Ausschreibung auf gruuna
Eine Möglichkeit, diese Situation zu verbessern, finden Sie bald hier, auf: http://www.gruuna.com. Auf gruuna – dem Landwirtschaftmarkt im Internet – können Sie ab 2010 Ihren Bedarf gezielt, sicher und kostenlos ausschreiben. Dabei können Sie Ihre gewünschten Qualitäts- und Lieferbedingungen verbindlich vorgeben.
Mit einer Ausschreibung sprechen Sie überregional oder sogar international gleichzeitig eine größere Anzahl Zulieferer an. Diese bewerben sich dann um Ihren Auftrag. So können Sie mit wenig Aufwand zum Niedrigstpreis einkaufen.
Landwirte als Abschlepphelfer
Teure Hilfe
Gerade in der Winterzeit rutschen Fahrzeuge oft in eine Schneewehe und kommen von allein weder vorwärts noch rückwärts. Landwirte werden gerne um Hilfe gebeten, um das festgefahrene Fahrzeug mit ihrer Zugmaschine abzuschleppen. Doch das kann teuer werden.
Aus Erfahrung weiß ich, dass sich Mitarbeiter von Landwirtschaftsbetrieben auch gegenseitig beim Abschleppen defekter Landmaschinen helfen. Es ist zwar nett, so viel Hilfsbereitschaft zu zeigen und einen Liegengebliebenen abzuschleppen. Aber Vorsicht: Abschleppen sollte man den Profis überlassen – denn unter Umständen kann aus der Hilfe schnell großer Schaden entstehen.
Bei Unfällen ist Kostenteilung möglich
Haben Sie sich schon einmal Gedanken darüber gemacht, wer für Schäden beim Abschleppen aufkommt? Angenommen der Abschleppende reißt Teile des abgeschleppten Fahrzeugs ab, weil er zu schnell anfährt. Oder der Abgeschleppte reagiert zu spät und fährt dem Helfer auf.
Regelmäßig müssen sich auch Gerichte mit solchen Fällen auseinandersetzen. In Hamm wurde zum Beispiel folgender Fall verhandelt: Auf einer abschüssigen Straße wurde ein Fahrzeug abgeschleppt. Das hintere Fahrzeug stieß dabei auf das vordere. Der Helfer wollte den Schaden in Höhe von knapp 8.800 € ersetzt haben. Das Gericht sprach ihm aber nur die Hälfte des Betrags zu.
Keinem der Fahrer lasse sich ein besonderer Schuldvorwurf machen, so die Richter. Denn weder sei einer von ihnen zu langsam oder zu schnell gefahren, noch habe der andere zu spät gebremst. Daher sei eine Haftungsteilung „sachgerecht“ (OLG Hamm – 9 U 73 / 08- Entscheidung vom 09.09.2008).
Wie kamen die Richter zu dieser Entscheidung? Bei einem Abschleppvorgang befinden sich beide beteiligten Fahrzeuge im Sinne des Straßenverkehrsrechts nach wie vor „in Betrieb“. Beide Fahrzeuge tragen also grundsätzlich die gleiche Betriebsgefahr, da sie beide weiterhin am öffentlichen Straßenverkehr teilnehmen. Kann nun bei einem Unfall kein eindeutiges Verschulden zugeordnet werden (zum Beispiel weil ein Fahrer nicht gebremst hat), muss der entstandene Schaden hälftig geteilt werden. Und: Die Tatsache, dass der eine Fahrer den anderen Fahrer „beauftragt“ hat, ändert diese Beurteilung nicht.
Teurere Versicherung
Grundsätzlich kann man festhalten, dass der Haften muss, der den Unfall verschuldet. Bei ungeklärten Schuldfragen kommt es aber in der Regel zu einer Haftungsteilung. Dann wird schnell aus einer Geste der Hilfsbereitschaft ein Sachschaden in vier- oder fünfstelliger Höhe. Deshalb ist es professionellen Winterdiensten oft untersagt, anderen Fahrzeugen zu helfen.
Wenn es, wie im oben beschriebenen Beispiel, zu einer Haftungsteilung kommt, wird auch die Kfz-Haftpflichtversicherung des Abschleppenden, der es eigentlich nur gut gemeint hat, belastet. Das kann zu Prämienerhöhungen führen.
Wie halten Sie es mit Ihren (Dienst-) Fahrzeugen und der Winterhilfe? Haben Sie einen ähnlichen Fall erlebt?
Convenience Food
Weg von der reinen Primärerzeugung?
Ich mag Gemüse. Gemüse zu schnippeln finde ich mal grundsätzlich eine angenehme Tätigkeit. Weil ich dabei über vieles nachdenken kann. Ja, Küchenarbeit kann ganz schön meditativ sein.
Aber wenn der Arbeitstag mal wieder länger als geplant dauert und ich abends gegen 20 Uhr noch Möhren schneiden soll, hält sich auch meine Begeisterung in Grenzen.
Jetzt wäre es doch praktisch, wenn ich das Gemüse gleich fertig gewaschen und geschnitten im Laden kaufen könnte. Warum gibt es das eigentlich nicht? Dabei kann ich mir vorstellen, dass der Markt dafür riesig wäre.
Convenience-Food frisch vom Feld« sozusagen. Bei Salaten, die es frisch geschnitten in der Gemüsabteilung gibt, funktioniert das doch auch.
Sicher ist nicht nur bei mir die Zeit zum Kochen immer knapper. Auch wer wenig Zeit hat, möchte gesund leben. Hinzu kommt der Trend zu Single- und 2-Personen-Haushalten. Auch wer für sich alleine kocht, liebt Pfannengerichte und Aufläufe aus verschiedenen Gemüsesorten. Diesem Wunsch stehen dann meist die natürlichen Ausmaße von Blumenkohl & Co. entgegen.
Für Erzeuger und Verkäufer von Gemüse könnte dies ein lohnendes Geschäft sein. Neben frischem, vorbereitetem Gemüse und fertigen Gemüsemischungen könnten auch Komplettpackungen zusammen mit einem Kochrezept und der passenden Gewürzmischung angeboten werden.
Investitionen nötig
Bevor ich jetzt zu euphorisch werde: So ein Angebot erfordert auch eine Menge an Investitionen. Der Raum, in dem gearbeitet wird, muss bestimmten Hygienestandards entsprechen, es müssen professionelle Schneidemaschinen beschafft werden. Und auch das Personal muss regelmäßig in Hygienefragen geschult werden.
Auch der Absatz muss vorher gut überlegt sein. Denn geschnittenes Gemüse verdirbt schnell und sollte daher schnell verkauft werden können. Wie kommt das Gemüse schnell zum Verbraucher? Neben Supermärkten könnte ich mir auch die als Treffpunkte für die Mittagspause beliebten Bäckereien und Metzgereien vorstellen. Wer dort mittags einen Snack isst, kann gleich fürs Abendessen einkaufen.
Welche Chancen sehen landwirtschaftliche Betriebe hier, höhere Erträge zu erzielen? Und was wären Kunden bereit, für diesen Service zu zahlen?
Interview
Chefredakteur der “Neuen Landwirtschaft” zu Gast
Vor dem Start von gruuna haben wir uns mit Klaus Böhme, dem Chefredakteur der Zeitschrift »Neue Landwirtschaft« getroffen. Bei dieser Gelegenheit hat er uns einiges über die Veränderungen in der Zeitschrift erzählt.
2009 wurde die »Neue Landwirtschaft« neu gestaltet. Klaus Böhme beschreibt in dem Interview mit uns, was sich optisch verändert hat und welche Zielgruppe er mit der Zeitschrift erreichen will.
gruuna weiterentwickeln
Testtage in Grüna
Landwirte bei den Kundentesttagen in Grüna
gruuna, der Landwirtschaftsmarkt im Internet, startet im Frühjahr 2010. Wir wollen, dass Landwirte und Händler einfach und intuitiv mit unserer Seite umgehen können. Deshalb haben wir im Dezember über 60 interessierte Landwirte eingeladen. In Grüna bei Chemnitz, wo gruuna entsteht, haben sie verteilt über zwei Wochen die Plattform getestet, bewertet und ihren Wünschen angepasst.
Seit fast zwei Jahren wird der Landwirtschaftsmarkt im Internet von uns entwickelt. Wir waren deshalb sehr neugierig und gespannt, wie unsere Testkunden auf gruuna reagieren. Hier und hier stellen wir zwei Landwirte vor, die in Grüna getestet haben.
Für uns war wichtig zu erfahren, wofür die Landwirte gruuna nutzen wollen. Neben dem lokalen Handel können sie in Zukunft über das Internet ihre Produkte international anbieten. Es entstehen keine Kosten für das Anbieten. Sie erreichen aber eine viel größere Kundenzahl als bisher.
Die 60 Gäste hatten ganz verschiedene Ideen, was sie auf gruuna handeln wollen. Ein Kunde will „Weizen, Gerste und Roggen, den ich noch auf Lager habe und gerade nicht verkaufen kann“ anbieten. Ein anderer möchte „Tiere aller Art, wie Kühe, Färsen und Schweine“ verkaufen. Auch Alttechnik oder alternative und innovative Erzeugnisse wie Bioweizen, Energiepflanzen, Hanf sind demnach interessante Produkte für gruuna. Bemerkenswert war, dass fast alle Teilnehmer zukünftig über gruuna Artikel anbieten, und die Möglichkeit zur Ausschreibung nutzen wollen. So können sie höhere Erlöse erzielen und günstiger benötigte Betriebsmittel einkaufen.
Wir wollten auf den Testtagen auch wissen, was wir an unserer Seite verändern müssen, damit sie einfach bedient werden kann. Die Landwirte konnten deshalb viele Funktionen ausprobieren. Anschließend haben wir nach Verbesserungsvorschlägen zu den Punkten Design, Inhalt, Nutzung und „Sicher Handeln“ von gruuna gefragt. Bis zum Frühjahr werden die Ideen aus den Diskussionsrunden umgesetzt. Sie können sich dann schneller auf der Startseite zurechtfinden, leichter Artikel einstellen und genauer das Gesuchte finden. Auch die einzelnen Handlesvorgänge werden zukünftig noch übersichtlicher dargestellt.
Nach den Testwochen wurde uns klar, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Mit Ihrer Unterstützung können wir gruuna zu der Chance für den landwirtschaftlichen Vertrieb machen. Günstigere Preise im Einkauf und höhere Erlöse im Verkauf sind mit gruuna realistisch. Andreas Tornow, Landwirt aus Mecklenburg-Vorpommern, sagte: „Wir haben eine Reihe Produkte, die wir nur schwer vermarktet kriegen und deswegen freuen wir uns in Zukunft, gruuna zu nutzen, um auch international tätig zu werden“. Norbert Münch, Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Weißenschirmbach e.G. meinte: »Ich finde gruuna sehr gut! Eine Chance für die Zukunft der Landwirte, sich frei am Handel zu beteiligen. Die Vorurteile vieler Landwirte sollten zur Seite geschoben werden und gruuna eine gute Chance gegeben werden.«
Roggen für die Biogasanlage aus dem Internet
Das Internet hat unseren Alltag in vielen Bereichen verändert. Agrarunternehmer halten Kontakt über Mails, stellen ihren Fördermittelantrag im Internet und tätigen Überweisungen oder Übertragungen von Hagelverzeichnissen online. Privat buchen sie Reisen oder kaufen Bücher am PC. Aber wieso hat das Internet den Handel mit landwirtschaftlichen Gütern – etwa den Verkauf von Roggen für Biogasanlagen – noch nicht nachhaltig beeinflusst?
Landwirte verkaufen ihre Ernte noch immer meistens an den Händler vor Ort. Sie erfahren gar nicht, ob es im näheren Umkreis jemanden gibt, der dringend eine große Menge Roggen für seine Biogasanlage benötigt. Und der deshalb auch einen höheren Preis zahlen würde. Nur persönliche Kontakte zu Händler konnten bis jetzt diese Informationen liefern.
Mit dem Start von gruuna im Frühjahr 2010 gibt es für Sie eine weitere Möglichkeit, Roggen für Biogasanlagen und andere landwirtschaftliche Produkte zu handeln. Landwirte bieten ihre Erzeugnisse über gruuna zum Verkauf an. International und kostenlos. Entweder als Auktion, bei der sich Interessenten gegenseitig überbieten. Oder als Angebot zum Festpreis, damit Sie Ihren Wunschpreis garantiert erzielen.
Mehr Handelspartner, höhere Preise
Über gruuna erreichen Sie immer eine viel größere Zahl an Handelspartnern als bisher. Deshalb erzielen Sie wahrscheinlich auch einen höheren Preis. Ohne großen Aufwand, einfach vom PC aus. Damit ist ab Frühjahr 2010 der landwirtschaftliche Handel – und auch der Roggen für die Biogasanlage – im Internet angekommen.
In diesem Blog werden Sie regelmäßig über alle Neuigkeiten rund um gruuna informiert. Und wenn Sie sich kostenlos für unseren Newsletter anmelden, erfahren Sie als Erste vom Start des Landwirtschaftsmarkts im Internet.
Steffen Sokolowski über gruuna
Im Dezember 2009 konnten interessierte Kunden der gvf die Homepage von gruuna bereits testen. Sie konnten viele Funktionen des Landwirtschaftsmarktes im Internet ausprobieren, bewerten und verändern.
Einer von ihnen war Steffen Sokolowski, Vorstandsvorsitzender des Agrar- und Beteiligungsunternehmens Agross e.G.. 37 Menschen arbeiten für Agross in der Nähe von Leipzig. Sie bewirtschaften 1700 Hektar Land. Zu dem Unternehmen gehören neben einem Hofladen auch eine Tankstelle und eine Biogasanlage.
Wir haben Steffen Sokolowski gefragt: Was erhoffen Sie sich von gruuna, dem Landwirtschaftsmarkt im Internet?
Go East? Die russische Landwirtschaft und deutsche Investoren
Ein alter Traktor auf einem russischen Hof.
Chancen und Risiken in der russische Agrarindustrie
In Sachen Landwirtschaft ist Russland ein ganz besonderer Fall. Zwar gibt es in dem Land fast unerschöpfliche Mengen an qualitativ hochwertigem Ackerboden. Dennoch müssen seit dem Ende der Sowjetunion ständig Lebensmittel in riesigen Mengen importiert werden. Das bietet die Möglichkeit, gewinnbringend zu investieren
Grund für den schlechten Zustand der russischen Landwirtschaft ist das kommunistische Erbe. Wegen der jahrzehntelangen Misswirtschaft waren die landwirtschaftlichen Betriebe nach 1989 in einem bedauernswerten Zustand. Deshalb liegen weite Teile des fruchtbaren Bodens noch heute brach, obwohl der Bedarf an Lebensmitteln nicht einmal annähernd gedeckt ist.
In den vergangenen Jahren musste Russland die Hälfte aller Lebensmittel einführen. Die andere Hälfte kommt meist von kleinen, privaten Höfen und tausenden Gemüsegärten. Gehandelt wird meistens rein privat. Von einer funktionierenden Agrar-Industrie in großem Stil ist Russland noch weit entfernt.
Riesen-Projekte dank Wachstum
Doch es gibt Lichtblicke. Das massive Gesamtwirtschaftswachstum, das seit 1999 immer zwischen fünf und zehn Prozent lag, zieht die Landwirtschaft mit. 2008 wuchs die Agrarindustrie bis September um stattliche 6,5 Prozent.
Russische Anleger beginnen, riesige Summen in Agrar-Projekte gigantischer Größe zu stecken. „Unternehmer, die es in anderen Branchen zu Geld gebracht haben, investieren in der Provinz, kaufen mal eben 300.000 Hektar und modernisieren Ställe und Geräte. Inzwischen gibt es in Russland 30 große landwirtschaftliche Holdings und etliche Großbetriebe“, berichtet Spiegel Online.
Chancen für deutsche Betriebe
Kein Wunder, dass auch ausländische Investoren und Exportfirmen ein Auge auf den russischen Markt geworfen haben.
Einer der ersten, der dieses Potenzial erkannt hat, ist der Gründer und Geschäftsführer der deutsch-russischen Unternehmensgruppe Ekoniva, Stefan Dürr. Gleich nach der Wende ging Dürr nach Russland, zunächst als Agrarpraktikant. Heute bewirtschaftet Ekoniva 100.000 Hektar und macht einen Jahresumsatz von 195 Millionen Euro. Dürr handelt mit europäischem Saatgut und Landmaschinen und „deckt das ganze Spektrum an Dienstleistungen im Agrarbereich ab“, wie es bei Ekoniva heißt. Erst kürzlich erhielt er für sein Engagement für die deutsch-russische Zusammenarbeit sogar das Bundesverdienstkreuz.
Suche nach Maschinen
Ein anderes Beispiel ist der deutsche Landtechnikspezialist Lemken. Schon seit fünf Jahren ist Russland für Lemken der größte Exportmarkt überhaupt. „In Erwartung eines weiterhin stark steigenden Osteuropa-Geschäfts”, heißt es in einer Pressemittleiung, will Lemken sein Engagement dort sogar noch weiter ausbauen.
Der Bedarf an leistungsfähigen Maschinen ist in Russland derzeit kaum zu stillen. Die Wartezeiten für Traktoren, Häcksler und Pflüge betragen nicht selten Jahre. „Die ganze Welt jammert, dass Russland zu viel Landtechnik kauft“, sagt ein Ekoniva-Mitarbeiter auf spiegel.de halb im Scherz.
Vorteil für deutsche Betriebe
Hinzu kommt, dass deutsches Know-How besonders begehrt ist, weil die Situation für viele Landwirte nach der Wende in Deutschland ähnlich war. Nicht wenige deutsche Agrarbetriebe haben schon einmal ehemals planwirtschaftliche Höfe erfolgreich wieder aufgebaut. Dieses Vorwissen macht deutsche Partner in Russland einzigartig.
Was meinen Sie? Entwickelt sich Russland wirklich zum El-Dorado für deutsche Agrar-Investoren? Oder sind wir Zeugen einer kurzlebigen Phase in der russischen Entwicklung? Schreiben Sie uns Ihre Meinung.
Das Marketing-Minimumgesetz
Warum bei vielen Agrarproduzenten der Ertrag nicht durch die Produktion begrenzt ist!
In der ein oder anderen Form kennen Sie alle das Ertragsgesetz, auch das Minimumgesetz genannt. Der berühmte deutsche Agrarwissenschaftler und Chemiker Justus von Liebig stellte Mitte des 19. Jahrhunderts einmal fest, dass der Ertrag auf einem Feld nur so hoch sein kann, wie es der am wenigsten vorhandene Nährstoff zulässt.
Das ist ein bisschen wie mit dem schwächsten Glied in einer Kette. Um das Wachstum einer Pflanze zu hemmen, reicht es, wenn es teilweise an nur einem Nährstoff im Boden mangelt.
Das war damals, vor gut 150 Jahren, eine große Hilfe für viele Landwirte, die so noch nie über den Wachstumsprozess ihrer Pflanzen nachgedacht hatten. Dank Liebigs Prinzip konnten viele ihren Ertrag massiv steigern, indem sie ihren Böden gezielt mit Dünger und Fruchtfolgenwechsel aufwerteten. So verhalf ihnen der agrarwissenschaftliche Fortschritt zu höheren Erträgen und Gewinnen.
Das moderne Minimumgesetz
Übertragen wir das Konzept einfach in die Gegenwart. Auch heute verpassen viele Agrarproduzenten höhere Gewinne, weil es ihren Betrieben an einer Ressource mangelt. Doch es fehlt nicht mehr reines landwirtschaftliches Know-How oder der ein oder andere Nährstoff! Jahrhunderte intensiven agragwissenschaftlichen Fortschritts haben dafür gesorgt, dass zumindest in Zentraleuropa das Potential der reinen Produktion annähernd ausgeschöpft sind.
Heute sind es fehlende Geschäfts- und Vermarktungsideen, die viele Landwirte erheblich einschränken. Für die große Mehrzahl agragwirtschaftlicher Betriebe gilt: Sie könnten deutlich höhere Gewinne erzielen, wenn sie ein bisschen mehr Energie in ihr Marketing investieren würden; wenn sie ihren Vertrieb straffen würden; wenn sie eine professionelle Preispolitik hätten; und so weiter.
Auch hier greift eine Form des Minimumgesetzes. Ohne ein funktionierendes Marketing wird der Gewinn eines Betriebs nie über einen gewissen Grenzwert hinausgehen. Oder, um zu unserer Analogie zurückzukehren: Es ist der fehlende Nährstoff Marketing, der das bestmögliche Wachstum Ihres Betriebs hemmt.
Die Grenzen Ihres Betriebs liegen nicht mehr nur auf Ihrem Feld
Natürlich sollte jeder Landwirt auch weiterhin versuchen, den Ertrag seiner Felder zu optimieren. Aber die wirklich großen Sprünge in Sachen Ertragssteigerung passieren heute im Büro, im Internet und im direkten Kundenkontakt.
Was meinen Sie? Glauben Sie, Ihr Betrieb könnte von einem professionelleren Marketing nachhaltig profitieren? Was für ein Konzept könnten Sie sich vorstellen?
Mit der Kuhaktie zur Kundenbindung
Selten hat es ein Landwirt so groß in die Medien geschafft wie kürzlich Mathias von Mirbach aus Schleswig-Holstein – mit einem geglückten Finanzierungskonzept.
Als der Bio-Bauer für seinen gepachteten 150-Hektar-Hof auf einmal dringend 20.000 Euro brauchte, um die Kühe eines aussteigenden Partners auszukaufen, war guter Rat teuer. Keine Bank wollte ihm einen Kredit bewilligen, weil die Sicherheiten fehlten.
Um kurzfristig an frisches Kapital zu kommen, ließ sich der 50-jährige etwas ganz besonderes einfallen: Die Kuhaktie. Für 500 Euro pro Aktie konnten sich seine Hofkunden Anteile an Mirbachs Kuhherde einkaufen. Als Rendite sicherte er entweder 2,5 Prozent in Bar oder fünf Prozent in den Naturalien, die er in seinem Hofladen anbietet, zu.Mirbachs Plan ging voll auf. Er brachte so viele Kuhaktien an seine Kundschaft, dass das Geld noch für den Bau einer extra Scheune, neue Gatter und bessere Fressgitter reichte. Insgesamt kamen nicht weniger als 75.000 Euro in die Kassen. „Man muss im Kopf beweglich bleiben“, meint Mirbach nur bescheiden auf spiegel.de.
Streng genommen ist die Kuhaktie natürlich keine Aktie, sondern ein Genussschein. Die Käufer der Anteilsscheine haben kein Mitspracherecht hinsichtlich der Geschäftsentscheidungen des Hofs und besitzen auch keinen Anteil des Grundkapitals. Allerdings bekommen sie einmal jährlich einen Bericht zugeschickt, in dem Mirbach alles dokumentiert, was sich in und um die Herde in den vergangenen 12 Monaten so getan hat.
Kundengewinnung und -bindung
Keine Frage, die Kuhaktie ist ein tolles Konzept zur Kapitalbeschaffung. Was viele Kritiker aber übersehen ist, dass hier außerdem ein spektakuläres Instrument zur Kundengewinnung und -bindung erdacht und umgesetzt wurde.
Die Idee entstand zwar aus dem Bedarf nach frischem Kapital. Aber das eigentlich beeindruckende an dem Konzept ist die Werbung für den eigenen Hof. Richtig aufgezogen bringt eine solche Aktion eine Menge positive Publicity und damit neue Kunden in den Hofladen.
Außerdem werden alle Aktionäre gararntiert nur noch bei „ihrem“ Hof kaufen wollen. Die mittelfristigen Auswirkungen einer solchen Aktion sind mindestens genauso wirkungsvoll wie der unmittelbare Nutzen für den Cash-Flow.
Mirbach sieht das ähnlich: „Es gibt ja auch Modelle wie den Kindergarten auf dem Hof oder Hoffeste. All diese Sachen sind wichtig, um Verständnis für die Erzeugung von landwirtschaftlichen Produkten zu erwecken. Und letztendlich ist unser Finanzierungsmodell auch so ein Kundenbindungsinstrument“, sagt er im ZDF-Interview (http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/835490/Mit-einer-Kuhaktie-gegen-die-Not#/beitrag/video/835490/Mit-einer-Kuhaktie-gegen-die-Not).
Martkunabhängig dank Hof-Flatrate
Eine ähnlich innovative Idee hatte Mirbach schon vor elf Jahren. Damals rief er die Hof-Flatrate ins Leben. Hofkunden können für 150 Euro monatlich eine festgelegte Menge an Hofprodukten kaufen. Das auf diese Weise sichere Einkommen macht ihn weitgehend unabhängig von den Turbulenzen des Marktes. Intern, so sagt er dem manager magazin, rechne er mit Milchpreisen von 55 bis 60 Cent pro Liter, fast drei Mal so viel wie der derzeit übliche Preis.
Auch diese Idee dient also gleichzeitig der Kundenbindung und der direkten Ertragssteigerung.
Was denken Sie? Sind Mirbachs Ideen Modelle, die auf alle oder viele deutsche Höfe passen? Oder finden Sie das alles eher albern? Haben Sie auf Ihrem Hof ähnliche Ideen umgesetzt oder in Planung? Schreiben sie uns Ihre Kommentare und diskutieren Sie mit.
Swiss Meat - Wie man ein teures Produkt besser vermarktet
Wer ein Produkt von sehr hoher Qualität und Preis anbietet, ist durch Änderungen im Markt besonders leicht verwundbar. Ganz speziell gilt das für Angriffe von vergleichbaren Erzeugnissen mit niedrigeren Preisen.
Wenn der Kunde plötzlich ein ähnliches Produkt wie das Ihre für viel weniger Geld haben kann, wird es brenzlig. Selbst wenn die Konkurrenz Ihnen in puncto Qualität nicht das Wasser reichen kann, ein niedrigerer Preis ist für viele Verbraucher ein sehr starkes Argument.
In diesem Punkt unterscheidet sich die Landwirtschaft nicht von allen anderen Branchen. Hier wie dort steht man dann vor der Frage, wie man es dem Kunden vermitteln kann, dass das eigene Produkt den höheren Preis wert ist.
Beispiel Schweizer Fleisch
Genau an diesem Punkt befindet sich gerade die schweizer Fleischindustrie. Bislang war der Schweizer Markt dank hoher Schutzzölle von dem Import billigen Fleisches aus anderen Ländern praktisch abgeschnitten. Auf Druck der EU, die mit der Schweiz an einem Freihandelsabkommen arbeitet, wird sich daran in den kommenden Jahren aber einiges ändern.
Plötzlich müssen die schweizer Fleischproduzenten also damit rechnen, massive Konkurrenz zu bekommen. Billigimporte könnten den einheimischen Fleischerzeugern Marktanteile abnehmen. Denn Weidehaltung und Grasfütterung garantieren zwar ein Produkt von ausgezeichneter Qualität, treiben aber auch den Preis für den Endabnehmer in die Höhe.
Marketing ist alles
Die schweizer Fleischerzeuger machten das einzig richtige und gründeten die Branchenorganisation „Proviande“ mit dem Ziel, ein gemeinsames Marketing rund um die Marke „Schweizer Fleisch“ aufzuziehen.
Mit Proviande soll zum einen sichergestellt werden, dass die schweizer Konsumenten auch nach der Öffnung des Marktes weiter Fleisch aus dem Inland kaufen. Zweitens soll der Export in die Nachbarländer vorangetrieben werden.
Qualitätsvorsprung kommunizieren
Wichtigste Aufgabe von Proviande ist es also, den Qualitätsvorsprung effektiv zu kommunizieren. Dem Kunden muss vor Augen geführt werden, welche Vorteile Schweizer Fleisch gegenüber anderen, minderwertigen Fleischsorten bietet und warum das auch den ein oder anderen Euro mehr wert ist. Damit sind sie ein Lehrstück für die oben beschriebene Problematik.
Wie wird das gemacht? Die Methoden von Proviande umfassen die gesamte Bandbreite an PR-Maßnahmen, von TV-Spots über Zeitungsanzeigen zu Publikumsmessen und der Publikation eines eigenen Kochbuchs. Sogar eine Road-Show mit einer eigenen Showküche, die vor Einkaufszentren die Verbraucher zum Mitkochen animiert, wird steht auf dem Marketing-Plan.
Der Punkt ist, dass die einzelnen schweizer Betriebe nie in der Lage gewesen wären, eine derartige Kampage alleine zu gestalten. Erst der Zusammenschluss aller beteiligten Betriebe erlaubt ein solches Engagement.
Exportchancen nutzen
Bezüglich der Exportchancen von Schweizer Fleisch verspricht sich Proviande besonders viel vom Nachbar im Norden. „Deutschland ist ein großer Markt mit einem hohen Qualitätsbewusstsein in den von uns angesprochenen Kundensegmenten, einem großen Interesse an regionalen Produkten, einer hohen Importbereitschaft und einem ausgeprägtem Bewusstsein für Lebensmittelsicherheit”, sagt Heinrich Bucher, Direktor von Proviande.
So könnte sich die anfänglich als Bedrohung wahrgenommene Aufhebung der Schutzzölle zu einem Segen für die schweizer Fleischindustrie entpuppen.
Was glauben Sie, sind Projekte dieser Art auch in Deutschland möglich? Oder ist die Schweiz ein Sonderfall? Wie können in Deutschland Agrarbetriebe, Verarbeiter und Handel zusammenarbeiten, um mehr Ertrag mit Qualitätsprodukten zu erzielen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!
Datum
2010-03-18
Autor
Jan Berger
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